Rentner getötet – vier junge Männer und eine Frau in Haft

Der Polizei ging eine Bande junger Täter ins Netz, die unter Verdacht stehen, für den Tod eines Rentners verantwortlich zu sein.
Der Polizei ging eine Bande junger Täter ins Netz, die unter Verdacht stehen, für den Tod eines Rentners verantwortlich zu sein.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Johannes W. (81) war schwerverletzt im Flur aufgefunden worden. Misshandelt, damit er Wertverstecke verrät.

Am Niederrhein.. Ein Nachbar hatte Johannes W. schwerstverletzt im Flur von dessen Haus in Tönisvorst (Kreis Viersen) gefunden. Der 81-Jährige starb wenig später am 1. Oktober des vergangenen Jahres in einer Klinik. Unbekannte hatten ihn mit Schlägen und Tritten brutalst misshandelt – augenscheinlich, um ihm Wertverstecke abzupressen. Die Polizei vermutete zunächst, dass es sich um Einbrecher handelte. Oder um Trickdiebe, bei denen das kriminelle Treiben aus dem Ruder gelaufen war. Nun steht fest: Es waren Räuber, die den alleinstehenden Rentner gezielt abgepasst hatten. Vier junge Männer und eine Frau aus Straelen, Weeze und Bergheim bei Köln sitzen in U-Haft. Möglicherweise gehen weitere Straftaten auf ihr Konto.

Sie wohnen noch bei den Eltern

Mittwochfrüh, 6 Uhr, da war der Zugriff in den drei Städten gleichzeitig erfolgt. Gut 200 Beamte waren im Einsatz. Die Tatverdächtigen sind zwischen 16 und 22 Jahre jung, zum Teil wurden sie von den Beamten aus elterlichen Wohnungen geholt. „Alle haben mittlerweile eingeräumt, am Tatort gewesen zu sein“, berichtete die Krefelder Staatsanwältin Sonja Pelka gestern. Ein Richter hat Haftbefehl erlassen, wegen Verdachtes auf Raubmord.

Der Rentner hatte in seinem Umfeld sehr freimütig erzählt, dass er sich finanziell keine Sorgen machen müsse. Das ist ihm zum Verhängnis geworden. Wie die Kriminellen davon Wind bekamen, wollen die Ermittler der 23-köpfigen „Mordkommission Grenzstraße“ nicht mitteilen. Fest steht: Die Bande war schon an mindestens zwei Tagen vorher am Reihenhaus, um ihrem Opfer aufzulauern. „Wir waren überrascht, wie viele Zeugen die Täter da gesehen hatten“, berichtet Hauptkommissar Ingo Thiel, der Leiter der 23-köpfigen Mordkommission.

Tresorschlüssel gesucht

Am 1. Oktober hat die Bande Erfolg. Johannes W. muss ein Martyrium durchlitten haben – alles nur, um ihm den Tresorschlüssel abzunehmen, was den jungen Kriminellen dann auch gelang. „Die Täter haben Beute gemacht“, sagt Thiel. Wie viel Beute ist ungewiss, weil außer dem Getöteten nur die Täter wissen, was sich an Geld und Wertgegenständen im Tresor befand.

Thiel gilt als äußerst erfolgreicher Ermittler. Er und seine Leute hatten seinerzeit auch den Mord am jungen Mirco aus Grefrath aufgeklärt. Dieses Mal dauerte es vier Monate, bis der Fall geklärt war. Es hatte zwar viele Anwohner-Hinweise gegeben, tatsächlich zu den Tätern führte aber eine im Reihenhaus gesicherte DNA-Spur. Über die Festgenommen verraten die Ermittler mit Hinweis auf deren junges Alter nicht viel. Nur so viel: Alle standen noch nicht richtig im Berufsleben und waren schon früher bei der Polizei aufgefallen – wegen Eigentumsdelikten. Zumindest einer von ihnen war noch in der DNA-Datenbank – Treffer. Verdeckte Ermittlungen führten zu den Komplizen. Weil zwei von ihnen noch Urlaub im Ausland machten, ließ der Zugriff noch auf sich warten. „Wir wollen, dass alle im Nest sind“, erzählte Thiel.

Noch mehr Überfälle

18 Wohnungseinbrüche hatte es zuletzt in der Region gegeben. Die Ermittler vermuteten, dass die Bande zumindest für einige davon verantwortlich ist. 60 Kartons mit Wertgegenständen und mutmaßlichen Beutestücken beschlagnahmten die Beamten in den Zimmern der jungen Leute. Nicht ausgeschlossen ist auch, dass die Bande noch andere Opfer in Wohnungen misshandelt und ausgeraubt hat. Ähnliche Fälle wie in Tönisvorst (aber ohne tödliches Ende) hatte es im vergangenen Jahr z.B. in Olpe und Bad Salzuflen gegeben. Sie sollen nun abgeglichen werden.