Spätschicht rund um die Industriedenkmäler des Reviers

Foto: Stefan Ziese
Was wir bereits wissen
Im Ruhrgebiet gibt es viele Industriestandorte, die heute als Denkmäler Einblicke in die faszinierende Welt der Schwerindustrie geben. In der Nacht kann man diese in einem ganz anderen „Licht“ erleben. Illuminierte Stahlkolosse laden im ganzen Pott zu einer Reise in die Vergangenheit ein.

Vergessen Sie alles, was Sie mit dem Begriff „Hütten-Wanderung“ verbinden. Mit Bergromantik und saftig-grünen Almen hat ein solches Unterfangen im Ruhrgebiet rein gar nichts zu tun. Romantisch hingegen kann eine Tour durch eine stillgelegte Stahlhütte durchaus sein – wenn sie in den Abendstunden stattfindet, und Fackellicht den Weg weist, wo früher Funken sprühten. Nachtwanderungen werden auf zahlreichen Industriedenkmälern im Revier angeboten.

Landschaftspark Duisburg

Nach Sonnenuntergang wirken die stillgelegten Anlagen mit ihren stählernen Träger-Konstruktionen, den Hochöfen und Schloten noch gewaltiger und geheimnisvoller. Einige von Ihnen – etwa das alte Hüttenwerk im Landschaftspark Duisburg Nord – verwandeln sich nachts durch Licht-Installationen in illuminierte Kunstwerke. Im Landschaftspark erkunden die Teilnehmer im Schein der Fackeln gemeinsam mit einem Hüttenwerker Gießhalle und Bunkertaschen, um schließlich von der Aussichtsplattform des Hochofens 5 einen Blick über das nächtliche Lichtermeer des Ruhrgebiets zu werfen.

Zeche Zollern

Zeche Zollern in Dortmund ist schon bei Tageslicht ein Schmuckstück, nicht umsonst trägt die Anlage mit ihren prächtigen Backsteinfassaden, Ecktürmchen und zinnengeschmückten Giebeln den Beinamen „Schloss der Arbeit“. Dass man sich die Tagesanlagen der Zeche auch nachts besichtigen kann ist kein Widerspruch – mit „Tagesanlagen“ werden die oberirdischen Teile einer Zeche bezeichnet. Zweimal im Monat kommen Nachtschwärmer auf ihre Kosten, und wenn sie sich schon nicht satt sehen können, dann doch wenigstens satt essen: Im Anschluss an die geführte Tour wird ein rustikales Abendessen gereicht.

Kokerei Zollverein

„Faszination Licht“ heißt es auf der Kokerei Zollverein in Essen. Auf Nachtwanderungen kann die Illumination der beiden Londoner Lichtdesigner Jonathan Speirs und Mark Major bewundert werden, die die Anlage in rotes und blaues Licht taucht.

Henrichshütte

Und wer zur „Spätschicht“ jeweils freitags ab 19 Uhr auf die Henrichshütte in Hattingen antritt, kommt nicht zum Malochen, sondern zum Wandern. Mit der Fackel in der Hand geht es über die riesige Anlage mit dem ältesten noch erhaltenen Hochofen des Ruhrgebiets. Dazu gibt es ein kulturelles Rahmenprogramm mit Musikvorführungen, Comedy, Zauberei oder Lesungen.

Mit „Bat-Detector“ auf Fledermaus-Suche

Wenn der Freizeitpark Schloss Beck nach 18 Uhr seine Tore schließt und die Dämmerung hereinbricht, dann beginnt in Bottrop-Kirchhellen die Zeit der Fledermäuse. Für die „Kobolde der Nacht“, wie Michael Korn von der Arbeitsgemeinschaft „Fledermausschutz“ die Säugetiere auch nennt. Der „Große Abendsegler“ etwa mag zwar das Wort groß im Namen tragen, dennoch kommt er gerade mal auf acht Zentimeter Körperlänge. Und die Zwergfledermaus schafft es gar nur auf die Größe „eines normalen Männerdaumens“. Wer hier zu abendlicher Stunde etwas sehen will, braucht eine gute Taschenlampe und muss genau hinschauen. Wer gar etwas hören will von Zwerg-, Wasser-, Breitflügel- oder Rauhautfledermaus, der bedarf eines „Bat-Detectors“, um die Ultraschalllaute der Winzlinge für menschliche Ohren hörbar zu machen. Korn hat all das im Gepäck. Dazu jede Menge Fotos, Geschichten und Wissen rund um die Fledertiere, deren 20 in NRW beheimatete Arten sämtlich als gefährdet gelten. Verständnis wecken für Batmans kleine Geschwister will Korn. Aufräumen mit den Vorurteilen von blutsaugenden Vampiren. Und deshalb erhält jeder Teilnehmer zu Beginn seine eigene Fledermaus. Ebenso harmlos wie das Original – aus Weingummi.