NRW-Polizei warnt vor Anlagebetrügern

Wirtschaftskriminelle richteten in NRW im vergangenen Jahr einen Schaden von mehr als 851 Millionen Euro an.
Wirtschaftskriminelle richteten in NRW im vergangenen Jahr einen Schaden von mehr als 851 Millionen Euro an.
Foto: imago stock&people
Was wir bereits wissen
Weil Banken Zinsen praktisch abgeschafft haben, wittern Kriminelle ihre Chance: Die Polizei in NRW registrierte 2014 insgesamt 904 Fälle – ein Plus von 25 %

An Rhein und Ruhr..  Ob es die Betrügereien des Kunstberaters Helge Achenbach mit einem von den Ermittlern addierten Gesamtschaden von 24,3 Millionen Euro waren oder die millionenschwere Untreue des früheren Arcandor-Managers Thomas Middelhoff: Im Bereich der Wirtschaftskriminalität hat die nordrhein-westfälische Polizei zusammen mit den jeweiligen Staatsanwaltschaften im vergangenen Jahr spektakuläre Fälle lösen können. Insgesamt registrierten die Ermittler 2014 aber erneut einen deutlichen Rückgang der Delikte in diesem Bereich. Das geht aus einem neuen Lagebild des Landeskriminalamtes (LKA) hervor. Auffällig aber: Anlagebetrug hat deutlich zugenommen.

Während die Zahl der registrierten Wirtschaftsdelikte um 22,48 % auf 8751 Delikte sank, während weniger Insolvenzstraftaten, Betrügereien und Wettbewerbsdelikte angezeigt wurden, gingen die Zahlen beim Anlagebetrug drastisch nach oben – von 721 auf 904, ein Plus von mehr als 25 %. Der festgestellte Schaden stieg auf 34,9 Millionen Euro. Die Täter gehen teils sehr massiv vor, wie ein Beispiel aus Bonn zeigt. Von dort aus bedrängte eine Bande mindestens 240 Opfer am Telefon, diese sollten ihre Lebensversicherungen oder Zusatzrenten kündigen, weil der jeweilige Versicherer angeblich vor der Pleite stünde. Dass frei werdende Geld solle in die Anlagen der Betrüger mit Renditen von angeblich bis zu 8 % gesteckt werden.

Neue Stellen in der Justiz, neue Abteilung beim LKA

Für die Polizei kommt der Anstieg beim Anlagebetrug nicht überraschend: „Die von der Europäischen Zentralbank seit geraumer Zeit verfolgte Nullzinspolitik birgt die nicht unerhebliche Gefahr, dass insbesondere private Kleinanleger Opfer von Anlagebetrügern werden“, heißt es im Lagebild des LKA. Die Betrüger preisen Schrottimmobilien und am grauen Markt gehandelte Aktien an. Ihr kriminelles Spiel ist künftig möglicherweise nicht so leicht zu durchschauen. Denn die Experten vom LKA gehen davon aus, dass Betrüger ihre in der Vergangenheit hohen Renditeversprechen auf ein vermeintlich realistisches Niveau reduzieren. An das von Finanzfachleuten bereits proklamierte Aus für die umstrittenen Mittelstandsanleihen mag man im Landeskriminalamt auch noch nicht so recht glauben: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Betrüger die aktuelle Lage an den Finanzmärkten verstärkt nutzen, um scheinbar sichere Produkte zu verkaufen“, heißt es.

Es geht um viel Geld

Dass es bei der registrierten Wirtschaftskriminalität insgesamt – nach 2010, 2011 und 2013 – erneut einen Rückgang gegeben hat, das könnte nach Ansicht der Experten des LKA damit zu tun haben, dass Gesetze verschärft wurden und der Bundesgerichtshof deutliche Urteile gesprochen hat. Zudem richten immer mehr Unternehmen eine Compliance-Abteilung ein, die Verfehlungen frühzeitig entgegen wirken soll.

Weil es aber weiter eine erhebliche Dunkelziffer geben dürfte und viele Fälle sehr kompliziert sind, verschärft NRW den Kampf gegen Wirtschaftskriminelle. Die Justiz stellt in diesem Jahr 22 Richter und zehn Staatsanwälte ein, die vor allem in diesem Bereich tätig sein sollen. Beim LKA hat zudem im Januar eine neue Abteilung die Arbeit aufgenommen, in der Wirtschaftsermittler Tür an Tür mit 15 Steuerfahndern arbeiten.