Willkommen in Nicaragua

René Poels ist der Gründer des Weltpavillons.
René Poels ist der Gründer des Weltpavillons.
Foto: Diana Zulfoghari
Was wir bereits wissen
Der „Wereldpaviljoen Steyl“ ist mehr als ein Museum – hier wird interkulturelles Lernen mit Reiselust, Kultur und Spaß verknüpft

Steyl..  Eine Schlange am Zoll. Kofferkontrolle, durch eine Sicherheitsschranke gehen – jetzt leuchtet die Alarmlampe und ein Zöllner springt auf, um die entsetzte Touristin zu filzen. Bienvenido in Nicaragua. Zwei Stunden und fünf Minuten Zeitverschiebung. Dabei waren wir noch vor fünf Minuten in Holland. Genau gesagt in Steyl, dem Klosterdorf. Jetzt ist die Illusion perfekt – der Zöllner stempelt blaue Pässe „European Union – Tourist Passport“ – die sind das schönste Andenken für die Schulklassen, die sonst hier in den Weltpavillon einreisen. Wer kommt schon am Wandertag so weit in der Welt herum?

Ein Deckenventilator dreht sich träge… „Wir bleiben nicht in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua, sondern reisen weiter in die Kleinstadt San Pedro!“ erklärt der Gründer des Weltpavillons René Poels. Ein Schritt über die Schwelle und die Augen gehen über. Am Marktstand locken Bananenstauden, Mais und Zwiebeln. Zuerst in die Kirche? In die Fabrik? Die Schule? Das Rathaus? Diese Reisegruppe besteht diesmal aus lauter Erwachsenen, die meisten arbeiten selber in Museen. „Wo fängt der Rundgang an?“ fragen sie zögernd. Solche Fragen stellen Kinder nicht, sie stürzen sich einfach auf das, was sie spontan begeistert. Es gibt keine feste Reihenfolge.

Wir sind ja im Abenteuerurlaub. Entdecker brauchen keine Vorschriften. Wirklich, man darf alles anfassen. Aber bevor Kinder auf die Idee kommen, im Hinterhof Geschirr abzuwaschen oder im Handelskontor Bohnen abzuwiegen, wischen und tippen sie lieber auf Bildschirmen herum. Die sind hier geschickt in Holzkisten getarnt zwischen die einzelnen Stationen gestreut. Schnell eine Postkarten-Mail an die Mama schicken: Grüße aus Nicaragua.

Spielzeug aus Abfall gebastelt

Interaktives Lernen: Was spielen die Kinder in San Pedro? Warum müssen sie Schuluniformen tragen? Wie bitte, wir sollen selber auf der Kakaoplantage arbeiten?! Danach ist das Verhältnis zu Schokolade verändert. Wer mag, kann mehr über fairen Handel lernen.

Jungjournalisten zieht es eher in die Redaktion von „El Periodico“, der Lokalzeitung. Was bedeutet Meinungsfreiheit? Im Hinterhof eines ganz normalen Wohnhauses Wäsche aufhängen, einen Zettel an den Kiosk pinnen, in der Schule ein paar spanische Wörter lernen, auf dem Dorfplatz rennen und spielen, selber Musik machen… wer eine Aufgabe gemeistert hat, bekommt einen Stempel mehr in seinen Reisepass. Was lieben die Besucherkinder am meisten? Das Atelier! Rene Poels, der Gründer des Weltpavillons stellt sich gleich selbst hinter die Werkbank und präsentiert Spielzeuge, die aus Nicaragua kommen… sie alle sind aus Müll gebaut. Diese Kreativität, aus wenigen Holzresten, alten Kronkorken und Plastiktüten Autos, Flugzeuge und Schmuck zu basteln, das finden die Kinder toll. Upcycling ist ein globaler Trend.

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Es sind alles Freiwillige, die im Weltpavillon Pässe stempeln, mit Schulklassen basteln, Karten abreißen. Je nach Alter oder Vorbildung der Schüler können bestimmte Themen bearbeitet werden, Projektarbeit geleitet oder die Klassengemeinschaft gefestigt werden. Der interkulturelle Lernort Weltpavillon ist erst im Oktober eröffnet worden, aber jetzt schon für zahlreiche Preise in den Niederlanden nominiert. Die Freiwilligen sind auch auf deutschsprachige Besucher eingerichtet, an der Übersetzung des Internetauftritts und der Flyer wird derzeit noch gearbeitet.

Auch wenn das Museum im Gebäude der ehemaligen Klosterdruckerei liegt, es wird nicht von den Steyler Missionaren betrieben. Das „Klosterdorf Steyl“ beherbergt längst zahlreiche Partner: Töpferei, botanische Gärten, mehrere Restaurants und Cafés – alle, die eine Mission haben, sind hier willkommen. Neues Leben in historischen Klostergebäuden, die sonst längst leer stünden. Eine win-win-Situation für alle Beteiligten. Auch für die Besucher, die natürlich nach wie vor ein stilles Gebet in den Grotten oder Einkehr im Klostergarten halten können.