Die Bau-Mafia bringt den Staat um Milliarden

Polizei ermittelt gegen italienische Bau-Mafia, hier unter anderem auch in Pizzerien in Köln.
Polizei ermittelt gegen italienische Bau-Mafia, hier unter anderem auch in Pizzerien in Köln.
Foto: Henning Kaiser/dpa
Was wir bereits wissen
Die Fahnder schlugen an Rhein und Ruhr zu, um der sizillianischen Bau-Mafia einen Schlag zu verpassen. Die Hauptverdächtigen sind Sizilianer in Köln und Witten. Aber auch in Italien fanden zeitgleich Durchsuchungen statt.

Essen.. „Scavo“ war das Codewort für den Einsatz. Gestern morgen tauchten in 15 Städten und Gemeinden in NRW 400 Polizisten und 150 Steuerfahnder auf. In Köln, Dortmund, Recklinghausen, Witten, Wuppertal und zahlreichen anderen Orten durchsuchten sie Privathäuser und Wohnungen. Gleichzeitig stürmten Carabinieri Häuser in den sizilianischen Ortschaften Licata, Ravanusa und Piazza Armerina.

Am Ende des Tages waren fünf „hochwertige Fahrzeuge“, Bargeld, Kokain und eine Luxus-Villa in der Provinz Agrigent beschlagnahmt. Siebzehn mutmaßliche Mafiosi wurde am Nachmittag der internationale Haftbefehl des Kölner Amtsgerichts eröffnet. Die Tatverdächtigen sollen zur „Bau-Mafia“ gehören – einer besonderen Spezies der sizilianischen Cosa Nostra, der Fahnder aus NRW schon länger auf der Spur sind. Sie war Thema interner Konferenzen und im März 2011 in der Operation „Rizzo“ auch schon das Ziel von zehn Festnahmen im Raum Köln.

Die Bau-Mafia ist nicht nur der Schrecken der Finanz- und Sozialbehörden, die sie im aktuellen Fall um 30 Millionen Euro, insgesamt wahrscheinlich aber um Milliardenbeträge bringt. Sie wird auch von seriösen Bau-Firmen gefürchtet, denn die von ihr organisierten Schwarzarbeiterkolonnen unterbieten sie bei Ausschreibungen.

Scheinfirmen mit Strohmännern

Das Geschäftsmodell ist kompliziert, aber wirksam: Firmen werden aufgekauft oder gegründet und zu Scheinfirmen mit italienischen Geschäftsführern gemacht – „Strohmanngesellschaften“ nennt sie die Kripo. Dann akquirieren die Tatverdächtigen Bau-Aufträge mit fingierten, überhöhten Rechnungen. Selbst „am Markt etablierte Bau-Unternehmen“, stellte gestern die Kölner Polizei fest, hätten sich solche Scheinrechnungen besorgt, um damit in den eigenen Bilanzen tatsächlich nicht entstandene Kosten vorzutäuschen und so Steuern und Abgaben zu hinterziehen.

Der Chef der kriminellen Truppe war nach den Ermittlungen diesmal ein 39-jähriger Sizilianer, der in Köln-Kalk ein Café als Einsatzzentrale betrieb und nebenher wohl auch noch mit Drogen „in nicht geringer Menge“ dealte. Als die Ermittler ihm auf die Spur gekommen waren, fanden sie die nächste. Sie führte in den Raum Dortmund. Dort mischte ein Italiener aus Witten teils auf eigene Rechnung, teils aber auch in Zusammenarbeit mit dem Kölner Kollegen beim schwunghaften Handel mit den Scheinfirmen mit.