Werben, bis der Arzt kommt
19.02.2010 | 17:48 Uhr 2010-02-19T17:48:00+0100Kreis Kleve. Eine Assistenzarztstelle gefällig? Bitteschön – die Welt liegt den jungen Medizinern zu Füßen. Positiv formuliert, klingt das so. Der Begriff „Ärztemangel” rollt das gleiche Problem von der anderen Seite auf.
Denn unterm Strich bleibt, deutschlandweit und somit auch im Kreis Kleve, dass es schlichtweg zu wenig Medizinernachwuchs gibt. Panik sei zwar fehl am Platz, weil die Patientenversorgung stets gewährleistet sei, doch können auch die Katholischen Kliniken im Kreis Kleve kein Tuch um die derzeitige Situation drehen: „Wir rekrutieren inzwischen Ärzte aus dem Ausland”, schildert Ulrike Adam für den Klinikverbund.
Sie ist zuständig für die Mitarbeiterrekrutierung und kann ein Liedchen davon singen, dass es in Deutschland einfach zu wenig Ärzte gibt. „Anzeigen, beispielsweise im Deutschen Ärzteblatt, zeigen kaum noch Resonanz”, weiß sie aus Erfahrung, „und auch auf Jobbörsen hat man nur selten Glück.”
Eine Begründung sieht sie unter anderem darin, dass viele Studenten, die in Ballungsgebieten zur Uni gegangen sind, auch dort bleiben wollen. Immerhin stehen diese gut ausgebildeten Kräfte dann noch in Deutschland zur Verfügung – anders als viele ihrer Kollegen. „Fakt ist nämlich, dass es etliche Studienabbrecher oder Absolventen gibt, die sich für eine andere Branche als das Krankenhaus entscheiden”, so Ulrike Adam. Versicherungshäuser seien da für viele eine Alternative.
Die größten Schwerpunkte bei der Suche nach neuen Ärzten sind die Innere Medizin und die Chirurgie. Bessere Verdienstmöglichkeiten, andere Arbeitsbedingungen und neue Herausforderungen ziehen Nachwuchsmediziner ins Ausland – oder eben in die großen Universitätskliniken.
Mehr bieten als andere
Die Häuser müssen für sich werben und ihren neuen Ärzten vielleicht mehr bieten als andere. Beispielsweise Sprachkurse, wie Ulrike Adam erzählt. Zwar suche man ausschließlich in deutschsprachigen Ländern und setze bestimmte Sprachqualifikationen voraus, „wer darüber hinaus Schwierigkeiten hat, bekommt von uns Sprachkurse”, erklärt sie weiter. Dann geht's für die Ärzte zunächst einen halben Tag in den Dienst auf der Station und einen halben in den Deutschunterricht.
Dieses „Mehr” zu bieten, überschreibt die LVR-Klinik Bedburg-Hau: „Ärztemangel mit kreativen Ideen begegnen” – Sprachkurse, Hilfe bei Behördengängen und der Wohnungssuche, Übernahme von Weiterbildungskosten und Trennungsentschädigungen sind da nur einige Beispiele für das, was man ausländischen Kollegen bietet. Als problematisch sieht die Ärztliche Direktorin Dr. Marie Brill etwas ganz anderes: „Wir benötigen teilweise ein Jahr, um einen geeigneten Arzt einstellen zu können.” Die Rekrutierung der Ärzte könne nur mit einem enormen Arbeitsaufwand geleistet werden, weiß auch Stephan Lahr, Kaufmännischer Direktor der Bedburg-Hauer Klinik. Dramatisch sei's (noch) nicht – aber schwierig.
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