Nur Tempo 80 auf Landstraßen?

An Rhein und Ruhr..  Im Kreis Kleve sind sie jetzt unterwegs und montieren wie immer vor dem Frühjahr die weißen Kreuze ab. Das an der Sommerlandstraße zwischen den Dörfern Hasselt und Till-Moyland etwa, oder das an der Bundesstraße 220, Ecke Nollenburger Weg. Auf der Sommerlandstraße starb im September 2013 ein junger Mann, gerade einmal 19 Jahre alt. Auf der B 220 am Ostermontag des gleichen Jahres ein kleines Mädchen, sieben Jahre jung. Die fast drei Meter hohen weißen Kreuze sollten an sie erinnern. Und sie sollten Autofahrer zugleich mahnen, wie gefährlich die Straße sein kann. Die meisten der Verkehrstoten im weitläufigen Kreis Kleve sterben außerhalb von Ortschaften, auf den Landstraßen, die zum Rasen einladen. Die Kreispolizeibehörde begrüßt deswegen den Vorstoß des Verkehrssicherheitsrates, der Tempo 80 auf Landstraßen fordert, zumindest auf jenen, die nicht breiter als sechs Meter sind.

RiskanteÜberholmanöver

Die Zahl der Verkehrstoten im Landkreis ist in den vergangenen Jahren drastisch zurück gegangen. 1977 starben 110 Menschen auf den Kreis Klever Straßen. Im Jahr 2013 waren es nur noch 14, ein historischer Tiefstand. Landesweit waren es 479. Die Autos sind sicherer geworden, die Gurtpflicht rettet Leben, die Fahrer selbst sind disziplinierter geworden.

Was sich nicht geändert hat: Auf den Landstraßen ist es am gefährlichsten. Knapp die Hälfte aller Unfalltoten gibt es in NRW dort, wo Tempo 100 erlaubt ist, aber Bäume die Straße säumen und langgezogene Kurven zu riskanten Überholmanövern einladen. Ein Vergleich: In einer Großstadt wie Essen starben im Jahr 2013 vier Menschen durch Verkehrsunfälle, in der Landeshauptstadt Düseldorf waren es sechs. Anlässlich des Verkehrsgerichtstags in Goslar hat der Verkehrssicherheitsrat (DVR) jetzt die Einführung von Tempo 80 auf schmalen Landstraßen gefordert.

Manfred Jakobi begrüßt diese Forderung. Er ist seit vielen Jahren Sprecher der Kreis Klever Polizeibehörde und muss immer wieder Mitteilungen verfassen, in denen von tragisch ausgegangenen Unfällen berichtet wird. „Wir sind natürlich daran interessiert, dass das Geschwindigkeitsniveau insgesamt gesenkt wird“, sagt er. Um die Schwere von Unfällen abzumildern, sei das ein richtiger Weg.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht es ähnlich: „Wir alle kennen die Bilder von entsetzlich verbeulten Autos, die auf einer Landstraße gegen einen Baum gerast sind“, sagt GdP-Landeschef Adi Plickert gegenüber NRZ. Solche Unfälle könne man nicht klaglos hinnehmen. „Wir glauben, dass es sinnvoll ist, das Tempolimit zu senken“, meint Plickert. Tempo 80 auf Landstraßen – das sei in anderen europäischen Ländern längst Standard. Zudem, so der GdP--Chef weiter, müssten Landstraßen durch bauliche Veränderungen entschärft werden. Ein Mittel seien tiefliegende Leitplanken, um die Aufpralle auf die Alleebäume zu verhindern, ein anderes der Wechsel von Ein- und Zweispurigkeit: „Als Autofahrer weiß ich so, meine Straße wird in wenigen Kilometern wieder zweispurig, dann kann ich gefahrlos überholen.“

Im Kreis Kleve versucht die Polizei mit häufigen Radarkontrollen, die Autofahrer dazu zu bewegen, zumindest Tempo 100 zu halten. Seit 2003 läuft das Projekt mit den weißen Kreuzen. „Mit ihnen soll gemahnt und zugleich der Toten gedacht werden. Sie sollen zum Nachdenken anregen“, sagt Polizeisprecher Jakobi.

Die Kreuze im Kreis Kleve werden jetzt repariert und gestrichen. Im Frühjahr werden sie wieder an den Straßen außerhalb der Ortschaften aufgestellt werden. In diesem Jahr werden es wieder mehr sein. 2014 starben auf Kreis Klever Straßen 19 Menschen. 16 von ihnen auf Landstraßen.