Drei, zwo eins, meins – Hehlerware kommt unter den Hammer

In der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft: Justizobersekretär Andreas Soria Kubenka hält eine digitale Spiegelreflexkamera, die als Fundsache versteigert wird.
In der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft: Justizobersekretär Andreas Soria Kubenka hält eine digitale Spiegelreflexkamera, die als Fundsache versteigert wird.
Foto: Volker Hartmann/FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Justiz in NRW verkauft Hehlerware. Im Internet gibt es unter „justiz-auktion.de“ Infos für jedermann. Dennoch sollten Schnäppchenjäger aufpassen.

Ruhrgebiet.. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, Kokain nach Deutschland zu schmuggeln. In den Schäften seiner Golfschläger hatte es vor einiger Zeit ein „Urlauber“ versucht, vergebens. Doch mit seiner Festnahme und selbst mit einem Urteil ist diese Räuberpistole noch lange nicht vorbei für die Justiz. Denn die Golfschläger dürfen die Staatsanwälte ja leider nicht behalten. Ebenso wenig wie exquisite Oldtimer, edle Harfen oder „Konvolute von Alkoholika“, all die unmöglichen Dinge eben, die jeden Tag in Deutschland beschlagnahmt und gefunden werden. Die Lösung für die Entrümpelung der Asservatenkammer lautet: „www.justiz-auktion.de“.

Tatsächlich, die Justiz hat ein eigenes „eBay“ aufgebaut, eine Versteigerungsplattform für Diebesgut und Dinge mit „speziellen“ Geschichten. In NRW fing es 2006 an, andere Bundesländer haben sich angeschlossen.

„Fahrräder bekommen wir häufig“

Andreas Soria Kubenka sind die Kokain-Golfschläger noch gut im Gedächtnis. Der Justizobersekretär betreut die Auktionen für die Staatsanwaltschaft Essen seit neun Jahren. Die Drogen wurden also entfernt, die Schläger versteigert. Doch dann kam die Reklamation des Käufers: In den Schäften sei so ein weißes Pulver! Großes Entsetzen ... doch bei der Überprüfung stellt sich heraus: „Dieses weiße Pulver waren keine Kokainreste, sondern ein Zusatz, der die Schläger vor Korrosion schützt.“

Staatsanwaltschaft Alle zwei Monate sichten Andreas Soria Kubenka und ein Kollege die Asservatenkammer in Essen. „Es ist immer wieder eine Überraschung, was wir in den Kisten finden“, sagt der Behörden-Auktionator: Golf- und Angelausrüstungen, Trompeten, Besteckkästen oder Stromgeneratoren. Sogar eine Rappstute spanischer Herkunft galt es mal zu versteigern. „Fahrräder bekommen wir häufig.“ Über einige Jahre hinweg kaufte ein Mann wahre Massen an 24-Zoll-Fahrrädern. „Ich war neugierig und hab ihn gefragt, was er damit macht“, sagt Soria Kubenka. Der Pfarrer sammelte die Räder und verschickte sie an bedürftige Familien in Kuba. „Für die ist das eine große Sache. Das fand ich toll.“

Prüfen auf Plagiate

Natürlich prüfen er und sein Kollege, was noch in Ordnung ist und was geschreddert werden muss. Um sicherzugehen, dass es sich bei Parfums, Schmuck, Handys oder Uhren um Originale handelt, lassen sie diese auch von Sachverständigen prüfen. Schließlich sollen keine Plagiate in den Umlauf gelangen. Einmal fragte der Justizobersekretär selbst in Southampton, England, nach. „Wir hatten ein Handy in Ferrari-Optik, das mir sehr schwer vorkam.“ Der Hersteller schickte eine Liste mit elf Prüfpunkten – Ergebnis: das Handy war eine Fälschung. „Das war schade, ansonsten wäre es noch 12.000 Euro wert gewesen.“

Auktion Andreas Soria Kubenka hat überwiegend mit Diebesgut zu tun. Oft kann der Besitzer nicht mehr ermittelt werden – wie bei dem großen, zweiflügeligen Kühlschrank vor wenigen Wochen. „Der Käufer aus Südbayern hatte nicht auf den Artikelstandort geachtet“, erzählt Soria Kubenka. Typisch Internet-Auktionen. Am Ende kam der Käufer doch extra nach Essen.

Alkoholika nur mit Ausweis und für Selbstabholer

Auch Neuwagen, Oldtimer oder auch Luxusyachten werden natürlich nicht verschickt. Sogar eine Lokomotive war mal dabei. Nicht alle diese Dinge haben einen Krimi-Hintergrund. Manchmal hat sie nur ein Gerichtsvollzieher beschlagnahmt. „Wenn der Besitzer sie nicht auslösen kann oder will, landen diese Sachen in der Versteigerung.“ In der Regel stellen die Gerichtsvollzieher sie selber ein.

Tabakwaren werden in Essen übrigens von vornherein entsorgt. Man kann sich ja nie sicher sein, dass es sich wirklich um Tabak handelt. Und Alkoholika – nur für Selbstabholer. Personalausweis nicht vergessen!