Duisburg zeigt Flagge gegen Pegida

Duisburg..  Duisburg war so vorsichtig vorher, es war, als hätte die Stadt sich selbst nicht getraut. Erwartete Gegendemonstranten: 100 hier. 1000 da. Doch dann sind es 1000 hier und 4000 da -- und bei Pegida doch wieder bloß 500, vielleicht. Und die kommen von überall her, aus Aachen, Dortmund und vom Niederrhein. Duisburg? „Ist bunt”, steht auf Plakaten. Sagt ein Bürger: „Ich will, datt dat so bleibt.”

Die Stadtsteht auf

Aufhalten indes, wie in Köln, können sie die Islam-Kritiker nicht, da ist auch die Polizei vor, die dafür „Danke!”-Rufe bekommt von Pegida und „Deutsche Polizisten schützen die Faschisten!”-Schreie von No-Pegida. Aber aufstehen, das tut die Stadt am Montagabend, tief getroffen von dem Ansinnen der Bewegung, hier Fuß fassen zu wollen. In dieser Gastarbeiter-Stadt, in der Menschen aus rund 130 Ländern leben. „Die Würde des Menschen ist unantastbar – das ist unsere Antwort auf die platten Parolen von Pegida”, ruft Oberbürgermeister Sören Link (SPD) den vielen Menschen bei der großen Kundgebung vor dem Theater unter donnerndem Applaus zu. „Wir lassen nicht zu, dass die Stadt gespalten wird. Wir sind Duisburg und die anderen nicht!“

„Die anderen“, das sind 80 erst, viele schwarz gekleidete Glatzköpfe, aber auch ältere Menschen, zum Teil noch mit der Einkaufstasche in der Hand. Später verstärkt von denen, die von außerhalb anreisen, einer Aachener Gruppe, Anhängern der Partei „Die Rechte” aus dem Raum Dortmund.

Über alle sagt einer der Redner vor dem Hauptbahnhof: „Wir sind in der Regel sehr gesittet.” Der „offizielle Ableger” der Pegida seien sie, der „völlig normale Positionen” vertrete - unter anderem die von der „Lügenpresse”. „Wir wollen mit unseren Ängsten ernst genommen werden”, fordert Sebastian Nobile, der die Demonstration angemeldet hat, auf dem kleinen Podium. Glückauf!”

Da geht ein Heulen durch die Menge der 1000 gegenüber, „Buh!”, schreien sie und „Pfui”! Der Ruhrgebietsgruß „missbraucht” und dann auch der Ruf der DDR-Bürger: „Wir sind das Volk!” Ein Satz, „auf den man doch eigentlich stolz sein kann”, sagt die Lehrerin Petra Müller-Axt. „Wir wollen hier nichts Rechtes haben.”

Und so schreien die Menschen „Nazis raus!” gegen den Schweigemarsch und trommeln gegen die „Deutschland, Deutschland”-Gesänge. Zu sehen ist von der Szenerie, in der Polizeihundertschaften die Visiere ihrer Helme dichtziehen, nicht viel: Auch Duisburg hat seine Lichter gelöscht, „um denen da drüben die Stirn zu bieten”, wie Anne es beschreibt. „Das mit dem Fremdenhass ist doch der falsche Weg!”

„Juden, Christen, Muslime, Agnostiker und Atheisten stehen hier zusammen”, zählt der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, Armin Schneider, auf der großen Kundgebung vor dem Theater auf. Und wendet sich an die Pegida-Truppe, die ihn nicht hören kann: „Ihr habt weder in Duisburg noch in irgendeiner anderen Stadt etwas verloren.” Es geht um das Gemeinsame an diesem bitterkalten Abend, und hier können sie das mit Humor: „Islamophobie, das ist bekannt, endet oft hungrig am Döner-stand”, steht auf einem Poster. Ein 15-jähriges Mädchen steht kopfschüttelnd hinter der Absperrung: „Ohne die Leute mit Migrationshintergrund wären wir in meiner Klasse nur zu acht.”

Auf der Hauptbühne halten sich der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, sein muslimischer Kollege vom Integrationsrat und Pastor Schneider an den Händen, man singt „Blowin’ In The Wind” und „Get Up, Stand Up”; es gibt Leute, die werden später von Gänsehaut sprechen. Sie kommt nicht von der Angst.

Und dennoch ist Duisburg, wie Dresden, wie Düsseldorf, noch nicht fertig mit Pegida. Die Bewegung wird wiederkommen, nächste Woche schon. Und, dazu hat sie aufgefordert, womöglich Freunde mitbringen.

„Haltet eure Montage frei”, ruft ein Sprecher des „Netzwerks gegen Rechts“: „Wir werden uns wieder hier treffen müssen.“