NRW verliert bis zum Jahr 2030 rund 480.000 Einwohner

Nordrhein-Westfalen verliert Einwohner. Besonders ländliche Kreise sind betroffen.
Nordrhein-Westfalen verliert Einwohner. Besonders ländliche Kreise sind betroffen.
Foto: Stephanie Pillick/dpa/Archiv
Was wir bereits wissen
Die Menschen in Nordrhein-Westfalen werden immer älter. Eine Studie warnt vor den Folgen. Besonders hart trifft es die Dörfer auf dem Land.

Gütersloh.. Die Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen schrumpft bis zum Jahr 2030 deutlich stärker als im bundesweiten Schnitt. Laut einer am Mittwoch vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung verliert NRW in den nächsten 15 Jahren 480.000 Einwohner.

Das entspricht der Bevölkerungszahl der Stadt Duisburg. Statt 17,55 Millionen wird NRW noch 17,07 Millionen Einwohner haben, das ist ein Minus von 2,7 Prozent. Bundesweit schrumpft die Bevölkerung um 0,7 Prozent.

Dabei driften die Zahlen im Bund in den Ländern weit auseinander. Während ländliche Gebiete zum Teil mehr als 20 Prozent verlieren, legen besonders Städte um mehr als 10 Prozent zu. Münster in Westfalen kämpft dabei am erfolgreichsten gegen den demografischen Wandel an. Die Studentenstadt zählt auch in 15 Jahren zu den jüngsten Städten in ganz Deutschland.

Wachstum um Düsseldorf herum

Die Stiftung warnt vor dramatischen Folgen für den ländlichen Raum. Als Negativbeispiel nennt die Studie Altena im Märkischen Kreis sowie Steinheim und Lügde in Ostwestfalen. Hier sollen in 15 Jahren zwischen 16 und 23 Prozent weniger Menschen als noch 2012 leben. Besser sieht es in den Regionen rund um Düsseldorf, Köln, Bonn und Münster aus. Hürth im Rhein-Erft-Kreis, Weeze am Niederrhein wachsen um mehr als 10 Prozent.

Im bundesweiten Vergleich liegt NRW bei der Bevölkerungsentwicklung im Mittelfeld. Generell setzt sich aber auch in NRW der Trend zur Landflucht weiter fort. Die Wissenschaftler warnen deshalb vor Versorgungslücken gerade für ältere Menschen.

"Die zentrale Herausforderung ist, auch in einwohnerschwachen Regionen eine angemessene Gesundheitsversorgung in erreichbarer Nähe anzubieten", sagt Brigitte Mohn vom Vorstand der Bertelsmann-Stiftung laut Mitteilung.

Höherer Pflegebedarf in den Kommunen

Die Kommunen müssten sich wegen der zunehmenden Alterung auf einen erhöhten Pflegebedarf einstellen. 2030 soll die Hälfte der Menschen in NRW älter als 47,4 Jahre alt sein (Medienalter). 2012 lag dieser Wert von bei 44,9 Jahren.

Aber auch hier gibt es große Schwankungen. Auf Gemeindeebene liegt das Medienalter zwischen 41 und 58 Jahren (2012: 38 bis 51). Zu den jüngsten Städten zählen Münster und Aachen, zu den ältesten Bad Sassendorf im Kreis Soest und Bad Münstereifel im Kreis Euskirchen.

Bevölkerung Die Zahl der über 80-Jährigen steigt in NRW um über 36 Prozent auf 1,27 Millionen Menschen an. Bundesweit ist der Anstieg bei den Hochbetagten mit 47,2 Prozent deutlich größer. Espelkamp im Kreis Minden-Lübbecke wird laut Prognose die einzige Gemeinde in NRW bis 2030 sein, die weniger 80-Jährige hat (minus 3,3 Prozent). Mit den höchsten Prozentanstieg muss die Stadt Meckenheim im Rhein-Sieg-Kreis rechnen. Hier sollen in 15 Jahren 112 Prozent mehr Menschen leben, die älter als 80 Jahre sind.

"Mit dem Anstieg dieser Altersgruppe vergrößert sich auch der Unterstützungs- und Pflegebedarf in den Kommunen. Es droht die Gefahr von Versorgungslücken durch zu wenige Pflegekräfte", sagte Brigitte Mohn. (dpa)