Der schwierige Kampf gegen die Kinderpornografie im Netz

Aufklärung ist wichtig: Diese Bild entstammt einer Kampagne zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung im Tourismus.
Aufklärung ist wichtig: Diese Bild entstammt einer Kampagne zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung im Tourismus.
Foto: imago/EQ Images
Was wir bereits wissen
Kampf gegen Kinderpornografie im Internet ist schwierig. Die Anbieter verstecken sich unter 30 Milliarden Internet-Seiten oder auf Tauschbörsen. Daten werden oft nicht lange genug gespeichert, die Kunden sind schwer zu packen. Die Lage wird immer schlimmer.

Düsseldorf.. „Kinderpornografie im Internet“, hat Peter Vogt, einst Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Kinderpornografie, mal gesagt, „ist wie eine Hydra. Schlägt man ihr einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach.“ Wenig später hat er den Kampf aufgegeben und um Versetzung gebeten. 2009 war das. Seitdem ist die Lage eher schlimmer geworden.

Es fängt schon damit an, dass die Fahnder bis heute viele Dinge nur ahnen, nicht wissen. „Noch immer gibt es zu dem Thema keine Grundlagenforschung“, sagt Professor Bernd-Dieter Meier, Direktor des kriminalwissenschaftlichen Instituts der Universität Hannover gerne. Ja, es gibt noch nicht mal wirklich belastbare Fallzahlen. Im Jahr 2012 hat die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) bei „Besitz und Verschaffung von Kinderpornografie“ 3239 Fälle erfasst. 2196 davon bezogen sich auf das Internet. Aber das sagt nicht viel aus. Das ist weniger als die oft zitierte Spitze des Eisberges.

Die Seiten der Szene sind im Netz kaum aufzuspüren

„Die Szene hat sich extrem abgeschottet“, weiß Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen. Kontakte werden oft auf nicht öffentlich zugänglichen Seiten im Netz geknüpft, Erfahrungen in privaten Chat-Rooms ausgetauscht – kaum auffindbar in den fast unendlichen Weiten des Internets mit seinen geschätzt rund 30 Milliarden Seiten. Es sei denn, man weiß, wo man suchen muss.

Spezielle Fahnder in Deutschland kennen manchmal zumindest die grobe Richtung, in die sie sich bewegen müssen. Sie sitzen in Dienststellen, die sich „Zentrale Internetrecherche“ nennen und versuchen, im Web Kontakte zu Pädophilen zu knüpfen, Vertrauen zu gewinnen ohne sich selbst strafbar zu machen oder andere zu einer Straftat zu verleiten. „Wir schicken keinen ,Agent Provokateur’ los“, sagt Scheulen. Keinen Lockspitzel. Das macht die Sache nicht einfacher. Und so gut die deutsche Cyperpolizei auch ist, sie ist für die Aufgabe viel zu klein. Deshalb sind die Fahnder oft auf Tipps aus dem Ausland angewiesen. So wie bei der „Operation Spade“, bei der die kanadische Polizei nach langen Ermittlungen einen internationalen Kinderpornoring zerschlägt. 348 Personen werden rund um den Globus festgenommen, 386 Kinder gerettet. Gleichzeitig fallen Tausende Kundendaten in die Hände der Ermittler.

Die kanadische Seite sah aus wie ein typischer Online-Versandhandel

Denn die inzwischen abgeschaltete Website war laut der Zeitung „Toronto Star“ wie ein typischer Online-Versandhändler aufgebaut – mit Rezensionen, Bestseller-Listen, Kreditkartenbezahlung.

Als die kanadischen Behörden tiefer graben, stoßen sie schnell nicht mehr nur auf naturalistische Jungenfilme, sondern auf härteste Kinderpornografie. Die Ermittlungsergebnisse der „Operation Spade“ werden daraufhin Fahndern in mehr als 50 Ländern zur Verfügung gestellt. „Das ist so üblich“, sagt Scheulen.

Aber es hilft den deutschen Behörden nicht immer. Weil die Vorratsspeicherung von Verbindungsdaten hierzulande verboten ist, die Ermittlungen aber oft über Monate gehen, können Fahnder zwischen Kiel und Konstanz oft nicht viel anfangen mit den so genannten IP-Adressen, über die sich die Internetnutzer identifizieren lassen. „Da bringen uns Kreditkartennummern oft weiter“, bestätigt Scheulen.

Oft spielt Geld keine Rolle

Oft aber fließt gar kein Geld. „Unentgeltliche Tauschbörsen sind der größte Markt für kinderpornografisches Material“, hat eine Studie des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Leibniz Universität Hannover 2011 ergeben. Dort bestehe ein „breites, nahezu unerschöpfliches und grundsätzlich kostenfreies Angebot“. Und auch in vielen Chat-Rooms wird nicht gezahlt sondern getauscht.

Die größte Gefahr für Nutzer von Kinderpornografie lauert deshalb nach wie vor in der echten Welt. Bei erfolgreichen Hausdurchsuchungen fallen den Fahndern oft Computer in die Hände, die wahre Goldgruben sind – mit oft Hunderttausenden Fotos, E-Mail-Adressen Gleichgesinnter und Passwörtern zu eigentlich gesperrten Seiten und Foren. Scheulen vergleicht das gerne mit Dominosteinen: „Da fällt dann einer nach dem anderen.“