Drei Tage Volldampf bei „Rock im Revier“

Mindestens so wichtig wie Metallica: der Grill. Vossi, David, Shauni, Klaus und Michael (v.l.) sind aus Zeeland in den Niederlanden angereist.
Mindestens so wichtig wie Metallica: der Grill. Vossi, David, Shauni, Klaus und Michael (v.l.) sind aus Zeeland in den Niederlanden angereist.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Premiere für „Rock im Revier“ in Gelsenkirchen: Die ersten Fans haben bereits ihre Zelte aufgeschlagen – und die Musik aufgedreht.

Gelsenkirchen.. Die Dosen palettenweise unterm Arm, mit Sackkarre und dunklen T-Shirts, so ziehen die Rockfans auf die Trabrennbahn Gelsenkirchen. Entspannt, geordnet, die kritische Festival-Masse ist am Donnerstagnachmittag noch längst nicht erreicht – so wie auch die düsteren Wolken sich noch zurückhalten hinter den baumbestandenen Hängen. Anwohner Friedhelm Werner, 62, und seine Freunde schauen am Geländer zu wie einem Fußballspiel: „Lärm? Nein, das ist doch gut abgeschirmt hier. Wir waren einfach neugierig, wie’s aussieht ... Aber ich glaube, bei der Olé-Schlager-Party vor drei Wochen war mehr los, oder?“

Die Arena wird nicht voll werden

Wie man’s nimmt. Auch zu „Rock im Revier“ erwarten die Veranstalter 40 000 zahlende Gäste. Aber da es auch Tagestickets gibt, werden sie sich verteilen: „30 000 am Freitag bei Metallica, jeweils 20 000 an den anderen beiden Tagen“, sagt Fred Handwerker, der mit seiner Firma einen Großteil der Organisation stemmt.

Nach dem Hickhack um den kurzfristigen Umzug vom Nürburgring nach Gelsenkirchen kann man das als Erfolg werten. Allerdings würde die Veltins-Arena auch mit Bühne noch 48 000 Besucher fassen. Sie wird also die meiste Zeit über nicht einmal zur Hälfte gefüllt sein. „Es gibt kein Festival dieser Größenordnung, das im ersten Jahr Geld verdient“, gibt denn auch Oliver Hoppe zu, der Juniorchef der „Wizard Promotions Konzertagentur“, die „Rock im Revier“ mitveranstaltet.

Er betont zugleich, man wolle das Festival auf Schalke weiterführen – mit Rockavaria in München von den gleichen Machern das erste Drei-Tages-Festival in einer Arena und mit Camping-Option. Auch Fred Handwerker deutet die Not als Tugend: „Für uns ist es zukunftsweisend, nicht auf die grüne Wiese zu gehen, sondern dorthin, wo die Menschen sind.“

Von der „Grünen Hölle“ ins Revier

Christian Jacobs (24) aus Krefeld und Roland Heinemann (47) aus Kempen haben allerdings ihre Tickets noch für die „Grüne Hölle“ gekauft. So hieß das Festival, als es die Nachfolge von „Rock am Ring“ in Nürburg antreten sollte – nachdem dessen Veranstalter Marek Lieberberg Deutschlands größtes Festival nach Mendig verlegte (nach seinen Angaben ist es mit fast 90 000 Drei-Tages-Karten ausverkauft). Auch die Hoppes zerstritten sich mit den Nürburgringbetreibern – und so wurde „Rock im Revier“ geboren. Vor acht Wochen!


In der Branche schüttelten sie die Köpfe – so wie Christian Jacobs und Roland Heinemann als zahlende Gäste. „Natürlich haben wir uns geärgert“, sagt Christian. Drei Tage im Stadion, das sei nun mal nicht die gleiche Atmosphäre wie Open Air. Freiluftgefühle können die beiden immerhin vor der zweiten Bühne auf dem Arenaparkplatz entwickeln oder auf dem Weg zur Emscher-Lippe-Halle, wo eine dritte Bühne steht. „Egal, die Bands sind einfach gut.“ Christians T-Shirt bekundet die Prioritäten: Metallica.

Acht Kilometer bis zu den Bühnen

Die Trabrennbahn gibt einen hübschen Campingplatz ab, finden eigentlich alle: Camille (18) und Julien aus dem belgischen Lüttich, René Weijers (52) und seine vier Freunde aus Utrecht, Christian und Uwe aus Aachen und Bonn... Aber ebenso kritisieren alle die rund acht Kilometer zur Konzert-Arena. Die Veranstalter versprechen viele Shuttle-Busse, auch die Bahn dürfen die 7000 Rockcamper benutzen. Man wird erst ab Freitag sehen, wie’s in der Praxis klappt.

„Na, bei Rock ‘n’ Heim mussten wir ja auch eine Dreiviertelstunde laufen“, sagt Sandra Follner, 34. „Aber bei Rock im Park konnte man auch mal zwischen den Konzerten ausruhen“, erwidert Sebastian Zäpfle (35). „Hier wird’s schon anstrengend, die zu motivieren, früh reinzugehen.“ Er deutet in die Runde um den Wohnwagen. „Aus Versehen“ läuft Bob Marley.

Sonst: Metallica, Kiss, Judas Priest ... gefühlt vor jedem Zelt aus Ghettoblastern. Und ab heute auch in der Arena, unter den Bannern der Schalke-Fanclubs. Die Grills qualmen, erste Trinkspiele starten, so langsam riecht und klingt es nach Festival. Und die dunklen Wolken schauern noch mal mächtig ab, bevor nun hoffentlich die Sonne rockt zum Sound der angesagten stürmischen Böen.

Freitag: Metallica, Faith No More, Within Temptation ...

Samstag: Muse, Incubus, Limp Bizkit, The Hives ...

Sonntag: KISS, Judas Priest, Five Finger Death Punch ...

Tagestickets: 69 Euro,
3-Tagestickets: 179 Euro