Wintersport ganz ohne Eis und Schnee

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Xanten..  Wintersport am Niederrhein: mangelhaft? Schnee und Eis lassen in der Region zwar aktuell noch auf sich warten und auch mit dem Halden-Rodeln wird’s vorerst nichts. Doch ganz auf Freiluftbewegung zur kalten Jahreszeit muss dank der kleinen Winter World des Freizeitzentrums am Hafen Xanten trotzdem niemand verzichten. Noch bis zum 8. Februar können kleine und große Wintersportfreunde hier Eislaufen und Eisstockschießen – und das ganz ohne Eis.

Dank Kunststoff

„Wir nutzen Kunsteisbahnen aus Kunststoff, damit wir wetterunabhängig sind“, erklärt Lennart Kühl. „Die 180 Quadratmeter große Eislauffläche ist aus speziellen, großen Kunststoffplatten. Und auch die fünf mal zwölf Meter große Eisstockbahn besteht aus kleinen Kunststoffplatten, die täglich abgezogen und dann mit einem Gemisch aus Silikon und Wasser abgespritzt werden, damit der Belag gleitfähig ist“, sagt der 24-Jährige, der derzeit eine Ausbildung als Sport- und Fitnesskaufmann im Freizeitzentrum absolviert.

Soviel also zum eisfreien Untergrund. Aber wie funktioniert’s eigentlich? Gut, das Eislaufen stellt für die meisten Niederrheiner wohl kein Problem dar -- zugefrorene Gewässer, die kommen in der Region ja schon mal vor. Und außerdem mangelt’s mangels winterlicher Kälte hier auch an Eishallen nicht. Na ja, und wer es nun wirklich nicht kann, dem stehen in der Xantener Winter Welt zur Not ja auch noch ganz niedliche Eislaufhilfen zur Seite: Modell „Pinguin“ oder „Weihnachtsmann“.

Beim Eisstockschießen und seinen Regeln wird’s dann aber schon schwieriger. Ist das nicht so ähnlich wie Curling? Das kennt man doch wenigstens noch von den Olympischen Spielen. „Nein, das Eisstockscheißen hat eher etwas Ähnlichkeiten mit Boccia“, sagt der angehende Sportkaufmann. Aha, das ist bekannt. Aber wie waren da doch gleich noch mal die Regeln? „Kein Problem“, sagt Lennart Kühl, „so schwer sind die beim Eisstockschießen nicht. Und wir geben auch gerne eine kleine Einweisung“:

Vorzugsweise wird in zwei Teams gespielt – „bei drei Teams muss sonst immer eines aussetzen.“ Zwei verschiedene Spiel-Varianten werden in der Winter World angeboten: „Bei der sehr einfachen Variante, dem Lattl-Schießen, ist am unteren Ende der Eisbahn eine Latte mit Zahlenplättchen platziert. Die Eisstöcke müssen möglichst die höchste Zahl, die Zehn, in der Mitte treffen. Es gewinnt das Team mit den meisten Punkten“, erklärt Lennart Kühl.

Und dann gibt’s da noch die zweite, die echte Alpen-Variante – sofern das Eisstockschießen denn tatsächlich aus dem Alpenraum, wie gerne behauptet, und nicht doch aus Holland oder Skandinavien stammt. „Die ist allerdings etwas komplizierter“, weiß der Fachmann. Eisstockschießen ist schließlich ein Präzisionssport. Und Genauigkeit gilt auch für’s Regelwerk.

„Beim traditionellen Eisstockschießen wird eine Daube, ein gelber Kunststoffring, auf einem festen Punkt in der Mitte des oberen Bahnteils platziert. Mit den farblich unterschiedlichen Stöcken – wir haben schwarze, rote und blaue, die aufgrund ihrer Laufsohle alle unterschiedlich gut gleiten – muss nun versucht werden, die Eisstöcke so nah wie möglich an der Daube zu platzieren.“

Wer es selbst einmal probiert, merkt schnell: Nicht nur Genauigkeit ist gefragt, sondern auch ganz viel Gefühl Denn, und das ist viel schwieriger als gedacht: Die Daube darf dabei nicht getroffen werden. Eine echte Herausforderung!

Etwas komplizierter wird es dann allerdings doch beim Punktezählen: „Beide Teams haben zum Beispiel je drei Stöcke, die sie in einer Runde im Wechsel so nah wie möglich an der Daube platzieren. Zunächst werden nun die beiden Stöcke jedes Teams gewertet, die am nächsten an der Daube liegen. Das Team mit dem Stock, der am nächsten dran ist, erhält drei Punkte, das andere keinen. Die beiden Stöcke entfernt und nun werden die nächsten beiden je Team gewertet, und so weiter, bis alle Stöcke gewertet wurden. Gespielt wird so über sechs Runden.“

Alles klar? Nicht? Wer das winterliche Freizeitvergnügen nun nicht auf Anhieb verstanden hat: Kein Problem, denn auch beim Eisstockschießen gilt: „Einfach selber ausprobieren“, meint Lennart Kühl.

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