Bundespolizei fühlt sich nicht gerüstet für den Ansturm

Essen..  Die Bundespolizei soll helfen, die Flüchtlingswelle aus dem Kosovo zu bewältigen. Doch sie sieht sich schon personell nicht in der Lage, entscheidend dazu beizutragen, sagt Jörg Radek, der Sprecher Bundespolizei in der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Die ersten 20 deutschen Polizisten werden noch diese Woche an die serbisch-ungarische Grenze reisen. Sie werden mit Wärmebildkameras ausgestattet sein . . .

Jörg Radek: Die Bundespolizei ist überlastet, darauf sind wir nicht vorbereitet. Jeder, der dafür herangezogen wird, wird im Inland zum Beispiel bei der Begleitung von Hooligans zu Fußballspielen fehlen. In Nordrhein-Westfalen entblößen wir vor allem die Bundespolizei-Reviere an den Bahnhöfen.

Wie kommen die Kosovo-Flüchtlinge nach Deutschland?

Nach den Massenfluchten aus Syrien und über das Mittelmeer hat die Kosovo-Fluchtwelle die Lage seit dem Wochenende noch einmal zugespitzt. Sie kommen in Bussen und Bahnen, nutzen die normalen Verkehrsströme. Was uns Sorge macht: Dahinter stecken Menschenhändler- Organisationen, die sich an diesen Flüchtlingen bereichern, die schon zu Hause mit 60 Prozent Arbeitslosigkeit leben mussten und sich von weniger als zwei Euro pro Tag ernährt haben.

Helfen Massenabschiebungen, wie es von Diplomaten verlangt wird?

Das würde weder eine Abschreckung bewirken noch die Ursachen des Problems beheben. Es fehlt ein Gesamtkonzept der Politik. Diese Länder brauchen eine wirtschaftliche Hilfe, wie sie Europa nach dem Zweiten Weltkrieg bekommen hat. Eine Art Marshall-Plan. Nur so können neben der wirtschaftlichen Stabilisierung auch funktionierende Staatsstrukturen und lebenswerte Verhältnisse hergestellt werden.