150 Mietern auf einen Schlag gekündigt

Neukirchen-Vluyn..  Für die Mieter einer Hochhaussiedlung im niederrheinischen Neukirchen-Vluyn hat das neue Jahr mit einem Paukenschlag begonnen: Der neue Eigentümer der stark sanierungsbedürftigen Bauten, Hans Jorg Olbrich aus Hagen, ließ durch seinen Verwalter rund 150 Mietparteien die Kündigung schicken. Sie sollen ihre Wohnungen bis Ende März verlassen, damit die Immobilien saniert werden können. Ein großer Teil der Mieter ist verunsichert und verärgert.

Olbrich hat das aus den 70er Jahren stammende Gebäudeensemble mit insgesamt 384 Wohnungen erst Anfang Dezember bei einer Zwangsversteigerung erworben. Nun macht er von seinem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch, das er hat, wenn er „durch die Fortsetzung des Mietverhältnisses an einer angemessenen wirtschaftlichen Verwertung des Mietobjektes gehindert wird und dadurch erhebliche Nachteile erleidet“, wie es in dem Kündigungsschreiben der Verwaltungsgesellschaft heißt. Was Olbrich genau vorhat, ist ungewiss. Im Kündigungsbrief an die Mieter wird zwar die Sanierung der Gebäude angekündigt. Doch die Massenkündigung von Mietern in einem sozialen Brennpunkt bietet Nährboden für Spekulationen, zumal der Preis von 8,2 Millionen Euro, den Olbrich für die Häuser bezahlt hat, deutlich über deren Verkehrswert lag. So wollen die einen nun wissen, dass die Gebäude abgerissen werden, die nächsten sagen, dass das nur für einen Teil gelte. Und viele Bewohner fürchten, dass eine „Luxussanierung“ bevorstehe, die ihnen die Rückkehr unmöglich macht.

Allen Mietern bietet der Wohnungsverwalter übrigens Ersatzwohnraum an. Man habe im selben Ortsteil ausreichend Wohnungen.