Wozu eine Landesgartenschau in Kamp-Lintfort, Herr Landscheidt?

Bürgermeister Christoph Landscheidt in seinem Garten Niersenbruchstraße.
Bürgermeister Christoph Landscheidt in seinem Garten Niersenbruchstraße.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wenn es nach dem Bürgermeister der Stadt Kamp-Lintfort, Christoph Landscheidt, geht, ist die ehemalige Bergbaustadt ein wunderbar geeigneter Standort. Und der Stadtentwicklung täte die Schau auch gut.

Kamp-Lintfort..  Der Strukturwandel geht weiter. Von der Bergbau- zur Hochschulstadt. Und geht es nach dem Willen des SPD-Bürgermeisters Christoph Landscheidt, richtet Kamp-Lintfort 2020 die Landesgartenschau aus.

Wer kam auf die Idee, in Kamp-Lintfort eine Landesgartenschau ausrichten zu wollen?

Die Idee ist in der Stadt Kamp-Lintfort historisch angelegt. Wir sind Gartenstadt! Als 1123 die Mönche aus Morimond in Frankreich hierher kamen und ein Kloster gründeten, haben sie auch einen Klostergarten entwickelt. Diesen alten Garten haben wir rekonstruieren lassen, wie auch den Terrassengarten, der ein Highlight der Gartenkultur in der Region ist. Außerdem gibt es die alte Kolonie des ehemaligen Bergwerkes, die nach englischen Vorbildern als Gartenstadt gestaltet wurde. Bergleute sollten neben einem Häuschen auch ein Stück Garten besitzen. An diesen Traditionen können wir mit einer Landesgartenschau anknüpfen.

Warum braucht Kamp-Lintfort eine Landesgartenschau?

Schon vor rund zehn Jahren haben wir uns im Rahmen der Stadtentwicklung Gedanken über eine sogenannte Freiraumplanung gemacht und dabei das Thema Garten aufgegriffen. 2011 haben wir eine Machbarkeitsstudie über eine Landesgartenschau in der Stadt in Auftrag gegeben. Dabei ging es vor allem um Flächen, die nach der Stilllegung der Zeche frei werden. Wir begreifen die Landesgartenschau nicht nur als eine hübsche Blumenschau, sie ist ein Motor der Stadtentwicklung. Dadurch ist eine nachhaltige Entwicklung der Grünflächen, der Kultur, der Arbeit und des Wohnens, kurz: des urbanen Lebens an sich, möglich.

In diesem Jahr fand die Landesgartenschau in Zülpich statt. Zülpich ist eine Kleinstadt mit Braunkohle-Vergangenheit – ein Vorbild für Kamp-Lintfort?

Die Landesgartenschau in Zülpich habe ich nicht besucht, kenne sie also nicht. Grundsätzlich ist jede Kommune ein Vorbild für uns, die erfolgreich eine Landesgartenschau durchgeführt hat. Wir haben ein anderes schönes Beispiel kennen gelernt: Hemer. Die Stadt hat 2010 eine sehr gute Landesgartenschau ausgerichtet. Wir stehen in Kontakt zu den Kollegen, die uns zeigen können, wie ein Verfahren zu gestalten ist, und wie man die Bevölkerung motiviert und mobilisiert. Aber einfach nur abzugucken reicht nicht, jede Landesgartenschau hat ihren eigenen Charakter, diesen gilt es in Kamp-Lintfort herauszuarbeiten und darzustellen.

Warum gerade Hemer?

Ich kenne den dortigen Bürgermeister. Wir waren dann mit einer kleinen Gruppe aus dem Rathaus dort und haben uns umgeschaut. Hemer ist mit Kamp-Lintfort relativ gut zu vergleichen. Die Stadt hat wie wir ungefähr 40.000 Einwohner. Bei der dortigen Landesgartenschau ging es vor allem um die Weiterentwicklung eines ehemaligen Bundeswehrstandortes, der sehr nah an der Innenstadt lag, also wie bei uns das alte Zechengelände. Deshalb bot es sich an, aus den dortigen Erfahrungen zu lernen.

In Zülpich ging es um die Nutzung eines 20 Hektar großen Sees, der durch den Braunkohletagebau entstanden ist. Um welche Fläche soll es in Kamp-Lintfort gehen?

Das ist noch nicht abschließend entschieden. Allein das Gelände der ehemaligen Zeche umfasst mehr als 30, fast 40 Hektar. Natürlich darf so ein Vorhaben nicht ausufern, wir müssen uns auf einen Kern konzentrieren. Und wir sollten an bereits bestehende Dinge anknüpfen. Wie gesagt: Wir sind Gartenstadt. Es gibt zum Beispiel den Wandelweg, der die Gartenstadt-Kolonie mit dem Klostergarten verbindet. Auch wird entscheidend sein, wie sich die Bevölkerung einbringen wird. Die Vereine und Verbände in Kamp-Lintfort, und auch Privatpersonen, können und sollen sich aktiv an der Landesgartenschau beteiligen. Auch von ihren Ideen wird es abhängen, was wir und wie wir es machen.

Wenn die Veranstalter-Angaben stimmen, dann blieben in Zülpich rund sieben Millionen Euro an Investitions- und Durchführungskosten an der Stadt hängen. Kann Kamp-Lintfort eine Landesgartenschau überhaupt finanzieren?

Ich gehe davon aus, dass die Haushaltslage in Zülpich ähnlich ist wie in Kamp-Lintfort. In Nordrhein-Westfalen wird wohl kaum eine Kommune in der Lage sein, sieben Millionen Euro bar auf den Tisch zu legen. Wenn dies gefordert wäre, dann gäbe es keine Landesgartenschau mehr. Man muss also gucken, wie diese städtischen Mittel eingesetzt werden. In die Rechnung müssen auch Sponsorengelder und das ehrenamtliche Engagement der Bürger einfließen.

2007 bemühte sich die Stadt Duisburg um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2014 – vergeblich. Die Bewerbung scheiterte am fehlenden Geld. Was macht Sie optimistisch, dass Kamp-Lintfort nicht auch scheitert?

Grundsätzlich: Ohne Optimismus und ohne Zuversicht brauchen wir gar nicht anzutreten. Zu jeder Bewerbung und jedem Wettbewerb gehört auch die Möglichkeit des Scheiterns, es muss einkalkuliert werden. Aber: Wir stehen am Anfang unserer Bewerbung, wir wären nicht schon so weit, wenn wir nicht davon ausgingen, dass Kamp-Lintfort eine erfolgreiche Landesgartenschau ausrichten und finanziell tragen kann.

Träumen wir mal: 2020 wird eine Landesgartenschau in Kamp-Lintfort geben. Werden Sie diese als Bürgermeister eröffnen?

(lacht) Ich bin bis zum Jahr 2020 in meinem Amt gewählt. Wenn zwischenzeitlich nichts passiert, dann gehe ich davon aus, das dies so sein wird – also: Ja.

Am 1. September 2015 endet die Bewerbungsfrist. Danach wird eine Bewertungskommission nach Kamp-Lintfort kommen. Dabei wird es vor allem auf drei Dinge ankommen: auf das Gelände, die Botschaft und die Bevölkerung. Die stadteigene Werbung beginnt beim Neujahrsempfang am 11. Januar. Dann wird es am 5. Februar eine große Info-Veranstaltung in der Stadthalle geben: die „1. Öffentliche Arena zur Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020“. Dort werden die geplanten Gartenschauflächen vorgestellt: Kamper Berg, Wandelweg, Bergwerksfläche.