„Wir werden diesen Tag nie vergessen”
22.09.2009 | 19:18 Uhr 2009-09-22T19:18:00+0200
Groesbeek. Vor 65 Jahren starteten die Alliierten die große Militäroffensive „Market Garden” und scheiterten an den Toren Arnheims
Groesbeek. Es muss ausgesehen haben wie Konfettiregen. Schwarze, kleine Punkte waren überall am Himmel zu sehen. Es war Mittagszeit, gegen 13 Uhr, 900 Dakotas waren über Groesbeek und Nimwegen in der Luft und öffneten ihre Ladeklappen. 8000 Soldaten sprangen von der Rampe, sie waren ausgerüstet mit Fallschirmen, Munition und Maschinengewehren und sie waren gekommen, um die Niederlande und den Niederrhein zu befreien. Vor 65 Jahren, am 17. September 1944, starteten die alliierten Truppen eine der größten Luftlandungen des Zweiten Weltkrieges: die Operation Market Garden.
Hello und Tschüss
Die Menschen in den Dörfern wussten nicht, wie ihnen geschah. In Groesbeek und Umgebung saßen die meisten Dorfbewohner beim Mittagessen, als gegen 13 Uhr die ersten Fallschirmspringer zu Boden gingen. „Die Groesbeeker waren völlig überrascht”, erzählt Wiel Lenders, Leiter des Befreiungsmuseums in Groesbeek. Man erzählt sich, dass auf einem kleinen Bauernhof an der Wylerbaan, unweit der Grenze zu Kranenburg, ein amerikanischer Fallschirm-springer samt Ausrüstung durch das Dach rauschte, mit seinen Füßen mitten im Suppenteller landete und der Küchentisch zusammenbrach. Nach einem kurzen „Hello” soll er seinen Fallschirm ausgezogen haben und nach draußen gelaufen sein zu den anderen Soldaten. „Die Groesbeeker Bauernfamilie blieb mit offenem Mund in der Küche sitzen.” Was war das?
Die Soldaten hatten wenig Zeit. Für die Militäroperation „Market Garden” wurden sie in Groesbeek, Overasselt, Mook und Grave abgeworfen, um die deutsche Wehrmacht aus Nimwegen und Arnheim zu vertreiben. Nach der Luftlandung in der Normandie waren die Auseinandersetzung um die beiden Städte die größten Schlachten, die sich in Westeuropa zugetragen haben.
Einer der mutigen Männer, die sich der Wehrmacht entgegenstellten, war James „Maggie” Megellas, damals Oberstleutnant der 504. Fallschirminfanterie. Er leitete gemeinsam mit Th. Moffat Burriss den Ein-satz der Fallschirmtruppen. Vier Tage lang wurde in der Nimweger Innenstadt heftig geschossen, denn nach der Ankunft der Alliierten ließ die Wehrmacht sofort Verstärkung aus Arnheim anrücken. Am Kaiser-Karel-Plein, heute Verkehrsknotenpunkt der Stadt, wurde so ziemlich alles verwüstet. Die Amerikaner versuchten, die Waalbrücke einzunehmen, scheiterten jedoch im ersten Anlauf am deutschen Widerstand.
In einer Gedenkfeier am vergangenen Sonntag in Nimwegen erinnerte der niederländische Verteidigungsminister Eimert van Middelkoop an den Mut der Soldaten: „Sie kämpften Tage lang in Feindesland unter extremen Umständen. Sie überquerten die Waal am hellichten Tage, ausgerüstet mit kleinen Booten. Sie kämpften Mann gegen Mann, Tage lang. Sie haben dies getan für die Freiheit eines Kontinents, den sie vorher nie gesehen haben, für Nationen, über die sie nichts wussten.”
Einer der Militärs war Lord Peter Carrington, Major der Grenadier Guards. Er erinnert sich an die schrecklichen Ereignisse: „Wir werden diese Tage niemals vergessen. Es war ein kalter, bitterer Winter 1944, doch woran ich mich vor allem erinnere, ist die Herzlichkeit der Nimweger.”
Museumsleiter Wiel Lenders bemerkt, dass viele Niederländer die historischen Ereignisse nicht mehr kennen. Und auch am Niederrhein wisse kaum jemand, was im Zweiten Weltkrieg auf der anderen Seite der Grenze geschehen ist. Die Schlacht um Arnheim, vom 26. September 1944, sei vielen durch den Film geläufig. Aber der historische Kontext fehle. Wiel Lenders: „Was vielen nicht bekannt ist: Die Deutschen haben damals 95 000 Arnheimer evakuiert, Ähnliches geschah in der Betuwe und südlich der Veluwe. Insge-samt waren damals 300 000 Menschen auf der Flucht. Darüber spricht kaum noch jemand”, sagt Lenders.
Hintergrund
Vor 65 Jahren starteten die Alliierten die große Militäroffensive „Market Garden” und scheiterten an den Toren Arnheims
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