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Zivilstreifen jagen Hundehalter in Dinslaken

23.09.2009 | 15:34 Uhr
Zivilstreifen jagen Hundehalter in Dinslaken

Dinslaken. Zivilstreifen kontrollieren nun in Dinslaken, ob Herrchen die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner wegräumen. Die Hundehalter in Dinslaken lassen sich nicht erwischen beim Ignorieren der Ortssatzung - wie Tretminenfelder vor Kindergärten zeigen.

Eine Station, an der sich Hundehalter mit Plastikbeuteln eindecken können. Foto: Gisela Weißkopf

Häufchenpolizei. So stand's im redaktionellen Terminkalender. Das ist ein bisschen albern und außerdem falsch, wie sich zeigte. Erstens sind Aynur Yilmaz und Anne Hollenbeck keine Polizistinnen, sondern ausgesprochen nette Damen vom Ordnungsamt. Zweitens kontrollieren die beiden nicht nur Hundehalter sondern auch etwa Jugendliche, die auf Spielplätzen lungern, möglichst noch mit einer Pulle Bier. Drittens ist das mit den Hundehaufen so eine Sache. Fest steht: Hundchen lassen Häufchen fallen. Das müssen und dürfen sie auch. Fest steht auch: Viele Herrchen sammeln sie nicht ein. Obwohl sie es müssten.

Kampagne "picobello"

So steht's in der Ortsatzung. Aber: Die Hundehalter in Dinslaken lassen sich einfach nicht erwischen beim Ignorieren der Hinterlassenschaften und der Ortssatzung, wie ganze Tretminenfelder vor Kindergärten oder auf Schulwegen zeigen. Deswegen schickt die Stadt ihre Kontrolleure nun in Zivil auf Streife. Das ist nicht gemein – sondern Teil der städtischen Kampagne „picobello”. Die NRZ begleitete Anne Hollenbeck und Aynur Yilmaz eine Nachmittagsschicht lang.

Nicht nur in Dinslaken gibt's haufenweise Ärger: Dieser Hund läuft in Berlin an einem Hundehaufen vorbei, in dem ein Fähnchen mit der Aufschrift "Haufen sucht Herrchen" der Initiative "Shit Happens" steckt. Foto:

Wenn die Damen vom Ordnungsamt auf Streife gehen, sieht das nach vielem aus – bloß nicht nach Ordnungsamt auf Streife. Die Sonne scheint auf den Rotbachsee, Anne Hollenbeck trägt eine Sonnenbrille, Aynur Yilmaz ein hübsches weißes Blüschen und ein Lächeln im Gesicht. Zwei Freundinnen beim Spaziergang, fehlt bloß, dass sie sich unterhaken. Nichts, das Hundehalter warnen könnte. Und trotzdem: „Ganz, ganz selten nur erwischen wir einen, der den Dreck nicht wegräumt”, räumt Aynur Yilmaz ein, obwohl die beiden und ihre Kollegen schon zu den unmöglichsten Zeiten an Schulen und Kitas kontrolliert haben – inkognito, natürlich.

An die Leine - auch wenn er "gaanz lieb ist"

Vielleicht haben die Hunde den richtigen Riecher und verkneifen sich das Nötigste bis die städtischen Mitarbeiter außer Sicht sind? Zwar fallen einige Frauchen an diesem Nachmittag auf die fehlende Uniform herein – allerdings nicht, in Sachen Häufchen. Sondern in Sachen Leine.

Er kann nicht anders, viel Herr- und Frauchen könnten schon anders... und die Haufen beseitigen und ihre Lieblinge an die leine nehmen. Foto: WAZ

Hunde müssen, wie Aynur Yilmaz erklärt, überall in der Stadt angeleint sein. Steht auch in der Ortssatzung. Auch im Wald. Auch am Rotbachsee. Auch, wenn „der” ganz lieb ist, nie und nimmer beißt und allerhöchstens mal spielen will. Aber das überrascht Hundehalter jedes Mal aufs Neue. Zumindest, wenn sie ertappt werden, schmunzelt Anne Hollenbeck und wird kurz darauf bestätigt.

Eine Leine hat die Dame mit dem zugegebenermaßen nicht gerade gefährlich ausschauenden und um die Mitte herum etwas fülligen Dackel zwar dabei. Bloß der Hund hängt nicht daran. „Wo steht datt?” bellt sie die Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes an, die sie auf eben diese Tatsache hingewiesen haben. Überhaupt: „Morgens müsstense kommen, da erwischense Leute, jetzt findense keinen”, schimpft sie und schielt verärgert auf ihre abgebrannte Kippe.

Wenn der Hund nicht an der Leine hängt

So ist's rechtens: Hunde müssen - nicht nur in Dinslaken - auch in der Stadt und in Naherholungsgebieten angeleint sein. Foto: Franz Luthe

Zwar ist einer nicht direkt keiner, trotzdem fragt Aynur Yilmaz nett, welche Uhrzeit sie denn für die geeignete hielte. Während sich die Zuschauerin heimlich über die pampige Bürgerreaktion empört, bleibt die 44-Jährige auch gelassen, als die Hundehalterin ihren Namen nicht verraten will. „Die Leute meinen oft, irgendetwas sagen zu müssen, um das Gesicht zu wahren”, erklärt Anne Hollenbeck. Ansonsten, so Yilmaz, schalle es aus dem Wald, wie man hereinruft. Immerhin: Die Dame hatte eine der braunen Papptüten dabei, die in mehr als 25 Spendern und in den Bürgerbüros für die tierischen Hinterlassenschaften erhältlich sind. Und die irgendein Scherzkeks neulich en Masse im See versenkt hat.

Auch die junge Frau mit Rad und Damaltiner aber ohne Leine hat noch nie vom Anleinzwang gehört, echt nicht. Auch sie bekommt eine 10-Euro-Knolle – entschuldigt sich aber für die Übeltat. Und wird, wo sie schon einmal das personifizierte Ordnungsamt an der Hand hat, gleich noch eine Frage los, die sie auf dem Herzen hatte. „Wir wollen ja auch Ansprechpartner sein”, erklärt Aynur Yilmaz. Das, freilich, geht mit Uniform leichter.

"Die zehn Euro machen die Stadt auch nicht reich"

Überhaupt ist den beiden gleich, ob sie mit oder ohne Uniform unterwegs sind. Und, nein, es gehe auch nicht darum, besonders viele Leute zu ertappen. „Die zehn Euro machen die Stadt auch nicht reich”, seufzt Aynur Yilmaz.

Aber: Wenn sich herumspreche, dass das Ordnungsamt in Zivil kontrolliere, halten sich die Leute eher an die Regeln. Und das Ordnungsamt muss nicht mehr Häufchenpolizei spielen. Ist ja ohnehin ein albernes Wort.

Anja Hasenjürgen

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Kommentare
03.09.2010
17:07
Zivilstreifen jagen Hundehalter in Dinslaken
von Schwafheimer | #46

Weil das Geld kostet und die Städte kein Geld haben.

Und wenn, dann sollten sie mal eher Geld für die Zukunkft (Kinder) investieren die sind wichtiger für unsere Gesellschaft. Haustiere = individueller Luxus

Ich hätte auch lieber einen Hund und 2 Katzen. Ist aber nicht drin (vor allem zeitlich).

26.09.2009
06:20
Zivilstreifen jagen Hundehalter in Dinslaken
von Tiffany | #45

Ich mache schon immer die Haufen meines Hundes weg, gestern in Essen-Werden hab ich
vergebens einen Abfallbehälter gesucht. Warum
können die Städte nicht mal ein paar mehr
aufstellen ? Irgendwo muß ich ja hin damit.
www.dog-design-by-tiffy.de

25.09.2009
21:54
Zivilstreifen jagen Hundehalter in Dinslaken
von abfbcb | #44

ch habe selber einen Hund und der ist so erzogen das er nicht auf den Gehweg oder mitten auf die Wiese kackt. Auf Spielplätzen haben Hunde nichts zu suchen, das ist ganz klar, aber auch Jugendliche die sich dort besaufen und dann die Flaschen zerschlagen haben dort nichts zu suchen. Da wird aber nicht kontrolliert, weder von der Polizei noch vom Ordnungsamt. Wenn die Jugend säuft hat das OA Feierabend. Mein Hund macht auch in den Rinnstein oder er schiebt sich mit dem Hinterteil direkt unter einen Strauch. Sollte er es mal nicht schaffen ist es für mich normal es wegzumachen. Ich ärgere mich jeden Tag über Hundehalter die nur über die Straße gehen und ihren Hund an der nächstbesten Stelle Kacken lassen, egal ob man mit Kinderwagen, oder ältere Leute mit Rollator durchfahren oder man mit den Schuhen rein tritt. Es ist einfach ekelhaft.
Zu den Tüten habe ich auch noch was zu sagen. Welche Hunderasse hat man für den Entwurf als Maßstab genommen, bestimmt einen kleinen. Wenn mein Hund (Labbi) sein Geschäft macht passt das nicht in die Tüte. Ich versuche ihm jetzt beizubringen einen rechteckigen Haufen zu machen ist aber nicht so einfach und vielleicht in zwei oder dreimal zu machen aufzuteilen.
Was ist eigentlich mit Pferdeäpfeln??? da sagt keiner was.........warum nicht?

Gruß Lissi

24.09.2009
18:51
Zivilstreifen jagen Hundehalter in Dinslaken
von Baer | #43

Lieber gehtsnoch,

mach doch mal Urlaub auf dem Land.Die Luft ist besser, man kann freier atmen (wenn es nicht gerade wieder erbärmlich nach Katzenpisse stinkt), und zuweilen hat man im Urlaub auch Zeit, sich auf eine Bank zu setzen und Löcher in die Luft zu gucken.

Dann sieht (und riecht!) man auch mal Katzen scheißen...

So überraschen das für Sie sein sollte - ich gehe mit Ihnen konform. Was einige (leider eventuell sogar die Mehrheit?) ihre Hunde machen lassen, im Sinne des Wortes, geht auf keine Kuh-Haut.

Hatte selbst mal einen Viertel-Hund, trug aber ständig entsprechende Tüten, Beutel und das Blättchen bei mit (wenns mal wieder flüssiger läuft...). Der Hund schiss ausschließlich in den Rinnstein, an die Hauswand und in das Gestrüpp, in das nicht einmal mehr Kinder sich hineinwagen würden. Da habe ich die Häufchen dann aber auch liegenlassen...

Was die Hundesteuer angeht: Hunde hielt man sich damals nicht wie Frau Hilton, sondern erstlinig als Arbeitstiere. Für diese gelten noch immer Ausnahmeregelungen, so zahlen Schäfer nur für ein Tier, egal, wie viele sie besitzen (Hessen), und Blindenhunde sind gänzlich befreit. Leider geben Sie Ihre Quelle nicht an - Wikipedia, nicht wahr?

Auf anderen Seiten liest man z.B.

Wie hat sich die Steuer entwickelt?
In ost- und mitteldeutschen Quellen taucht um 1500 erstmals ein „Hundekorn“ auf, das teilweise unter der Steuerbezeichnung „Bede“ in Form von Kornabgaben (Roggen, Gerste, Hafer) erhoben wurde; es diente der Ablösung der Hundegestellungspflicht der Bauern im Rahmen von Jagdfrondiensten. Zu Hundefutter verbacken und später auch „Hundebrot“ genannt, wurde diese Abgabe z. B. nach den Hildesheimer Stadtrechnungen von 1658/59 „zur Erhaltung gemeiner Stadtjagdgerechtigkeiten“ verwendet.

Im 19. Jahrhundert sind in den deutschen Einzelstaaten moderne Hundeabgaben hauptsächlich aus polizeilichen Gründen eingeführt und teils als Luxussteuer (so in Preußen 1810 bis 1814, 1824 f.), teils als Nutzungsgebühr (so in Bayern 1876) ausgestattet worden. Im Allgemeinen haben von Anfang an die Gemeinden das Besteuerungs- und Ertragsrecht erhalten, doch wurde von einigen Ländern (z. B. Baden und Hessen-Darmstadt) noch lange ein staatlicher Anteil abverlangt.
[http://www.vergleichen-und-sparen.de/woher-stammt-die-hundesteuer.php]

was ebenso plausibel ist.

Der Staat/die Gemeinden (an die die Steuer geht) hat/haben sich noch nie für etwas durch Steuern bezahlen lassen, was sowieso erledigt werden muss.

Erst wird eine Straßenreinigungsgebühr von allen Eigentümern von Grundstücken an öffentlichen Wegen eingefordert, später definiert man Straße zu Fahrbahn um, und Oma Hotti mit ihren 87 Jahren darf selbst Schnee schippen bzw. einen Dienstleister hierfür beauftragen, denn ein Fußweg ist keine Fahrbahn im Sinne der Definition der Verordnung. Na gut, Omi Hotti auf die Fahrbahn zum Schippen zu stellen - da haben sich die Gemeinden auch gedacht: Geht gar nicht! Menschlich, oder?

Was Deinen Schlußsatz betrifft - ich habe so gelacht, dass ich morgen gleich 65,75€ Vergnügungsteuer dem Finanzamt überweisen werde. Gleichzeitig werde ich die Abschaffung der Sektsteuer fordern - wäre offensichtlich nur in Deinem Sinne!

Grüße!

24.09.2009
16:38
Zivilstreifen jagen Hundehalter in Dinslaken
von gehtsnoch | #42

#31 Marcel1977 mit unseren Kindern sind die Kinder allgemein gemeint, die natürlich auch andere Menschen in ihrer Umwelt beobachten und dieses Verhalten dann auch kopieren. Denn wenn Kinder nur von ihren Eltern lernen würden, bräuchten wir sie auch nicht in die Schule schicken.

Aber beim nächsten mal versuche ich auch für Menschen wie Sie alles haarklein zu erklären.

24.09.2009
14:41
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #41

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.09.2009
13:17
Zivilstreifen jagen Hundehalter in Dinslaken
von Marcel1977 | #40

es sind eben solch Leute wie technikus53, die mit ihrem Vorbildverhalten unseren Kindern beibringen

Interessant, ich dachte Erziehung wäre Sache der Eltern.

24.09.2009
12:24
Zivilstreifen jagen Hundehalter in Dinslaken
von achill | #39

Ich pflege selbstständig das städtische Beet vor meiner Haustür, da die Stadt Oberhausen dafür anscheinend kein Geld oder keine Lust hat.
Nach 2 Wochen ist allerdings alles wieder voll geschissen, nieder getrampelt, zugemüllt oder sogar ausgebudelt für den heimischen Garten.
Nach all diesen asozialen Taten sollte das Ordnungsamt kontrollieren und saftige Strafen verhängen.
Wenn jeder etwas auf seine Umwelt achtet und hilft die Städte schöner zu gestalten könnten viele Kosten für die Kommunen gespart werden, allerdings vergeht einem die Lust dazu, wenn man das Gefühl hat gegen Windmühlen zu kämpfen.

24.09.2009
12:21
Zivilstreifen jagen Hundehalter in Dinslaken
von nie88 | #38

Die sind nicht der Sauberkeit wegen unterwegs...es herrscht in den Städten und Gemeinden die pure Geldnot, irgend wie müssen die Gehälter ja weiterbezahlt werden wenn schon über Jahre keine Investitionen mehr ohne Schuldenaufnahme gemacht werden konnten....aber wenn ich die Kommentare hier so lese sehen ich ne menge Scheuklappen

24.09.2009
12:21
Zivilstreifen jagen Hundehalter in Dinslaken
von HM Kraska | #37

Wir sind Besitzer eines Hundes und haben bei jedem Gang mit unserem Hund Tüten fürs Geschäft bei. Wir finden es Sch..., dass manche Hundebesitzer den Haufen ihres Hundes nicht entsorgen. Schade finde ich allerdings das einem jede Möglichkeit genommen wird seinen Hund frei
laufen zu lassen. Für Gesundheit und Ausgeglichenheit eines Hundes sorgt auch das dieser sich mal frei bewegen kann. Da reichen nicht die viel zu wenigen Hundefreilauf-Zonen!
( Wo auch kein Hundekot hingehört!)
Vielleicht sollten man darüber nachdenken demnächst auch unsere Kinder anzuleinen!!!
Wir fanden es bissher Gut, dass in Dinslaken nicht so peinlichtst darauf geachtet wurde ob da freilaufende Hunde laufen,spielen!
Ein bisschen mehr Feingefühl wäre schön!!!

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