Die Lust aufs Verruchte ist gewaltig

Ruhrgebiet..  Bei der diesjährigen Sause an Weiberfastnacht könnte in manchen Kneipen Frauenmangel herrschen. Jedenfalls zwischen 20 und 23 Uhr. Grund ist ein Kinofilm: Das Sado-Maso-Drama „Fifty Shades of Grey“ hat am 12. Februar in Deutschland Filmstart. Und der dürfte für Frauenüberschuss in den Lichtspielhäusern sorgen.

Mehr als 80 000 Kartenvorbestellungen bundesweit meldet etwa die CineStar-Gruppe. Alleine in Oberhausen sind in der dortigen Kinofiliale bereits mehr als 3200 Karten für „Fifty Shades of Grey“ verkauft worden. Wohl überwiegend an Frauen, heißt es dort.

Michael Meyer vom Kinobetreiber Apollo Cinemas nennt für seine Kinos in Gelsenkirchen und Dorsten bereits „weit über tausend Vorbestellungen“. Ähnlich ist die Zahl für die Lichtburg in Essen. Im Ufa-Palast in Düsseldorf sind für das Start-Wochenende bereits 900 Karten verkauft und 100 reserviert. Von der Buch-Vorlage der britischen Autorin E. L. James – die WAZ-Kritikerin sprach damals von einem „’Mütterporno’ ohne sprachliche Höhepunkte“ – sind im deutschen Sprachraum laut Verlag mittlerweile neun Millionen Exemplare verkauft worden.

„Den größten Vorverkauf aller Zeiten“ beobachtet auch Thomas Schülke von der deutschen Zentrale des Kinobetreibers UCI in Bochum. Viele Groß-Kinos räumen dem Film in der Startwoche deshalb gleich mehrere Säle frei, meist die jeweils größten. Die UCI-Gruppe zeigt „Fifty Shades of Grey“ in ihren Kinos an Rhein und Ruhr in jeweils mindestens zwei Sälen. Bei CineStar läuft er in Siegen gar in vier der insgesamt neun Filmsäle, in Oberhausen mindestens in dreien, in Dortmund und im Ufa-Palast in Düsseldorf ebenso, und in Hagen in zwei von acht Sälen. „Wir planen von Tag zu Tag und können die Kapazität kurzfristig erweitern“, sagt der dortige Theaterleiter Marcel Mumm.

Die schlichte Story um die erotische Affäre zwischen der „scheuen Studentin Anastasia Steele“ und dem „dominanten Milliardär Christian Grey“, so der Pressetext, wird zudem in vielen Kinos auch zur Zeit des nachmittäglichen Kinderprogramms vorgeführt; ein Angebot für Mütter womöglich . . .

Noch offen ist, mit welcher Altersfreigabe „Fifty Shades of Grey“ in die Kinos kommt. Bis dato muss man beim Kartenkauf volljährig sein. Die Werbetrailer wurden von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) sogar für Kinder ab 6 beziehungsweise 12 Jahren freigeben. „Das ist aber völlig unabhängig vom Hauptfilm“, sagt ein FSK-Sprecher auf Anfrage.

Jugendfrei jedenfalls sind die begleitenden Aktionen, die in manchen Kinos für das Startwochenende geplant sind, weniger: Es gibt Präsentationen von Sex-Spielzeug, Dessous-Partys, Fotoshootings oder Verlosungen. Im Oberhausener CineStar werden am Samstag nach dem Filmstart zudem Banner und Plakate von „Shades of Grey“ versteigert. Der Erlös, sagt Theaterleiterin Schulte-Ostrop, ist für das dortige Frauenhaus bestimmt.

An Weiberfastnacht geht es los

Ob „Fifty Shades of Grey“ auf „Blockbuster“-Kurs geht, wie jüngst die Alzheimer-Tragikomödie „Honig im Kopf“ von Til Schweiger mit seit Dezember bundesweit fünf Millionen Besuchern, sehen Kinobetreiber skeptisch. „Bei frauenaffinen Filmen ist es meist so, dass das Interesse nach den ersten zwei bis drei Wochen abnimmt“, sagt der Hagener Cine-Star-Theaterleiter Marcel Mumm.

Wer „Fifty Shades of Grey“ unbedingt zum Start sehen will, kann das gleich in der Nacht zu Weiberfastnacht. Einige Kinos – etwas das CineStar in Dortmund und in Bochum – haben jüngst „Mitternachtspreviews“ ins Programm genommen. Der Film – Dauer 125 Minuten – beginnt dann am 12. Februar um 0.01 Uhr.