NRW-Verkehrsminister kündigt "noch viel mehr Baustellen" an

„Die Staus werden auch in den kommenden Jahren kaum weniger werden", sagt NRW-Verkehrsminister Groschek.
„Die Staus werden auch in den kommenden Jahren kaum weniger werden", sagt NRW-Verkehrsminister Groschek.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
NRW bleibt Stauland Nr. 1 in Deutschland. Doch innerhalb des Landes gibt es gewaltige Unterschiede. Auf mancher Autobahn staut es sich fast nie.

Essen.. Nordrhein-Westfalen ist schon Stau-Bundesland Nummer 1. Jeder dritte deutsche Stau wird von hier gemeldet. 2014 war ein Rekordjahr. Doch alles wird noch viel schlimmer. Die Düsseldorfer Landesregierung hat am Freitag auf die Veröffentlichung der ADAC-Staubilanzen mit erstaunlichem Klartext geantwortet und sogar Streckensperrungen nicht mehr ausgeschlossen.

„Die Staus werden auch in den kommenden Jahren kaum weniger werden. Denn es müssen noch viel mehr Baustellen eingerichtet werden“, heißt es in einer Erklärung des Verkehrsministers mit einem ausdrücklichen Hinweis auf die Autobahnbrücken. Mit bedrohlichem Unterton folgt der nächste Satz: Es müsse mehr repariert werden, „damit nicht eines Tages Brücken und Strecken gesperrt werden müssen“.

Brücken sind schon angeschlagen

Tatsächlich befinden sich vor allem die Autobahnbrücken bei Leverkusen (A 1) und bei Duisburg (A 40) in einem angeschlagenen Zustand. Vor allem bei der Leverkusener Brücke, die bis 2023 durch einen Neubau ersetzt werden soll, kann es bei weiteren Rissen zur Totalsperrung kommen. In Hessen musste erst in dieser Woche die Schiersteiner Rheinbrücke bei Wiesbaden, die auch in den 60er-Jahren erbaut worden war, für den Verkehr vollständig dicht gemacht werden.

In der NRW-Landeshauptstadt forderte unterdessen die CDU ein neues Baustellenmanagement für das Land. Ziel: Die Bauarbeiten an den Autobahnen sollen künftig nicht nur tagsüber, sondern auch nachts und an Wochenenden durchgeführt werden.

Dabei kann sich NRW schon heute kaum über Staumangel beklagen. Lesen Sie auf der nächsten Seite, auf welchen Autobahnen im vergangenen Jahr am häufigsten Stillstand herrschte.

Stau-Karte - Hier stehen Sie noch häufiger als auf der A40

Diesen Spitzenplatz wird die Rhein-Ruhr-Region wohl nie los. Wieder ist Nordrhein-Westfalen das Stauland Nr.1. 279.000 Kilometer Stillstand hat der ADAC im Jahr 2014 hier gemessen. Auf den 2200 Autobahn-Kilometern zwischen Münsterland und Eifel gab es 154.000 Staumeldungen. 34.000 mehr als noch 2013. Bayern und Baden-Württemberg folgen abgehängt auf Platz 2 und 3.

Welche Autobahnen in NRW melden die meisten Staus?

Natürlich die langen Nord-Süd-Verbindungen wie die A1 und die A3. Sie belegen auch bundesweit die Spitzenplätze hinter der deutschen Staustrecke Nr.1, der Autobahn A8 zwischen Karlsruhe und Stuttgart.

Bei den absoluten Zahlen fällt die deutlicher kürzere Ruhrgebiets-Schlagader A40 dagegen ab. Betrachtet man allerdings die Staumeldungen pro Autobahnkilometer (siehe Tabelle unten), ist die A40 eine der stauaunfälligsten Autobahnen NRWs.

Auf welchen Abschnitten der nordrhein-westfälischen Autobahnen wird es besonders eng?

Tunlichst zum Meiden empfohlen: Düsseldorf-Wuppertal (A46, 13.127 Staumeldungen), Köln-Dortmund (A1), Köln-Krefeld (A57). Überraschend: Entgegen einem weit verbreiteten Gefühl ist die A42 von Kamp-Lintfort nach Dortmund mit mehr als 8400 Meldungen innerhalb des Ruhrgebiets stauanfälliger als der Ruhrschnellweg (A40 auf dem Stück Essen-Dortmund mit 7884 Staumeldungen).

Dazwischen auf Platz 5 die A3 zwischen Köln und Oberhausen. Leichter zu befahren war 2014 offenbar der A40-Abschnitt zwischen Duisburg und Essen - nur Platz 8 in der Statistik der besonders belasteten Autobahnstrecken mit 5857 Meldungen.

Kennt das Stauland NRW auch Wohlfühl-Abschnitte?

Eine besonders. Ganze sieben Staumeldungen gab es im letzten Jahr auf der Autobahn A 542. Stau-Gesamtlänge: Neun Kilometer. Autobahn-Gesamtlänge: Sechs Kilometer. Wo wir die A542 finden? Zwischen Monheim und Langenfeld. Ein Unikum, das (Kostengründe!) nie weitergebaut wurde.

Wann gibt es die meisten Staus?

Immer freitags. Und staureichster Monat 2014 war bundesweit laut Verkehrsdatenbank des ADAC der Oktober. Auch das ist immer so. Platz 2 nimmt der Ferienmonat August ein – kein Wunder, denn dann sind die großen Langstrecken (z.B. A 8 Stuttgart-München) in Süddeutschland strapaziert. Auf der A8 gibt es im Jahresdurchschnitt 150 Kilometer Stau pro Streckenkilometer.

Ist Deutschland auch Europameister im Stau-Stehen?

Der „Standort D“ ist da mit 35 Staustunden pro Jahr und Einwohner nur drittplatziert, hat das Londoner Institut Inrix ausgerechnet. Ganz vorne liegen Belgien (58 Stunden) mit seinen Ballungszentren Brüssel und Antwerpen und unser Nachbar Niederlande (44 Stau-Stunden).

War das Jahr 2014 stauanfälliger als 2013 – und wenn ja, warum?

Die ADAC-Verkehrsdatenbank meldet bundesweit 475.000 Staus mit fast einer Million Kilometer im letzten Jahr und damit einen bemerkenswerten Rekordwert. Das ist binnen zwölf Monaten ein Plus von 15 Prozent. ADAC-Sprecher Andreas Hölzel: „Wir haben schon einen gewissen Verkehrszuwachs, aber bei Staumeldungen haben wir große Sprünge, die sich nie und nimmer dadurch erklären lassen“.

Marode Brücke Das Geheimnis der höheren Zahlen: neue Messmethoden. Stauscanner melden über GPS die Handydaten von Autofahrern. Außerdem werden die Reisedaten von Lkw-Flotten ausgewertet. Diese Technologien ersetzen zunehmend die klassischen Polizei- und Hubschraubermeldungen.

Warum gibt es in dem einen Jahr mehr, in dem anderen Jahr weniger Staus?

Schlechte Infrastruktur oder Baustellen haben gar nicht solche Auswirkungen. Das Institut Inrix hat recherchiert und bei einem Vergleich von 13 europäischen Ländern ein verblüffendes Ergebnis gefunden: Länge der Staus und Wirtschaftslage sind direkt abhängig voneinander.

Und das ist ja auch logisch: Wenn die Konjunktur brummt, mehr Menschen zur Arbeit müssen und mehr Fracht unterwegs ist, muss sich auch der Autofahrer öfter in Geduld fassen. Die Euro-Krise hat Spanien und Portugal 2013 ökonomisch abstürzen lassen – mit einer zynischen Folge: Auf den Autobahnen in Iberien ist es ganz entspannt zugegangen.

  Stau-
meldungen
Staus pro Kilometer Dauer
(in min)
Staulänge in km
A1 22.589 89 848.905 44.537
A40 16.591 177 603.484 26.641
A46 15.734 118 509.665 27.965
A3 15.163 84 535.620 32.581
A57 12.470 97 380.320 22.377
A4 10.583 72 349.243 21.330
A42 8446 146 222.512 12.690
A43 6657 70 189.546 13.071
A52 6597 71 221.042 10.500
A59 5944 80 193.338 9252
A44 5822 29 224.183 11.747
A45 5450 45 190.845 9866
A2 4875 25 188.158 10.218
A61 4376 41 138.780 7701
A565 3151 105 110.142 4444
A555 1945 108 81.922 3564
A30 1344 22 55.166 2360
A31 1157 15 48.356 1956
A559 1088 272 43.253 1431
A33 873 17 33.076 1440
A535 849 61 19.811 1188
A516 466 93 15.432 677
A560 420 32 12.108 686
A553 227 17 8109 300
A544 212 53 6079 237
A445 137 11 5301 198
A562 84 28 4171 110
A57/B1 41 0 1073 40
A524 31 5 1022 44
A540 14 2 317 15
A542 7 1 174 9
Gesamt 153.613 66 5.241.153 278.902

Quelle: ADAC (Staudaten), Straßen.NRW (Autobahndaten), eigene Berechungen