Privatschul-Boom hält an

An Rhein und Ruhr..  Privatschulen sind in Nordrhein-Westfalen weiter im Vorwärtsgang: Während die Zahl staatlicher Schulen in den vergangenen vier Jahren um 5,7 % auf 5605 sank (der demographische Wandel lässt grüßen!), nahm die Zahl der Ersatzschulen um 11 % von 484 auf 537 zu. Zudem führen weitere 70 Ergänzungsschulen zu einem Abschluss. Damit ist jetzt fast jede neunte Schule in NRW in freier Trägerschaft, wie der Verband Deutscher Privatschulen (VDP) gestern berichtete.

„Es sind gerade die Nischen, die Schulen in freier Trägerschaft besetzen“, sagte VDP-Landesvorsitzende Petra Witt. Inklusiver Unterricht (also gemeinsames Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung) oder Förderschule, Schwerpunkt auf MINT-Fächer, Reformpädagogik oder eine dezidierte Berufsorientierung: Mit ihrer besonderen Fokussierung kämen die Schulen in freier Trägerschaft ganz gezielt Elternwünschen entgegen.

Neugründungen an Rhein-Ruhr

Eine Reihe von Neugründungen gab es in der Rhein-Ruhr-Region: Die bilinguale Sternenschule in Duisburg und die „Private School of Life“ in Rheinberg etwa zählen im Grundschulbereich dazu. Neu sind auch die privaten Berufskollegs Rhein-Ruhr in Essen und Duisburg, das Berufskolleg Bika Essen der Siemens AG und das Berufskolleg für Logistik und Spedition in Duisburg der DAA-Wirtschaftsakademie. Den vom Schulkonsens eröffneten Rahmen schöpften die Schulen in freier Trägerschaft aus. Vermehrt seien auch Gesamt- und Sekundärschulen gegründet worden, die aber eher in anderen Landesteilen.

„Der anhaltend positive Zuspruch zeigt, dass Eltern zunehmend von ihrem Recht auf freie Schulwahl Gebrauch machen“, ist VDP-Vertreterin Witt überzeugt. Die Politik müsse die Benachteiligung freier Schulen, etwa bei der Finanzierung, beenden und diese Schulen als „gleichberechtigte Partner in der Bildungslandschaft anerkennen“.
Große Sorgen haben derzeit Schulen in freier Trägerschaft, die sich schon in der Vergangenheit sehr um Inklusion bemüht haben. Laut VDP werden sie ihr sonderpädagogisches Angebot zusammenstreichen müssen, weil für sie bei der Inklusion künftig die gleichen Standards gelten wie an den staatlichen Schulen. Ganze Förderbereiche würden nicht mehr finanziert und fielen damit weg. Die Landesregierung wolle die Entwicklung zwar zeitlich abfedern. Unterm Strich drohe in dem Bereich an den Schulen aber ein 12 %-iger Stellenabbau, berichtet VDP-Geschäftsführerin Eva Lingen.

Der Schulausschuss des Landtages befasst sich in Kürze mit dem Thema.