Notdienst-Netz wird reformiert

An Rhein und Ruhr..  Das Vorhaben hat in den vergangenen Tagen in etlichen Kommunen an Rhein und Ruhr für Unruhe gesorgt, jetzt ist es beschlossene Sache: Das ärztliche Notdienst-Netz in den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf wird ausgedünnt und reformiert. Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) hat einen entsprechenden Beschluss gefasst, seine Umsetzung wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Landesregierung und die Krankenkassen reagieren zurückhaltend, der Sozialverband SoVD mit Empörung.

Die Reform ist aus Sicht der kassenärztlichen Vertreter nötig, weil das bisherige Notdienst-System unausgewogen und teuer ist. Weil viele Patienten Notfallpraxen aufsuchen, anstatt zu den regulären Sprechzeiten zum Arzt zu gehen, fließt – aus Sicht der KVNO – zu viel Geld aus dem Honorartopf in den Bereitschaftsdienst, Geld, das in der regulären Versorgung fehlt. Man wolle einer „Verlagerung der Sprechstunden in den Notdienst“ entgegenwirken, heißt es in der Beschlussvorlage. Zudem sei die Versorgung mit Notfallpraxen unausgewogen – in machen Regionen gebe es überhaupt keine Notfallpraxen, in anderen dafür umso mehr.

Von den bisher allgemein- und fachärztlichen 84 Notfallpraxen in der Region sollen künftig nur noch 72 bestehen bleiben. Von der Neugestaltung profitieren werden die Kreise Kleve und Wesel. In Kleve gibt es laut KVNO bislang keine Notfallpraxis, künftig sollen es zwei sein. In Wesel sind es zwei, künftig werden es drei sein. Auch Düsseldorf soll um eine Notfallpraxis auf dann zwei aufgestockt werden. Dagegen blutet Duisburg. Dort existieren zurzeit noch vier Notfallpraxen, künftig jedoch nur noch eine. Essen soll von vier auf zwei Praxen reduziert werden. Gleich bleiben soll die Anzahl in Oberhausen und Mühlheim.

Rudolf Henke, der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, hat ein „gewisses Verständnis“ für den Beschluss seiner Kollegen. Er sei zwar „traurig“ über die Ausdünnung des Notdienst-Netzes, aber es sei nicht zielführend, „dass für die Versorgung ständig Geld drauf gelegt werden muss“. Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens fordert, dass auch künftig, die „Patientenorientierung“ im Vordergrund stehen müsse, und dass „auch im Notdienst die Versorgung in angemessener Zeit und Entfernung sichergestellt bleibt“. Ähnlich argumentiert Günter Wältermann, Chef der AOK Rheinland: „Das vorrangige Ziel muss sein, dass es auch nach der Neuregelung einen sachgerechten Notfalldienst gibt“, so Wältermann.

Für den Sozialdienst SoVD ist die Ausdünnung des Netzes hingegen ein „Schritt in die falsche Richtung“: Der Bedarf an Notdienstpraxen werde angesichts einer alternden Gesellschaft zunehmen, so der SoVD.