Niedrigwasser lässt Preise für Transportschiffe steigen

Hat sich weit in sein Bett zurückgezogen: Der Rhein bei Emmerich.
Hat sich weit in sein Bett zurückgezogen: Der Rhein bei Emmerich.
Foto: FUNKE Foto Services
Weil der Pegelstand so niedrig ist wie seit Jahren nicht mehr, müssen die Kunden für Transporte per Schiff so genannte „Kleinwasserzuschläge“ zahlen.

Auf und am Rhein.. Es gibt Menschen, die klatschen gleich mit, wenn jetzt die Regentropfen an die Fenster klatschen. „20 Zentimeter mehr am Pegel Ruhrort über Nacht“, strahlt Jörg Rusche, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt. Vater Rhein, der sich in den letzten Wochen sehr tief in sein Bett verkrochen hat, kommt allmählich wieder heraus aus der sandigen Gruft. Und die Binnenschiffer freuen sich, konnten sie in den vergangenen Wochen doch ihre Schiffe nur zur Hälfte oder zu zwei Dritteln beladen.

Der Rhein ist so tief gesunken wie seit dem Jahr 2003 nicht mehr

So tief wie in den letzten beiden Wochen ist der Rhein selten gesunken – seit 2003 nicht mehr, dem Jahr der Minusrekorde an den Rheinpegeln. Wie gebannt starren Schiffer und Hafenbetriebe dann auf „Elwis“. Und hoffen, dass er nicht weiter sinkt: Elwis steht für Elektronisches Wasserstraßen-Informationssystem. Da lassen sich sämtliche Flusspegel ablesen – und auch eine Prognose für die nächsten vier Tage.

Natürlich schauen die Wasser- und Schifffahrtsämter und die Binnenschiffer auch ein wenig weiter in die Zukunft. „Ausbaggern hilft jedenfalls nichts, weil das die Fahrrinne nur insgesamt tiefer legt und nicht mehr bringt“, so Jan Böhme, Hydrologe beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Duisburg.

Die Niedrigwasserperioden gehören für ihn zum Strom dazu, allerdings, so die Einschätzung des Bundesverkehrsministeriums werden sie in Zukunft noch zunehmen. Im Bericht zu Klima und Wasserwirtschaft „Kliwas“ heißt es, man rechne im Einzugsbereich des Rheins mit mehr Niederschlägen im Winter und weniger Regen im Sommer. „Sowohl in der nahen als auch in der fernen Zukunft werden Niedrigwassersituationen aufgrund ihrer relativ langen Dauer für die Binnenschifffahrt relevanter sein als Hochwasserereignisse“, heißt es im Abschlussbericht. Je nach Szenario sei mit einer Steigerung der Transportkosten von bis zu zehn Prozent zu rechnen.

In der näheren Zukunft sieht es so aus, als ob die Rheinfähren zwischen Urdenbach und Zons sowie zwischen Himmelgeist und Uedesheim ihren Betrieb wieder aufnehmen könnten. Derzeit kann ihnen der Rhein an den Anlegestellen nicht mehr das Wasser reichen.

Die Frachtschifffahrt – und ihre Kunden – können dann allmählich auch wieder Abschied nehmen von den „Kleinwasserzuschlägen“: Aufpreise, die fällig werden, weil die Reise kaum günstiger wird, selbst wenn das Boot nur halb beladen ist.

Der „Kleinwasserzuschlag“ ist nur ein Schmerzensgeld

„Das ist aber in den meisten Fällen auch nur ein sehr unvollkommenes Schmerzensgeld“, so Rusche. In vielen Fällen haben die Binnenschiffer Jahreskontrakte und müssen liefern, notfalls mit ein paar Schiffen mehr, Hauptsache, die Hochöfen und Kraftwerke bekommen ihre Kohle und die Chemieparks in Marl-Hüls, bei Bayer oder BASF werden termintreu beliefert.

„Für uns wird das logistisch schon ein bisschen schwieriger“, sagt Andreas Hamm, Assistent der Geschäftsführung bei den Neuss-Düsseldorfer Häfen. Weniger Fracht im Kahn bedeutet: mehr Schiffe, die um die Liegeplätze rangeln. Und auf den Kais wird es auch eng, denn viele Spediteure wollen lieber abwarten, bis das Wasser wieder steigt, damit sie dann die Ladekapazität wieder voll ausnutzen können. Und Hamm hat das Gefühl: „Die Niedrigwasserperioden werden immer schwieriger vorherzusagen. Früher konnte man Niedrig- und Hochwasser quasi schon direkt in den Kalender eintragen.“ In diesem Jahr kam das Niedrigwasser erst spät, aber dann durchaus heftig. Und? Hat er sich auch über den Regen gefreut? „Naja“, sagt er mit einigermaßen trockenem Humor. „Es würde ja auch reichen, wenn es in Süddeutschland ordentlich schüttet.“

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