Rätselraten um Düsseldorfs traurige Puppen

Düsseldorf..  Das weinende Kleinkind ist ganz allein. Es lehnt an einem Pfahl. Mit den Armen verdeckt es sein Gesicht, es scheint verzweifelt. Autos rasen gefährlich nah vorbei, von den Eltern keine Spur. Nur wer nah herangeht und nachschaut, der merkt: Das hilflose Kind ist eine Puppe. Wer dahinter steckt und mit den 60 Zentimeter großen Gestalten derzeit in Düsseldorf herzzerreißende Szenarien schafft, darüber wird bundesweit gerätselt.

Nicht einmal die Polizei kann das Rätsel lösen: „Das ist kein Thema, um das wir uns kümmern müssten. Wir wissen auch nicht, wer dahinter steckt“, sagt ein Polizeisprecher.

Sind es Spaßvögel, die Passanten an der Nase herumführen wollen?

Ein Zeitungsleser berichtet dem „Express“ von einem schwarz gekleideten Mann, der ihn beobachtet habe, als er sich der Puppe näherte, um nach dem Rechten zu sehen. Eine Puppe soll – besonders makaber – auf einem Friedhof neben einem Abfallbehälter gelegt worden sein.

Ist es vielleicht eine Kunst-Aktion?

Düsseldorf ist eine Hochburg der Straßenkunst. Mehr oder weniger ambitionierte Graffiti-Sprayer und Initiativen wie „Farbfieber“ sind in der Stadt unterwegs ebenso wie die „Strick-Guerilla“, die Geländer und Pfosten mit Selbstgestricktem verschönert. Auch Harald Naegeli (75), der berühmte „Sprayer von Zürich“, ist längst ein Sprayer von Düsseldorf. Sind die Puppen Performance-Kunst – etwa eine temporäre Installation von Studenten der berühmten Düsseldorfer Kunst-Akademie – bislang hat sich niemand dazu bekannt.

Ist es ein Experiment?

Testen Psychologen mit den Puppen das Mitleid und die Hilfsbereitschaft der Stadtbevölkerung? Zählen sie heimlich, wie viele Passanten das „Kind“ seinem Schicksal überlassen? In dem Fall dürfte die Studie wohl noch andauern, denn bekannt gemacht wurde sie bislang nicht.

Woher stammen die Puppen?

Die Puppen waren vor Jahren als „Schäm-Dich-Puppen“ im Online-Versand zu erwerben. So täuschend echt sie im Straßenbild wirken - sie haben kein Gesicht, nur einen aufgemalten Mund.

Alles nur ein Versehen?

Könnte sein, denn gestern Abend nannte „Bild“ die mutmaßlichen bisherigen Besitzer, eine 45 Jahre alte Frau und ihren Sohn aus Düsseldorf. Die Frau gibt an, sie habe die Puppen nach acht Jahren auf den Sperrmüll werfen wollen, ihr Sohn habe sie überzeugt, sie vor die Türe zu stellen. Gesagt, getan, danach seien sie allerdings überrascht gewesen über das Ausmaß der Spekulationen.