„Religionen sind ins Gerede gekommen“

Im Rheinland..  Nach den Anschlägen von Paris beherrscht die Sorge um das gesellschaftliche Miteinander auch die Rheinische Landessynode. Vor einem Generalverdacht gegen Muslime warnte eindringlich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) in ihrem Grußwort an das Kirchenparlament, das noch bis Freitag in Bad Neuenahr (Rheinland-Pfalz) tagt. Landesbischof Manfred Rekowski fordert aktives Handeln: „Christen müssen widersprechen, wenn andere Religionen auf Pervertierungen reduziert werden.“ Der „Islamische Staat“ habe mit dem Koran so wenig zu tun wie der Dreißigjährige Krieg mit der Bibel.

Angesichts vieler Konflikte auf der Welt stellte der oberste Repräsentant der 2,7 Millionen Protestanten zwischen Emmerich und Saarbrücken, Manfred Rekowski, fest: „Religionen sind grundsätzlich ins Gerede gekommen.“ In Diskussionen habe man häufig den Eindruck, religiöse Abstinenz sei die Grundvoraussetzung für ein friedliches Zusammenleben. Hier sei Aufklärung nötig, auch von christlicher Seite: „In einer multireligiösen Gesellschaft geht der Bildungsauftrag unserer Kirche weit über im engeren Sinne christliche Traditionen hinaus“, mahnte der Präses in seinem „Bericht über für die Kirche bedeutsame Ereignisse“.

Schmerzhafte Einschnitte

Vor den 213 Abgeordneten der Gemeinden und Superintendenten liegen schwere Entscheidungen. Die Synode berät über ein weiteres 11,3 Millionen Euro schweres Sparpaket. Es geht um Kürzungen etwa bei den Schulen, bei Arbeitslosenhilfeprojekten oder den Betriebskosten für Immobilien der Landeskirche. Nach den bereits vor einem Jahr beschlossenen Kürzungen von acht Millionen ist es bereits das zweite Sparpaket. Insgesamt soll bis zum Jahr 2018 rund ein Drittel des Etats der Landeskirche eingespart werden.

Denn: Trotz hoher Kirchensteuereinnahmen gibt die Rheinische Kirche weiter mehr Geld aus als sie hat. 2014 steht unterm Strich ein Minus von vier Millionen Euro. Kirchenverantwortliche mahnen. In Zeiten sinkender Mitgliederzahlen und angesichts hoher Pensionsverpflichtungen müsse der Etat wieder in Balance gebracht werden. Doch das ist kein einfaches Unterfangen: „Die nachhaltige Haushaltskonsolidierung ist kein Kurzstreckenlauf, sondern ein Marathon“, meinte Finanzchef Bernd Baucks. Rekowski verteidigte das Sparpaket. Die Landeskirche werde dadurch „nicht zu einem Trümmerhaufen“. Gleichwohl: 100 Beschäftigte sind durch den Sparkurs unmittelbar betroffen – etwa durch Ortswechsel oder Jobverlust. Man bemühe sich um sozialverträgliche Lösungen, betonen Vertreter der Landeskirche ausdrücklich.

Bemerkenswerte Worte zur Ökume: In seinem Grußwort stellte der Trierer Weihbischof Helmut Dieser die Prognose auf, dass die 500 Jahre alte Trennung in katholische und evangelische Kirche „in unseren Tagen, spätestens aber in der nächsten Generation an ihr Ende kommen“ werde. Auf protestantischer Seite ist Präses Rekowski sicher, dass „die Kirche schon lange als Ganzes“ wahrgenommen wird, und macht sich für mehr Ökumene stark. Rekowski regte einen Partnerschaftsvertrag zwischen Landeskirche und Bistümen an. Vor Ort, bei den Gemeinden, gibt es schon viele solcher Vereinbarungen. Als Termin für eine Unterzeichnung brachte Rekowski 2017 ins Gespräch – das 500-jährige Jubiläum der Reformation.