Wenn Kinder leiden

Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Drei Einrichtungen des Marien-Hospitals Wesel leisten bundesweit einzigartige Arbeit.

Wesel..  Körperlich sind Kinder und Jugendliche heute gesünder als noch vor Jahren. „Unfälle, Gift, schwere Infektionsfolgen, das ist zurück gegangen“, sagt Dr. Ullrich Raupp. Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter Entwicklungsstörungen, Ängsten, Depressionen, Migräne, Asthma, akuten und chronischen Krankheiten. In Wesel gibt es mit dem SPZ, der Frühförderstelle IFF und der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie KPP drei Einrichtungen unter einer Führung, die auf die „neuen“ Krankheiten von Kindern und Jugendlichen spezialisiert sind. Das ist bundesweit einzigartig, Dr. Raupp ist ihr Chef, die Einrichtungen gehören zum Marien-Hospital. Und sie feiern jetzt einen dreifachen Geburtstag (siehe Box).

Vereinzelung macht krank

Die Interdisziplinäre Frühförderstelle IFF kümmert sich um die Rehabilitation für behinderte oder von Behinderung bedrohte Kinder. Sie bedürfen kontinuierlicher Betreuung, Behandlung und Förderung, eine intensive Arbeit. „Wir betreuen die Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt“, erläutert Dr. Raupp. Heilpädagogisch, psychologisch und medizinisch-therapeutisch. Das SPZ kümmert sich ambulant um chronisch erkrankte Kinder und Jugendliche und um solche, die von chronischer Erkrankung bedroht sind – das beginnt bereits beim Säugling mit Schlafstörungen oder Spielhemmungen, die Liste der Störungen und Krankheiten ist lang. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie KJPP vervollständigt das Trio. Zwölf Plätze hat die Tagesklinik für psychiatrische Störungen, seit vier Jahren gibt es hier eine Eltern-Kind-Behandlungseinheit.

Immer mehr Kinder und Jugendliche benötigen Hilfe. Als Grund dafür nennt Claudia Vogt, leitende Oberärztin in der KJPP die Auflösung der Sozialstrukturen. „Helfende Strukturen wie die Familie fallen zunehmend weg“, sagt sie, „es gibt kein tragendes Miteinander mehr, sondern Vereinzelung“. Häufig erkennen Eltern die Bedürfnisse ihrer Kinder nicht mehr, „der intuitive Umgang ist nicht vorhanden, es fehlen die Vorbilder“. Ulrich Knüwer, Pädagogischer Leiter der Frühförderstelle sieht das ähnlich. „Man sieht Mütter mit Kinderwagen, die am Handy spielen, statt Augenkontakt zu dem Kind zu halten“, nennt er als Beispiel. Eine „Ökonomisierung aller Lebensbereiche“ sieht Dr. Raupp zusätzlich, eine Überforderung, die krank macht. Kinder sind ein wirtschaftlicher Risikofaktor. Besonders gefährdet sind die Kinder psychisch Erkrankter, die Alleinerziehender und auch Armut ist ein Risiko für die Gesundheit, doch auch Wohlstandsverwahrlosung ist keine Seltenheit.

Was können die Einrichtungen erreichen? „Ein zufriedenes Leben der Familie von Kindern mit chronischen Erkrankungen“, nennt Dr. Raupp ein Ziel. Und bei akuten Erkrankungen zu verhindern, dass sie chronisch werden, zu heilen. Auf die Entwicklung der Einrichtungen ist Dr. Raupp stolz, sie sind Einmalig. Einige Wünsche sind noch offen geblieben, so fehlen der Tagesklinik drei weitere Plätze, seit Jahren bei der Bezirksregierung beantragt. Der Bedarf ist hoch. Zudem sind einige Bereiche wie die Eltern-Kind-Einheit chronisch unterfinanziert. Und die KJPP würde gern von der Dinslakener Landstraße an die Breslauer Straße umziehen. Der moderne Gebäudekomplex könnte einen Anbau erhalten. Doch das ist Zukunftsmusik.