Wenn Notdienst zum Ärgernis wird

Emmerich..  Tom Sluyter bringt eigentlich niemand so schnell aus der Ruhe. Der Unternehmer ist intensive Eins-zu-eins-Gespräche gewohnt. Auch mit schwierigen Kunden. Ein Vorfall vor wenigen Tagen allerdings beschäftigt den Emmericher immer noch. Der NRZ-Leser wollte einer Kundin helfen, die sich beim verabredeten Termin in ihrer Wohnung als schwer krank entpuppte.

Gerda K. konnte sich kaum auf den Beinen halten, hatte Schmerzen, war den Tränen nahe, weil sie offenbar seit Tagen nicht aus der Wohnung in der dritten Etage herausgekommen war. Dazu wirkte sie auf Sluyter und seinen Kollegen sprachlich verwirrt.

Als Laie nicht erkennbar

„Hier stimmte etwas ganz und gar nicht“, stellte der Unternehmer umgehend fest, „was genau, konnte ich als Laie natürlich nicht erkennen.“ Weil es an jenem Freitag allerdings schon nach 14 Uhr war, war die Hausärztin der Kundin nicht mehr in ihrer Praxis erreichbar. Also rief Sluyter den Notärztlichen Dienst unter 116 117 an. Der verwies an den zuständigen Mediziner in Emmerich, den die Haus- und Allgemeinärzte von Elten bis Praest für das Wochenende gegen einen monatlichen Obolus „einkaufen“. Und der, offenbar ohne eigene Emmericher Praxis im Geschäft, stets sein „Büro“ bei einem Kollegen aufschlägt.

Der Emmericher Mediziner am anderen Ende der Leitung erwies sich im zähen Telefonat als wenig kooperativ. Zumindest hatte Sluyter diesen Eindruck. Und regte sich auch noch Tage später gegenüber der NRZ über das Gespräch auf: „Ich habe da eine pure Abwehrhaltung gespürt. Erst sollte meine Kundin zur Praxis kommen. Was definitiv nicht ging, da sie kaum noch laufen konnte. Was ich aber auch schon ellenlang erklärt hatte. Dann meinte er, ich würde Post vom Amtsgericht bekommen, sollte ich ihn für eine Nichtigkeit zu meiner Kundin rufen.“

Vollgestopfter Postkasten

Später kam dann der Wochenendarzt offenbar doch noch ins Haus, nachdem Sluyter und sein Kollege für Gerda K. einkaufen waren, deren vollgestopften Postkasten geleert und beim Amtsgericht einen Antrag auf Betreuung gestellt hatten. Gerda K. hat, wie sich herausstellte, keine Verwandtschaft, die sich um sie kümmern kann.

Die Kundin wurde dann doch schwer krank ins Hospital gebracht. „Wenn ich nicht so hartnäckig geblieben wäre, wer weiß, ob der Arzt wirklich gekommen wäre“, fasst Sluyter zusammen. Zum Fall selber mochte sich gestern Dr. Hans-Jürgen Doerwald, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Kreis Kleve, konkret nicht äußern. Im NRZ-Gespräch riet der Mediziner allerdings dazu, im Zweifelsfalle einen detaillierten Brief an die Beschwerdestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (Tichelweg 5, 47574 Goch) zu schicken. Um auf einen Fall von möglicher Pflichtverletzung aufmerksam zu machen.

„Bei einem echten Notfall, also Luftnot, Brustbeschwerden, Lähmung in den Armen oder bei einem schweren Unfall, ist immer die 112 angesagt. Auch wenn es subjektiv für einen Laien bedrohlich wirkt. Da gibt es keinen Allgemeinschlüssel. Nur, dass eine gewisse Verhältnismäßigkeit gegeben sein muss. Bei einem Husten wäre der Notarzt genau diese nicht“, hebt Dr. Doerwald hervor.