Auf zu neuen Ufern – was bleibt vom Großprojekt

Helmut Herter (l.) und Mario Sommerhäuser mit der dersten Lese vom Emscher-Weinberg.
Helmut Herter (l.) und Mario Sommerhäuser mit der dersten Lese vom Emscher-Weinberg.
Foto: Stefan Kuhn
Was wir bereits wissen
Im neuen Emschertal sind bereits ikonische Bilder des neuen Ruhrgebiets entstanden. Aber auch jede Menge neue Arbeitsplätze.

Oberhausen..  In der Mitte entsteht ein Fluss – aber was geschieht an seinen Ufern? Der Emscherumbau hat einige hübsche und unvermutete Nebeneffekte, die schon heute nachhaltige Wirkung entfalten.

Landmarken und Kunstorte

Mit gutem Recht könnte man Oberhausen die Hauptstadt der „Emscherkunst“ nennen. Die Ausstellung, die seit dem Kulturhauptstadtjahr 2013 alle drei Jahre im Sommer bezaubert, hat hier wohl die meisten Großskulpturen hinterlassen – ikonische Bilder des neuen Ruhrgebiets. Der „Zauberlehrling“, dieser aus der Reihe tanzende Strommast im Gehölzgarten Ripshorst, als Landmarke fürs Picknick! Die bunt-geringelte Brücke „Slinky Springs To Fame“ am Kaisergarten – geliebt von Ausflüglern und Tourismusmanagern gleichermaßen! Sechzig Prozent der Emscherkunstwerke bleiben erhalten – und was die Ausstellung erst für die Volksgesundheit bewirkt hat! Vier Fünftel der Besucher machten den 47-Kilometer-Parcours mit dem Rad.

Alte Schätze

Von Mode haben sie schon immer was verstanden, diese Römer! Mit der „Delfin-Gürtelschnalle“, die vermutlich im 4. Jahrhundert einem germanischen Söldner im römischen Heer gehörte, könnte man sich heute noch blicken lassen. Gefunden haben die Emschergenossen sie beim Buddeln in Dortmund-Mengede. An der Boye, in sieben Meter Tiefe, gruben sie noch Älteres aus: einen Mammutzahn und eine zugehörige Rippe. Noch ist allerdings nicht klar, welche Museen die beiden Schätze (und einige mehr) bekommen.

Arbeit und Steuern

Mit Investitionen von 4,5 Milliarden Euro über 29 Jahre ist der Emscher-Umbau eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat es unter die Lupe genommen: Unmittelbar sind über den gesamten Zeitraum etwa 1670 Arbeitsplätze entstanden. Indirekt kommen noch einmal 3700 Arbeitsplätze hinzu. Daraus resultierend kann der Bund 1,1 Milliarden Euro an Steuereinnahmen verbuchen, das Land etwa 91 Millionen, die Städte 50 Millionen Euro.

Weinlese

Es ist natürlich vor allem symbolisch gemeint, wenn die Emschergenossenschaft am Phoenixsee Wein anbaut. Aber die Idee kam ja vom Hörder Heimatverein, von Willi Garth. Denn in Dortmund-Hörde haben die Mönche ja schon 1342 Messwein gekeltert. Es traf sich, dass Helmut Herter, der Ingenieur des Phoenixsees, aus einer Pfälzer Winzerfamilie stammt. Und so durften die Kinder der Weingartenschule im September 2013 die ersten Trauben der Sorte „Phoenix“ pflücken. „Das wird ein guter Wein“, versprach Helmut Herter damals. Ein fruchtiger Weißer, trocken ausgebaut. Herter ist gerade dabei, in wenigen Monaten soll die erste Lese, etwa 100 Flaschen, abgefüllt sein. Einen Namen hat der Wein noch nicht, aber etwas Symbolisches wird den Emschergenossen schon einfallen.