Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Pegida-Demo

Pegida-Kundgebung eskaliert – Gegendemo bleibt friedlich

10.01.2016 | 12:08 Uhr
Die meisten Teilnehmer der Pegida-Demo in Köln waren laut Polizei Hooligans. Foto: dpa

Köln.  Die Demo von rechten Gruppen nach den Silvesterübergriffen ist eskaliert – Hooligans bewarfen Polizei und Journalisten. Die Gegendemo blieb friedlich.

Nach Ausschreitungen hat die Polizei eine Demonstration der islam- und fremdenfeindlichen Gruppierung "Pegida" und mehrerer rechtsextremer Parteien und Gruppen am Samstag in Köln aufgelöst. Zuvor hatten gewalttätige Hooligans Flaschen, Knallkörper und Steine auf Polizisten und Medienvertreter geworfen, wie die Polizei mitteilte. Mehrere Polizisten und ein Journalist seien verletzt worden. Der weitaus größte Teil der insgesamt rund 1.700 Teilnehmer waren nach Polizeiangaben Hooligans.

Die meisten Demo-Teilnehmer waren Hooligans

Unterdessen ist die Zahl der Strafanzeigen wegen der Übergriffe in der Silvesternacht nach Angaben der Polizei auf 379 gestiegen. In etwa 40 Prozent der Fälle gehe es auch um Sexualstraftaten. Die Kripo stockte ihre Ermittlungsgruppe "Neujahr" auf über 100 Beamte auf.

Übergriffe
Silvesternacht: Anzeigen stapelten sich in Köln unbearbeitet
Silvesternacht: Anzeigen stapelten sich in Köln unbearbeitet

Die Zahl der Anzeigen nach den Übergriffen auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht ist sprunghaft gestiegen: Am Samstag berichtete die Polizei von inzwischen 379 Strafanzeigen nach 170 am Freitag. Die deutliche Anstieg hat Gründe: Die Polizei kommt jetzt überhaupt erst dazu, aufgelaufene Anzeigen zu erfassen.

Ein Großteil der Anzeigen, die in anderen Dienststellen erstattet und nach Köln geschickt wurden, hatte dort bisher niemand bearbeitet, bestätigte ein Polizeisprecher unserer Redaktion. Nun sei die Ermittlungsgruppe aufgestockt. Inzwischen bestehe sie aus mehr als 100 Kriminalbeamten. Damit könnten deutlich mehr Anzeigen in gleicher Zeit erfasst werden. Die Polizei kann nicht sagen, wie viele Anzeigen noch nicht erfasst und noch unterwegs sind. Die Gesamtzahl kann damit noch deutlich steigen.

Viele Anzeigen außerhalb erstattet

Ein Großteil der Opfer ist nicht aus Köln und auch für die Anzeige zu anderen Polizeidienststellen gegangen. Diese Anzeige wurden dann dort erfasst und weitergeleitet nach Köln, wo sie sich aber immer weiter stapelten. Der Sprecher sagte, priorisiert werde in solchen Fällen aber immer auch danach, ob es in Anzeigen unmittelbar einen konkreten Ermittlungsansatz gebe.

Die Polizei erklärt, in knapp jeder zweiten Anzeige meldeten Frauen auch, sexuell zumindest belästigt worden seien: In 40 Prozent der Fälle wurden demnach Sexualstraftaten angezeigt. In den neu erfassten und bislang nicht weiterbearbeiteten Anzeigen war dieser Anteil deutlich geringer: Nach 170 Anzeigen hatte er noch bei 70 Prozent gelegen.

Polizeipräsident hatte am Freitag gehen müssen

Der Polizei war es in der Silvesternacht nicht gelungen, die Übergriffe zu verhindern, die aus einer Menge von zeitweise mehr als tausend Menschen heraus begangen wurden. In einem am Donnerstag veröffentlichten internen Bericht eines leitenden Beamten heißt es unter anderem, es seien viel zu wenig Polizisten eingesetzt worden. Am Freitag wurde bekannt, dass die Kölner Polizei in der Silvesternacht offenbar trotz ihrer Überforderung eine angebotene Hundertschaft ablehnte. Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers hatte am Freitag sein Amt abgeben müssen. Der Polizei war auch vorgeworfen worden, die Öffentlichkeit falsch informiert zu haben.

Die Polizei äußert sich nun erneut zur möglichen Herkunft von Verdächtigen: Die Personen im Mittelpunkt der Ermittlungen kommen demnach „größtenteils aus nordafrikanischen Ländern“. Dabei handele es sich zum überwiegenden Teil um Asylsuchende und Personen, die sich illegal in Deutschland aufhalten, so die Polizei. Einzelne Taten in der Silvesternacht konnten aber offenbar bisher nicht konkret möglichen Verdächtigen zugeordnet werden. „Die Ermittlungen, ob und inwiefern diese Personen mit konkreten Straftaten in der Silvesternacht in Verbindung zu bringen sind, dauern an.“

In der Silvesternacht hatten Gruppen junger Männer, offenbar vor allem aus dem nordafrikanisch-arabischen Raum, vor dem Kölner Hauptbahnhof zahlreiche Frauen sexuell bedrängt und bestohlen. Der Polizei war es nicht gelungen, die Übergriffe zu verhindern, die aus einer Menge von zeitweise mehr als tausend Menschen heraus begangen wurden.

Am Samstag setzte die Polizei Wasserwerfer und Reizgas gegen die rechten Demonstranten ein. Sie stoppte den geplanten "Pegida"-Aufzug durch die Stadt nach wenigen Metern, nachdem die ersten Böller geflogen waren und mehrere Demonstranten sich vermummt hatten. Bereits vor Beginn der Kundgebung seien mehrere Personen durch aggressives Verhalten aufgefallen, hieß es. Bei Durchsuchungen fanden die Beamten unter anderem Drogen und mehrere Knallkörper.

450 rechte Demonstranten aus dem Ruhrgebiet

Nach Angaben der Bundespolizei waren unter anderem etwa 450 rechte Demonstranten mit dem Zug aus dem Ruhrgebiet angereist. Bereits bei der Ankunft in Köln sei Pyrotechnik gezündet worden, zwei Beamte erlitten ein Knalltrauma. Die Bundespolizei leitete gegen mehrere Demonstranten Ermittlungsverfahren ein unter anderem wegen Beleidigung, gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz.

Übergriffe
Silvesternacht: Anzeigen stapelten sich in Köln unbearbeitet

Fast 400 Anzeigen zur Silvesternacht meldete die Polizei Köln am Samstag. Zuvor hatten die meisten davon unbearbeitet vorgelegen.

"Pegida" hatte nach den massiven Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln zu der Veranstaltung unter dem Motto "Pegida schützt" aufgerufen. Dem Aufruf hatten sich unter anderem auch "Pro NRW", die NPD, "Die Rechte" und "Hogesa" (Hooligans gegen Salafisten) angeschlossen. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit einem Großaufgebot von rund 1.700 Beamten sowie Wasserwerfern, Reiter- und Diensthundestaffeln im Einsatz, dazu kamen mehrere hundert Beamte der Bundespolizei im und am Kölner Hauptbahnhof.

Zuvor hatten am Nachmittag rund 1.300 Menschen gegen den rechten Aufmarsch demonstriert unter dem Motto: "Pegida NRW stoppen! Nein zu rassistischer Hetze! Nein zu sexueller Gewalt!" Dazu aufgerufen hatten die Bündnisse "Köln gegen Rechts" und "Köln stellt sich quer", in denen unter anderem Gewerkschaften, Parteien, Kirchen, andere Religionsgemeinschaften sowie weitere gesellschaftliche Organisationen zusammengeschlossen sind.

Rechte nutzen Silvester für pauschale Hetze

Die Übergriffe gegen Frauen in der Silvesternacht dürften nicht von Rechtsextremen für pauschale Hetze gegen Migranten instrumentalisiert werden, hieß es. "Die gewalttätigen, sexistischen Straftaten an Silvester sind unentschuldbar", sagte die Sprecherin von "Köln stellt sich quer", Sonja Ziegler. "Aber die geheuchelte Empörung der 'Pegida'-Anhänger verfolgt doch nur das Ziel, Stimmung gegen Ausländer und Migranten zu machen." Gewalt gegen Frauen sei immer ein Verbrechen, unabhängig davon, wer die Täter seien.

"Natürlich sind die Verbrechen von Silvester abscheulich", sagte die evangelische Pfarrerin Dorothee Schaper vom Kirchenverband Köln und Region dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wir stehen jetzt vor der großen Herausforderung, uns differenziert damit auseinanderzusetzen." Gerade Christen seien von ihrer religiösen Herkunft her "die Brücke zwischen Morgenland und Abendland", betonte die Beauftragte für den christlich-muslimischen Dialog.

Bereits am Mittag hatten sich laut Polizei rund eintausend Frauen an einem Flashmob "Gegen Männergewalt" auf der Domtreppe beteiligt. Auf Transparenten hieß es "Nein zu Gewalt gegen Frauen - Egal, ob in Köln oder beim Oktoberfest" sowie "Keine Toleranz gegenüber den Tätern". (dpa)

Wasserwerfer gegen Pegida-Demo

 

Kommentare
10.01.2016
17:33
Pegida-Kundgebung eskaliert – Gegendemo bleibt friedlich
von Moderation | #19

Sehr geehrte Nutzer,

wir schließen diesen Kommentarbereich für heute. Morgen können Sie an dieser Stelle weiter diskutieren.

Funktionen
Fotos und Videos
article
11447670
Pegida-Kundgebung eskaliert – Gegendemo bleibt friedlich
Pegida-Kundgebung eskaliert – Gegendemo bleibt friedlich
$description$
http://www.derwesten.de/region/pegida-kundgebung-eskaliert-gegendemo-bleibt-friedlich-id11447670.html
2016-01-10 12:08
Region