Blaupause: Ruhr-Uni feierte 50. Geburtstag mit Straßenfest

Astrid (38, wissentschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaften) macht Pause – mitten auf der Uni-Straße. So soll es an diesem Tag sein.
Astrid (38, wissentschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaften) macht Pause – mitten auf der Uni-Straße. So soll es an diesem Tag sein.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Die Ruhr-Uni feierte ihren 50. Geburtstag. Mit einem Festakt und der „Blaupause“: Dazu wurden 1224 Biertische auf der Universitätsstraße aufgestellt.

Bochum.. Wer Strukturwandel für ein unanschaulich Ding hält, hat vermutlich noch nie mit Martin Thiede geredet, dem Jugendleiter von TuS Querenburg. Mit fünf anderen aus der Fußballabteilung sitzt er an einem der Tische auf der gesperrten Unistraße, es gibt grad ein kleines Pils und ein großes Hallo mit Flaneuren („Grüß dich, Westfalenmeister!“), und dann erzählt Thiede, was die benachbarte Uni angestellt hat mit dem Verein. „Früher kamen die gesamten Fußballer von den Höfen. Heute lebt unser Verein in der Seniorenabteilung viel von Studenten“, sagt der Werkstattleiter.

Und welcher Werkstatt wohl? An der Ruhr-Universität.

Ach, die Querenburger wollten hier noch mehr zeigen, Kinder kicken lassen oder so, aber da war die Streckenordnung vor: Das würde zu eng! Gute Streckenordnung, kann man Stunden später nur sagen: Denn auf der „Blaupause“ zum 50-jährigen Bestehen der Uni geht es tatsächlich enger und enger zu, je später und je schöner der Tag wird. Meistgefallener Satz: „Ganz schön voll hier!“ Auch nicht schlecht: „Stehst du hier, oder läufst du hier?“

"Wir machen nicht blau, sondern Pause"

Heute ist die Strecke mal nicht 4,5 Kilometer lang, sondern 1224 Biertische. Viereinhalb Kilometer Selbstdarstellung: viel Uni natürlich, ansonsten Kunterbuntes. Angemeldet haben sich Vereine, Verbände, Nachbarn, Parteien, Firmen, Initiativen. „Lyrik-Liebhaber haben es leichter“ heißt eine, „Wir verlieben Bochum“ eine andere. „Situation Kunst“. „Blau. Der Himmel auf Erden.“ Oder einfach „Annas 30. Geburtstagsparty“, was, genau genommen, offen lässt, wie alt Anna denn nun wurde. Das Spektrum? „Alumnivereinigung Maschinenbau 1975“ trifft Bogestra-Maskottchen Herbert.

Überall studentische Helfer, „Wir machen nicht blau, sondern Pause“ steht auf ihren Hemden, und die Frage nach dem Namen bekommen sie so oft gestellt: Wieso eigentlich Blaupause? Deshalb: Blau ist die Farbe der Uni (der Stadt, des VfL, Arals . . .), da verweist das Wort quasi auf ihren heutigen freien Tag. Blaupause im Sinne von „Durchschlag“ spielt aber auch darauf an, dass es ein Vorbild gibt für die Feier auf gesperrter Straße: das „Stillleben“ der Kulturhauptstadt auf der Autobahn 40. „Das hier kommt fast da dran“, sagt Thomas Barth, der Präsident der „Jester Dancers Bochum“. Der was? Sie tanzen Square Dance. Und sind hier dabei, um „die Schwingungen zu spüren.“ Fühlt sich gut an, was sie spüren. Unter blauem Himmel jetzt. Ruhr-Uni

Proteste am Stand einer Burschenschaft

Menschen singen, andere lesen vor, ein Mann spielt Rockmusik, dann die Frau mit dem Dudelsack, Paare tanzen Tango, ein Quiz. Und in der gesperrten Gegenrichtung? Dürfen Radfahrer oder Inliner sich autofrei austoben.

Plötzlich, mitten im Gewühl, der angekündigte Protest in entspannter Form: Der Stand einer Burschenschaft ist umstellt, Menschen halten Schilder hoch mit Aufschriften wie „Die sind Elite und du nicht“ oder dem ironischen „Warum dürfen Frauen eigentlich studieren?“ Das Stilmittel beherrschen die Burschenschafter indes auch und haben gedankenschnell ein „Burschis? Nein danke“ am eigenen Tisch aufgehängt.

Und so steckt der Tag voller Symbolik. Diese Straße musste es sein als Zeichen der Verbindung, sie beginnt in der Innenstadt und führt zur Hochschule. Seit der ersten Kohle hat nichts mehr Bochum so verändert wie die Ruhr-Universität.

Manche nennen sie: „Blaues Wunder.“