Auf den Spuren der Baumwolle

Ein Wasserrad im Ratinger Industriemuseum
Ein Wasserrad im Ratinger Industriemuseum
Foto: LVR-Industriemuseum
Was wir bereits wissen
Die älteste mechanische Baumwollspinnerei außerhalb Englands steht in Ratingen. Dort kann heute die besondere Geschichte der Baumwolle nachempfunden werden.

Ratingen.. Jeder trägt sie, jeder weiß wo sie herkommt, aber wie wird sie eigentlich verarbeitet? Die Rede ist von der Baumwolle. Wenn sie auf den Plantagen gepflückt ist, geht der Arbeitsprozess erst los. Schon im 18. Jahrhundert hat Johann Gottfried Brügelmann die erste mechanische Baumwollspinnerei außerhalb Englands eröffnet. Und zwar in Ratingen. Heute steht hier ein Industriemuseum des Landschaftsverbands Rheinland.

Das lädt die Besucher im ganzen Jahr ein, sich auf eine historische Zeitreise zu begeben und sich ein bisschen so zu fühlen, wie die Unternehmerfamilie im 18. Jahrhundert. Denn direkt neben dem damaligen Firmengelände hatte die Familie ihr prunkvolles Wohnhaus errichtet. Für Kinder, denen ein reiner Museumsbesuch zu langweilig ist, bietet die Textilfabrik Cromford in den Sommerferien ein besonderes Programm an.

Ein Museum zum Anfassen

Wie wird eigentlich aus Baumwolle Garn? Die erste mechanische Baumwollspinnerei außerhalb Englands ist das weltweit einzige Museum, indem die Maschinen aus dem 18. Jahrhundert ausgestellt sind. In der Textilfabrik wird gezeigt, wie Johann Gottfried Brügelmann durch Industriespionage das streng gehütete Geheimnis aus England lüften konnte, wie in den Spinnsälen gearbeitet und wie Baumwolle damals zum fertigen Garn verabeitet wurde. In den Sommerferien gibt es drei spannende Workshops für Kinder.

Zunächst lernen die Neun- bis Zwölfjährigen wie Maschinen vom Wasserrad ausgehend angetrieben werden. Das große Rad steht mitten in der Fabrik und verblüfft mit eindrucksvoller Technik. Wie schreibt man mit Tinte und Feder? Bei Brügelmann im Kontor wird das und die alte Schrift gelehrt.

Was ist eigentlich Baumwolle? Dieser Frage geht der Nachwuchs im Workshop „Geheimnisvolle Baumwolle“ nach. Am Ende nimmt jedes Kind ein Baumwollbuch mit allem Wissenswerten mit nach Hause.

Herrenhaus Cromford

Johann Gottfried Brügelmann hat das Herrenhaus vor rund 220 Jahren direkt neben seiner Fabrik errichtet und von hier aus eines der bedeutendsten Wirtschaftsunternehmen des 18. und 19. Jahrhunderts geführt. Das Gebäude spiegelt in seiner Ausstattung und auch in seinen Ausmaßen den Erfolg, den Brügelmann hatte, wider.

Aktuell läuft in dem im Spätbarockstil gebauten Haus eine Dauerausstellung über die Unternehmerfamilie. Erzählt wird vom wirtschaftlichen Handel zwischen 1782 und 1846, aber auch vom privaten Leben der drei Generationen, die zu dieser Zeit in Ratingen beheimatet waren. Unter anderem erfährt der Besucher, was die Brügelmanns am liebsten gegessen haben, von ihrer Jagd, den Heiratsabsichten und auch den Vorbereitungen für große Feste. Das absolute Highlight ist der Gartensaal. Der Saal verläuft über zwei Stockwerke und ist mit klassischen Landschaftsbildern bemalt.