Das absolute Rauchverbot kommt

Die Plätze, an denen noch kräftig gepafft wird, sollen weniger werden. Selbst in Raucherclubs soll bald Schluss sein.
Die Plätze, an denen noch kräftig gepafft wird, sollen weniger werden. Selbst in Raucherclubs soll bald Schluss sein.
Foto: ddp images/dapd/Oliver Lang
Was wir bereits wissen
Schluss mit dunstig – das absolute Rauchverbot kommt. Strittig ist das Thema vor allem in kleinen Kneipen und bei großen Festen. Wir fragten nach.

Ruhrgebiet/Düsseldorf.. Schluss mit dunstig – das absolute Rauchverbot kommt. Strittig ist das Thema vor allem in kleinen Kneipen und bei großen Festen. Wir fragten nach.

In der Kneipe

„Wenn das Gesetz kommt, kaufe ich mir ein Six-Pack und trinke im Hof“, schwadroniert Jürgen Becker. Der Rentner kommt regelmäßig in die Velberter „Hansa-Kogge“ – zum Trinken, Rauchen und Knobeln. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. „So hat man das schließlich Hunderte von Jahren getan.“

Um Stammgäste wie Jürgen Becker bangen die „Eck-Gastronomen“ am meisten. Im Revier scheint die magische 70-Prozent-Regel zu gelten: „Wir haben über 70 Prozent Raucher“, sagt Frank Wulf, Wirt der Hattinger „Pinte“. Sagt Thomas Terdisch, Betreiber des „S6“ in Essen. Sagt Wolfgang Leitner von der „Novelle“ in Gladbeck. „Und die übrigen 30 Prozent kommen, obwohl geraucht wird.“

Sorgen haben sie alle. Rosanna Fabbro vom Gladbecker Eiscafé Cortina allerdings kann ziemlich genau sagen, wie viel Geld sie mit der erneuten Verschärfung mindestens verlieren wird. 15 000 Euro haben die Fabbros vor rund zweieinhalb Jahren in einen Raucherraum investiert. Kurz zuvor hatten sie den Dunst verbannt – und gemerkt, dass Gäste fortblieben. „Natürlich ist das ärgerlich“, sagt Fabbro. „Hätten sie mal von Anfang an gesagt, es muss für alle sein ...“

Kommentar So hat es Bayern gemacht, seit 2010 herrscht dort ein strenges Rauchverbot. Die Verlierer sind dort die Kneipen unter 75 Quadratmetern: 30 Prozent der Gäste blieben im Sommer weg, die Umsätze brachen im selben Umfang ein. Dagegen haben größere und speisenlastigere Betriebe sogar gewonnen. Der Nichtraucherschutz sorgt vor allem für eine Verlagerung.

Aber Hoffnung gibt es noch. Ein Stammkunde tröstet seinen Wirt Frank Wulf: „Ich würde noch kommen, obwohl ich Raucher bin.“

Auf dem Amt

„Wir werden das Gesetz mit Augenmaß durchsetzen“, sagt Dirk Nordwig vom Fachbereich Recht und Ordnung der Stadt Bottrop. Er spricht wohl stellvertretend für viele Kollegen. Zunächst soll die wieder mal neue Situation „bekannt gemacht“ werden. Die Wirte sollen Rauchverbotsschilder aufstellen können, die Aschenbecher verschwinden lassen und den Gästen erklären können, das die Zigarette aus bleiben muss. Erst nach diesen Schritten soll es Bußgelder geben.

Im Krankenhaus

Einige Zahlen sprechen für sich: Die Zahl der Herzinfarkte sank um acht Prozent in den Bundesländern, die ein striktes Rauchverbot in der Gastronomie umgesetzt haben. Und eine Studie der Uni Münster belegt: Jährlich sterben rund 3300 Nichtraucher durch das Passivrauchen.

Im Festzelt

„Ich halte es für einen absoluten Blödsinn, was da gemacht wird“, schimpft Franz-Ludwig Conrady in seiner Doppelfunktion als Karnevalist der KG Stellkeswäg 1881e.V. und Schützenbruder in Bottrop-Eigen. „Da wo Raucher sind, finde ich es immer am gemütlichsten.“ Freilich raucht er selbst. „Wir haben für unsere Raucher immer Bereiche außerhalb der Säle geschaffen.“ Allerdings sieht das geplante Gesetz nun auch das Verbot von Raucherzelten vor.