Der Tag, an dem der Sturm kam

Ruhrgebiet..  Der Sturm kam wie aus dem Nichts, dabei waren die Wolken schon tiefschwarz von Belgien über die Eifel gezogen. Tagsüber hatten die Menschen bei 38 Grad geschwitzt, gegen 21 Uhr brach Tief Ela über das Land herein. Ein Orkan, bis zu 140 Stundenkilometer schnell, mit Gewitter, Hagel und ungeheuren Regenmassen. Ein Unwetter, wie das Ruhrgebiet es lange nicht erlebt hatte.

Sechs Menschen starben, über hundert wurden verletzt. Ela entwurzelte zehntausende Bäume, riss Dächer ab, ließ Keller voll Wasser laufen und den Bahnverkehr zum Erliegen kommen. In Essen und Bochum fiel der Strom aus, Straßen waren lange unpassierbar.

Schmerzliche Schneisen

Ein Jahr danach sind die Wunden, die Ela riss, noch deutlich zu sehen. Mit dem Frühjahr wuchs zwar frisches Grün darüber, die Schneisen aber blieben. Am Baldeney-See werden die entwurzelten Bäume ebenso schmerzlich vermisst wie im Witthausbusch in Mülheim, im Essener Stadtwald oder an Düsseldorfs Rheinufern.

Auf 650 Millionen Euro schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die Schäden. Wegen des Risikos, von herabfallenden Ästen getroffen zu werden, war es auf Wochen und Monate nicht möglich, große Teile der Wälder im Ruhrgebiet zu betreten.

Doch die Solidarität war groß. Spontan schlossen sich Nachbarn, Freiwillige zusammen, um selbst anzupacken. Um aufzuräumen, wo die Städte nicht mehr nachkamen. Um Spielplätze wieder nutzbar zu machen und Wege begehbar.

Ela, der Pfingststurm, er brannte sich ein in das Gedächtnis. Auch ein Jahr später wissen viele Menschen noch, was sie an diesem 9. Juni gemacht haben, als die düsteren Wolken kamen. Und mancher war froh, heil davon gekommen zu sein. Wie etwa viele der jungen Leute, die in Essen-Werden das Open-Air-Festival besuchten und vor dem Sturm flüchten mussten.