Adel verpflichtet - Burgen und Schlösser

Foto: Stefan Ziese klartext
Was wir bereits wissen
Das Ruhrgebiet besteht nicht nur aus Fabrikschloten und Grau sondern kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Wie weit in die Vergangenheit diese zurückreicht, kann man in den viele Jahrhunderte alten Gemäuern selbst erkunden. Kommen Sie mit auf eine spannende Reise zu den Wurzeln der Region.

Im Dortmunder Nordwesten führt die Schlossstraße als Allee südlich an der heutigen Zufahrt von Haus Bodelschwingh vorbei. Der Herrensitz gilt als größte und repräsentativste erhaltene Adelsanlage auf Dortmunder Stadtgebiet. Sie befindet sich seit dem 14. Jahrhundert in der Hand einer Familie. Der Besitz besteht aus einem großen, im Gräftenteich gelegenen Herrenhaus, einer ehemals von einer Gräfte umschlossenen Vorburg und einem nördlich anschließenden Parkgelände. Gespeist werden Teich und Gräfte vom Bodelschwingher Bach, in alten Karten auch Mühlenbach genannt, der in die Emscher entwässert.

Hof Bodelschwingh

Ein Hof Bodelschwingh wird um 1220 erstmals erwähnt, vielleicht lag er im Kern des heutigen Ortes Bodelschwingh, ca. 200 m nordöstlich entfernt. Die Familie Speke errichtete abseits der Ortschaft um 1300 das Haus Bodelschwingh, wahrscheinlich als zeittypisches, mehrgeschossiges Zweikammerhaus mit Untergliederung in zwei Räume. Im Grundriss des heutigen Gebäudes ist dieses Zweikammerhaus in der nördlichen Hälfte gut nachvollziehbar. 1302 übertrug Giselbert Speke sein „manerium et domus“, d. h. Grundbesitz und Haus an Graf Eberhard von der Mark, um es als märkisches Lehen zurück zu erhalten. Zwischen 1312 und 1322 ließ Giselbert nahe der Burg auf seinem Grundbesitz im Dorf Bodelschwingh eine Kapelle als Erbbegräbnisstätte der Familie errichten. Sie war ein Schwesterbau der Westhusener Kapelle, die seiner Verwandtschaft gehörte.

Sein Sohn Ernst nannte sich als erster nach dem Haus „de Bodelswinge“. Er und seine Nachkommen weiteten ihren Einflussbereich durch Grunderwerb und Ankauf von Gerichtsbarkeiten stetig aus, so auch 1421 durch die Übernahme der Herrschaft und des Gerichts Mengede. Die Familie baute damit eine kleine Landes- und Gerichtsherrschaft innerhalb der Grafschaft Mark auf.

Ausbau im 16. Jahrhundert

Wennemar und sein Sohn Gisbert von Bodelschwingh vergrößerten das Herrenhaus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum Zweiflügelbau, der bis heute das Aussehen des Gebäudes prägt. Der zweite Gebäudeflügel wurde rechtwinklig nach Süden angefügt und mit einem Pavillonturm abgeschlossen. Ob der an das Zweikammerhaus angebaute, nördliche Pavillonturm ebenfalls aus dieser Zeit stammt, kann nicht beantwortet werden, da er 1871 einstürzte und als Kopie des Südturms wieder errichtet wurde. Zur Adelsanlage gehörten auch ein Bergfried an der Zufahrt sowie Wirtschaftsgebäude unterschiedlicher Funktion. Der Turm wird in der Forschung häufig als Rest eines mittelalterlichen Wohnturms angesehen, den die Familie von Bodelschwingh als erstes errichtete, bevor sie das Zweikammerhaus baute. Derartig kleine Wohntürme entsprachen aber ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts nicht mehr dem Zeitgeschmack und darüber hinaus ist das Standesbewusstsein Giselbert Spekes hinreichend dokumentiert.

Weitere Anbauten

Die Gebäude auf der Wirtschaftsinsel reihen sich auf der Urflurkarte von 1826/27 um einen großen Innenhof. Ihre Anordnung spiegelt die ehemals landwirtschaftliche Funktionalität. Zusätzlich entstand 1829 an der Nordwestseite ein Gästehaus in klassizistischer Formensprache. Zum Haus gehörte ebenfalls seit dem 14. Jahrhundert eine Mühle, die in der Urflurkarte am Mühlenbach zwischen Herrensitz und Dorf eingezeichnet ist. Östlich der Hauszufahrt stand zudem eine Windmühle. Eine Gartenanlage rundete seit der Barockzeit den Herrensitz ab. Aus jüngerer Zeit stammen nur wenige Veränderungen, so erhielt im 19. Jahrhundert das Erdgeschoss einen Freisitz über dem Wasser und die alten Steinkreuz- oder Steinbrückenfenster wurden modernisiert. Anfang des 20. Jahrhunderts passte man das Eingangstor dem neubarocken Zeitgeschmack an.

Haus Bodelschwingh besteht heute aus dem bekannten, im Gräftenteich gelegenen Herrenhaus, einer vorburgartigen Wohnanlage und dem ehemaligen Bergfried. Das Haupthaus ist durch eine steinerne Bogenbrücke mit der Vorburg verbunden. Das zweistöckige, zweiflügelige Haus und seine Türme sind aus Bruchsteinen gebaut. Die beiden zweigeschossigen, quadratischen Pavillontürme besitzen barocke, so genannte „Welsche Hauben“. Der in den Winkel beider Trakte gestellte Turm mit Spitzhelm erschließt die Wohnebenen. Er besaß ursprünglich eine Spindeltreppe, die im 20. Jahrhundert durch eine geradläufige Treppe vom Keller bis in das Obergeschoss ersetzt wurde. Der kleinere Torturm mit geschweifter Haube trägt die Jahreszahl 1565 sowie das Wappen Wennemars von Bodelschwingh und seiner Frau Isabella Elisabeth von Wachtendonk. Drei hohe Schweifgiebel mit Kugelaufsätzen, die einheitliche Fassadengestaltung mit horizontaler Gliederung durch Gurtgesimse, rechteckige Fensterformate und hohe Satteldächer mit Fledermausgauben vermitteln einen harmonischen Gesamteindruck.

Traumhochzeit im Reich der Fürst-Äbtissinnen

Ehemals Rittersitz, gelangte das mittelalterliche Wasserschloss 1227 in den Besitz des Stifts Essen und diente über Jahrhunderte als Residenz der Essener Äbtissinnen. Der heutige dreigeschossige Rechteckbau mit Schweifgiebeln und zwei Ecktürmen mit geschweiften Hauben existiert seit dem 1744 von Fürst-Äbtissin Franziska Christine veranlassten Umbau. Nach der Auflösung des Stifts 1803 ging das Schloss in preußischen Besitz über, wechselte mehrfach den Besitzer, bevor es 1941 von der Stadt Essen erworben wurde. Heute ist die Anlage mit ihrem 42 Hektar großen Park öffentlich zugänglich. Im Mai 2006 wurden der Residenzsaal, die auf 200 Quadratmetern repräsentativ gestaltete Historische Dauerausstellung „Schloß Borbeck und die FürstÄbtissinnen“ und die Kapelle nach umfangreichen Umbau- und Renovierungsarbeiten neu eröffnet – mit Standesamt und Gastronomie.

Hardenstein: Sage vom Zwergenkönig Goldemar

Hardenstein soll im 14. Jahrhundert als Erweiterung einer romanischen Turmanlage entstanden sein und ist Schauplatz sagenumwobener Geschichten um den Ritter Nevelung und den Zwergenkönig Goldemar, um Karl den Großen und den Sachsenführer Wittekind. Bis 1469 Wohnsitz der Familie Hardenstein, verfiel sie in den nächsten Jahrhunderten trotz wechselnder Besitzer immer mehr, so dass sie Mitte des 18. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Erst seit 1974 wurden die Reste der Anlage – Teile des Haupthauses mit zwei mächtigen Ecktürmen – denkmalpflegerisch gesichert. Tipp zur Anreise: Die Museumseisenbahn vom Bochum-Dahlhausener Eisenbahnmuseum macht im Sommer auf ihrer Fahrt nach Witten hier Station.