Yoga mit Hund

Domburg..  Beim Einatmen strecken wir die Arme aus und verbinden uns mit dem Himmel. Die frische Brise vom Meer zerzaust die Frisur. Sonnenstrahlen tasten sich vorsichtig durch die Wolken. Beim Ausatmen spüren wir den Sand unter unseren nackten Füßen und verbinden uns mit der Erde. Yoga am Strand ist auch für wenig Erleuchtete ein Erlebnis. Mit dem Rauschen der Brandung ist es ganz einfach, sich von störenden Alltagsgedanken zu lösen. Nur hier und jetzt: Strand und Meer.

Dreizehn Yoga-Jüngerinnen von 18 bis 70 nehmen an der Stunde teil. Männer sind zugelassen, aber bisher noch seltene Gäste. Hände und Füße aufstellen, durch die eigenen Beine gucken…. die Übung heißt der herabschauende Hund. Vorbeilaufender Hund wäre passender! Ein gemächlicher Neufundländer bleibt verblüfft stehen und guckt. Was die Menschen da anstellen? Dem Labrador ist vor Staunen der Ball aus der Schnauze gefallen. Haben sie Knochen vergraben und finden sie nicht wieder? Hilfsbereit wedelt er mit dem Schwanz. Herrchen will ihn an der Leine weiterziehen, Frauchen bleibt stehen und denkt laut darüber nach, auch mal Yoga zu probieren.

Kuren unter freiem Himmel

Strandgymnastik war gestern, Zumba und das Sportstudio-Gehüpfe kann einpacken! Yoga kombiniert körperliche und geistige Beweglichkeit im Einklang mit der Weite dieser herrlichen Landschaft. Auf diesen Trend setzt auch der neueröffnete luxuriöse Yoga-Campingplatz im Ort. Domburg, auf der Insel Walcheren gelegen, ist der älteste Badeort Hollands. Davon zeugen charmante Backstein-Villen und Hotels mit Türmchen und Veranden. Schon vor 180 Jahren hat der europäische Adel hier die Sommerfrische genossen, aber nun hat Domburg den offiziellen Status „Heilbad“ bekommen. Neben Wellness kann man jetzt auch eine richtige Kur machen. Die Seeluft ist pollenarm und mit einer Luftfeuchtigkeit von durchschnittlich 77 % heilsam für die gequälten Atemwege von Allergikern. Der Körper kann hier bei 1700 Sonnenstunden jährlich eine Extraportion Vitamin D auftanken.

Das Meerwasser ist reich an Salzen, Mineralien und Organismen und darf sich deshalb nach allen bestandenen Tests „Heilwasser“ nennen. Nach europäischem Standard kann es für die Thalasso-Therapie genutzt werden und die hilft zum Beispiel gegen Hautkrankheiten. Und macht schönes Fell! Zum Beweis schüttelt der Retriever sein goldenes Vlies nach einem kurzen Bad in der Brandung. Vor zehn Uhr morgens gehört der Strand den Frühsportlern und den freilaufenden Hunden Ja, das ist sogar in der Hauptsaison von 1. Mai bis 15. September erlaubt. Kein Leinenzwang für die Morgenrunde und abends ab 19 Uhr. Jogger gegen Jagdhund, Krabbelkinder contra Köter – was in deutschen Stadtparks gelegentlich kriegsähnliche Zustände heraufbeschwört zumindest aber hitzige Debatten und gegenseitige Beschimpfungen auslöst, funktioniert in Zeeland friedlich. Hier kreischen nur die Möwen. Es gibt viele Urlauber, die sich nicht eindeutig einer Gruppe zuordnen lassen. Wie das junge Paar, das zwei Kleinkinder plus Schaufeln, Windvogel und Käscher im Bollerwagen zieht. Zwei große Hunde trotten nebenher und interessieren sich überhaupt nicht für die Urlauber, die ihre Morgenrunde am Strand hoch zu Ross genießen.

Noch ist die Nordsee zu kalt zum Schwimmen, aber wer sich den Naturgewalten genüsslich hingeben will, kann die Erlebnisdusche im neuen Wellnesscenter vom Badhotel ausprobieren. Mit tosender Brandung, Donnergrollen und eiskaltem Schauer. Für Warmduscher ist die Dampfsauna vielleicht der gemütlichere Ort. Aber deutsche Urlauber sind eigentlich wetterfest, findet Hoteldirektor Govert Janzen. „Holländer warten ab, ob der Wetterbericht Sonne fürs Wochenende verspricht und ärgern sich dann, wenn es so kurzfristig keine freien Zimmer mehr gibt. Deutsche buchen langfristiger und lassen sich von schlechtem Wetter nicht abhalten. Sie setzen notfalls eine Mütze auf, ziehen die Regenjacke an und gehen trotzdem schon frühmorgens barfuß am Strand wandern.“ Vielleicht ist das ja auch der gemeinsame Nenner von Hundebesitzern, Sportlern und Eltern von Kleinkindern? Sie alle sind gewöhnt, bei jedem Wetter vor die Tür zu gehen. Sowieso und jeden Tag. Mit Wellen und Meer, leichter Brise und den ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Frühsommers macht es aber trotzdem mehr Spaß!