Dortmunder Hilfsverein für Leprakranke in Nepal in Nöten

Was wir bereits wissen
Der Verein „Shanti Leprahilfe“ aus Dortmund hat Millionen im Ruhrgebiet für Kranke in Nepal gesammelt. Sie bauten eine Krankenstation und eine Schule. Die Gründerin erhielt für ihren Einsatz sogar das Bundesverdienstkreuz. Doch nun hat sich die Dortmunderin mit ihren Partnern in Nepal überworfen.

Dortmund.. Die gute Frau von Kathmandu kommt aus Dortmund. Sie heißt Marianne Großpietsch. Als Gesicht des Vereins „Shanti Leprahilfe“ hat sie in den vergangenen 20 Jahren fast sieben Millionen Euro vor allem im Ruhrgebiet eingesammelt. Diese Spenden sollen Leprakranken in Nepals Hauptstadt helfen. Für ihr Engagement erhielt Großpietsch das Bundesverdienstkreuz. Doch aus der humanitären Erfolgsgeschichte ist eine Tragödie geworden. Nach Recherchen dieser Zeitung hat sich der Dortmunder Shanti-Verein mit seinen nepalesischen Partnern überworfen.

Über Jahre ist Shanti-Leprahilfe ein Vorzeigeprojekt. Von den Spenden aus dem Ruhrgebiet bauen die Nepalis nicht nur eine Krankenstation, sondern auch Werkstätten, eine Schule und einen Bauernhof. Die Leprakranken haben so nicht nur einen Arzt, sondern einen Job, eine Familie, ein echtes Leben.

Beim großen Fest kommt es zum großen Eklat

Am 17. Juli 2009 ändert sich all das. In Kathmandu feiert Shanti Sewa Griha, der nepalesische Partner der Shanti Leprahilfe aus Dortmund, eine Mahayagya. Das über Tage andauernde Fest soll Spenden für die neue Klinik sammeln. Doch es kommt zum Eklat.

Marianne Großpietsch tobt. Der Grund ist für sie eindeutig. Krishna Gurung, seit Jahren Manager der nepalischen Partnerorganisation Shewa Griha, hätte in einem Prospekt erklärt, die neue Klinik solle ein Hightech-Krankenhaus werden. Die künftige Kundschaft seien gut betuchte Patienten und nicht mehr Leprakranke, die die Dortmunder versorgen wollen.

Das passt nicht zu dem, was Marianne Großpietsch ihren Spendern versprochen hat. Es folgt das Zerwürfnis. Großpietsch fordert das eingenommene Geld, doch Krishna Gurung und die anderen Organisatoren bestreiten, Gewinn gemacht zu haben. Vielmehr hätten sie das Wenige, was sie einnahmen, sofort an die Spender zurückgegeben.

2010 spitzt sich die Lage bei Shanti zu

Als 2010 die Spendengelder für Shanti aufgrund der Rezession zu stocken drohen, spitzt sich abermals die Lage zu. Frauen, denen der Bürgerkrieg in Nepal ihre Männer genommen hatte, hatten bei Shanti Zuflucht gefunden. Marianne Großpietsch will sie nicht länger aus den Shanti-Spenden versorgen. Sie erklärt den Schritt damit, dass die Frauen für die Arbeit in den Werkstätten der Klinik ein zu hohes Gehalt gefordert hätten.

Forschung Die Frauen wehren sich. Am 19. Januar 2011 randalieren sie in der Klinik. Fensterscheiben, Stühle, Tische und Schränke werden zerstört. Großpietsch und ihr Sohn verbarrikadieren sich in einem Büroraum. Erst nach Stunden sorgt die Militärpolizei für Ruhe.

Doch nicht nur im Krankenhaus verschärft sich die Lage. Bizarre Kämpfe entbrennen vor örtlichen Gerichten. Über Jahre beschuldigen sich Marianne Großpietsch und Krishna Gurung gegenseitig der Korruption, ohne echte Beweise vorlegen zu können. Es entzünden sich sogar Streitigkeiten darüber, wer welche Ehrungen entgegennehmen oder wer welchen Briefkopf verwenden darf.

Im April 2013 beendet Großpietsch die Zusammenarbeit

Nachdem Marianne Großpietsch in diesem Jahr wieder in einen Streit mit den nepalesischen Partnern von Shanti gerät, beendet sie im April mit einem Brief die Zusammenarbeit. Von nun an geht kein Euro mehr an die Schwester-Organisation in Asien. Großpietsch verlässt das Land, weil sie sich bedroht fühlt.

Auf die Frage, was mit den Leprakranken passierte, als die Schwester-Organisation kein Geld mehr nach ihrer Flucht bekommen habe, antwortet Großpietsch, deren Wohlergehen sei nie gefährdet gewesen. Man habe schließlich weiterhin Geld nach Nepal überwiesen, nur würden Treuhänder statt des korrupten Schwester-Managements das Geld verwalten. Über die Treuhänder sollen laut Großpietsch eine Armenküche, eine Schule, College-Studenten, und die Kranken weiter versorgt werden.

Eine Überprüfung der Treuhänder ist schwer. Zwei ehemalige deutsche Mitarbeiter der Shanti-Leprahilfe vor Ort behaupten, die Versorgung der Kranken sei nicht gesichert. Mitte Mai sagte Großpietschs Ehemann noch, die Patienten müssten „nun ins Brett beißen“. Herbert Großpietsch verwaltet die Finanzen des Vereins.

Immobilien gehören nun den Nepalis

Obwohl die Shanti Leprahilfe die Spenden eingeworben hat, gehören alle Grundstücke und Gebäude den Partnern. Das nepalesische Recht erlaubt nur heimischen Vereinen, Land und Häuser zu besitzen. Nach der Trennung bleiben die Immobilien im Wert von fünf Millionen Euro bei den Nepalis. Was sie damit machen, ist offen. Sie könnten die Leprakranken rausjagen und die Klinik anders nutzen. Oder verkaufen. Das befürchtet auch die Shanti Leprahilfe.

Die Probleme vor Ort verschweigt der Verein nicht auf seiner Internetseite. Man suche sich neue Partner, verspricht Christa Schaaf, stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Und bittet weiter um Spenden für die Arbeit in Nepal.