Blaues Blut und blauer Dunst - Eine geschichtsträchtige Tour

Foto: Stefan Ziese
Was wir bereits wissen
Das Hertener Wasserschloss ist eine gerettete Perle der Ruhr-Kultur. Zwischen Parklandschaft und verschlungenen Wegen gibt es auf dieser Route rund um das Schloss Historisches und Gepflogenheiten aus alten Zeiten zu entdecken. Oder wüssten Sie, was ein Tabakhaus ist?

Essen.. Raucher hatten es auch in früheren Tagen nicht leicht. Zwei Grafen aus dem Hause Riaucourt hatten vor den Wirren der französischen Revolution im Schloss Herten Zuflucht gefunden, bei ihren blaublütigen Verwandten der Familie Nesselrode. Die beiden Edelinge waren dem Laster des Tabakgenusses verfallen.

Da im Schloss aber das Rauchen nicht gestattet war, mussten sie sich zu diesem Zweck in den Gartenpavillon begeben, den man seither das Tabakhaus nennt.

Dieses Gebäude ist freilich nur hübsches Beiwerk einer imposanten Anlage, deren Geschichte weit zurückreicht. Wo zuerst nur ein Hof, dann auch ein Wohnturm gewesen war, entstand ab 1520 eine gewaltige Festung. Wie gut das Geld angelegt war, zeigte sich 1583, als Gebhard I. von Waldburg die Anlage bedrängte. Nach zwei Jahren erfolgloser Belagerung mussten seine Truppen voller Frust, weil unverrichteter Dinge, wieder abziehen.

In den folgenden Jahrhunderten durchlebte die Anlage das Schicksal so vieler Schlösser: Modernisierung (1650), Brand (1687), Wiederaufbau (bis 1702). 1923 kamen nochmals Franzosen, diesmal zur Besetzung des Ruhrgebiets. Die übertraten nicht nur das Rauchverbot, sondern hausten in dem Gemäuer wie die Vandalen.

Was nach deren Abzug 1925 noch heil war, verfiel im Laufe der Zeit. Als dann noch Bergschäden hinzukamen, schien das Ende des Schlosses besiegelt.

Da trat, anno 1974, als Retter in letzter Stunde, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe auf den Plan. Mit der Nutzung von Teilen des Schlosses durch das benachbarte Landeskrankenhaus für Psychiatrie wurden Geldmittel frei für die Sanierung, die bis 1981 dauerte.

Die Wanderroute

Ausgangspunkt unserer Tour ist der Parkplatz am Hertener Schloss, Im Schlosspark. Vom Parkplatz aus gehen wir entlang der Straße Im Schlosspark in südliche Richtung. Links von uns liegt das in spätbarockem Stil erbaute Wasserschloss 1. Es beherbergt ein Café.

Vor den Teichen zu unserer Rechten biegen wir rechts ab. Der gerade Weg ist geschmückt mit prächtigen Baumexemplaren.

Hinter dem ersten Teich 2 führt ein Weg nach links, zwischen beiden Teichen hindurch. Er bietet Sitzgelegenheiten mit schönen Aussichten. Unsere Tour führt jedoch weiter geradeaus. Erst hinter dem zweiten Teich 3 biegen wir links ab. Hinter dem Teich wandern wir rechts weiter.

Kurz vor dem Holzbach treffen wir auf einen Weg, wo wir nach links abbiegen, Richtung Südost. Die Strecke knickt bald leicht nach rechts. Zu unserer Rechten liegt der Laubwald.

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Kurz bevor unser Weg an der Sienbeckstraße in Gelsenkirchen-Resse endet, biegen wir in spitzem Winkel links ab, um im Wald zu bleiben.

Unsere Strecke krümmt sich nach Osten, wir überschreiten erneut den Holzbach und kommen nach einigen Biegungen an einen Querweg. Dem Weg folgen wir nach rechts. An der nächsten Kreuzung haben wir den südlichsten Punkt unserer Tour erreicht und biegen links ab. Es folgt eine weitere Kreuzung, wo wir ebenfalls links abbiegen, Richtung Nordnordwest.

Wenn wir etwa die Hälfte der Strecke bis zum nächsten Richtungswechsel zurückgelegt haben, liegt zur Linken ein kleiner See 4. Wir befinden uns etwa an der tiefsten Stelle des Geländes, wo sich das Wasser sammelt. Durch Bergsenkungen kann das Wasser nicht natürlich abfließen und muss daher abgepumpt werden.

Wir folgen einem Pfad, der nach rechts führt. Er ist schön krumm und entschädigt ein wenig für die schnurgeraden Parkwege. Er windet sich bald nach rechts, der Zivilisation entgegen, die wir noch ein wenig meiden wollen. Deshalb wenden wir uns an der Siedlung hart nach links. Wo wir auf den nächsten Querweg treffen, geht es halbrechts weiter, Richtung Norden. Unsere Strecke biegt sich nach links, dann ganz in Westrichtung. Wir befinden uns nun nördlich des Schlosses. Bei nächster Gelegenheit biegen wir links ab, um uns das Schloss von Norden her anzusehen. Die Gehmöglichkeiten sind vielfältig, doch verlaufen kann man sich kaum. An der Nordseite des Schlosses halten wir uns rechts. Wir erreichen wieder die Straße Im Schlosspark, wo wir uns nach rechts wenden. Kurz darauf liegt links der Parkplatz.

Zeche Ewald: Kultur statt Kohle

Die Geschichte der Zeche Ewald begann im Jahre 1872 und war wegen Gesteinsverwerfungen und Wassereinbrüchen zunächst wenig erfolgreich. Bis zu einer Tiefe von 624 Metern grub man bis 1884 auf der seinerzeit so genannten „Zeche Elend“ – kein Schacht im Ruhrgebiet lag damals so tief. Bis 1912 wuchs das Bergwerk auf sechs Schächte, in den 1950er Jahren folgte der Bau des Zentralförderschachts 7. Nach verschiedenen Vereinigungen mit anderen Zechen wurde die letzte Schicht auf Zeche Ewald im März 2000 gefahren. An die ehemalige Zeche erinnern heute der Malakow-Turm von 1875 über Schacht 1, das Stahlkastenstrebengerüst über Schacht 2 und das Doppelbock-Fördergerüst am ehemaligen Förderschacht 7. Zu den historischen Gebäuden zählen das nach 1888 entstandene Verwaltungsgebäude und das in neoklassizistischer Form gehaltene Büro- und Kauengebäude aus den 1920er Jahren. Heute fungiert die Zeche als Kultur- und Unternehmensstandort.