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Prozess wegen massenhaften Kükentötens wackelt

18.02.2016 | 20:36 Uhr
Prozess wegen massenhaften Kükentötens wackelt
Um die Tötung männlicher Küken gibt es weiter Streit.Foto: Marc Müller/dpa

Im Münsterland.   Erstmals sollte eine Brüterei wegen der massenhaften Tötung männlicher Küken angeklagt werden. Doch jetzt droht der Prozess zu platzen.

Die Anklage gegen eine Brüterei aus dem münsterländischen Senden wegen massenhaften Kükentötens wackelt. Das Landgericht Münster hat in einem Brief an Prozessbeteiligte Zweifel geäußert, ob die jahrelange Praxis der Geflügelproduktion, männliche Eintagsküken zu töten, tatsächlich eine Straftat darstellt. Laut den „Westfälischen Nachrichten“ gibt es eine klare Tendenz: Das Gericht will die Anklage nicht zulassen und den Prozess nicht eröffnen. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft noch die Möglichkeit, die Anklage nachzubessern. Eine endgültige Entscheidung will die Kammer Anfang März treffen.

Tierschutz
Staatsanwälte aktiv: Ist das das Ende der Kükenvernichtung?
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Die Tierschutzorganisation Peta spricht vom „historischen Durchbruch“: Es gibt erstmals eine Anklage wegen der Massentötung von Küken.

Augenscheinlich vermag die Kammer keine Straftat erkennen, weil das deutsche Recht das Töten der männlichen Küken nicht explizit verbietet und die Generalklausel des Tierschutzgesetzes („Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“) vage ist. Mit einer ähnlichen Argumentation hatte Anfang 2015 schon das Verwaltungsgericht Minden den Klagen von NRW-Brütereien gegen einen Erlass von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) stattgegeben, mit dem er das Tötungsverbot durchsetzen wollte: Der Bundesgesetzgeber müsse zuvor eine besondere Ermächtigungsgrundlage im Tierschutzgesetz schaffen, hieß es.

Tierschützer setzen auf „Zwei-Nutzungshühner“

Tierschützer würden es sehr bedauern, wenn die Anklage in Münster jetzt tatsächlich nicht zugelassen wird: „Es wäre wichtig, dass es zum Prozess kommt, damit die Öffentlichkeit erfährt, was hinter verschlossenen Stalltüren geschieht“, meinte Ralf Bilke von der Umweltschutzorganisation BUND. Wichtig sei aber, dass jetzt Alternativen zum Kükentöten aufgezeigt würden. Politik, Züchter und Geflügelwirtschaft stünden in der Verantwortung, sagt Bilke. Der BUND favorisiert die züchterische Weiterentwicklung von sogenannten Zwei-Nutzungshühnern – Tieren also, die sowohl für die Eierproduktion als auch die Fleischerzeugung geeignet sind.

Bundesweit werden Schätzungen zufolge jedes Jahr rund 50 Millionen männliche Eintagsküken getötet. Die Geflügelindustrie hat keine Verwendung für sie, weil sie naturgemäß keine Eier legen, ihre Rasse aber auch nicht schnell Fleisch ansetzt. In NRW gibt es 12 Brütereien. Sie haben in Deutschland einen Marktanteil von 5,4%. „Wir begrüßen, dass die Staatsanwaltschaft Münster Anklage erhoben hat“, sagte ein Sprecher NRW-Umweltminister Remmel. Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU) fordere man auf, das Tierschutzgesetz zu ändern und die „tierschutzwidrige Praxis des massenhaften Kükentötens endlich zu untersagen.“

Holger Dumke

Kommentare
19.02.2016
01:28
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von Berohn | #2

Ich finde dieses "schreddern" von Küken auch unsinnig. Es gibt hunderte Zoos und Tierhandlungen, die einen immensen Bedarf an Lebendfutter für ihre...
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2016-02-18 20:36
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