Wenn es Nacht wird, in Marienthal...
19.06.2008 | 19:12 Uhr 2008-06-19T19:12:45+0200GEBURTSTAG. ...dann wird Kultur gemacht. Dabei fing alles ganz harmlos an - mit Zwiebelkuchen und den Weibern von Windsor.
HAMMINKELN. Knapp 40 Stühle, ein paar Bänke, der Rest wurde einfach aus dem Hotel geborgt. So fing alles an, damals, 1984, mitten in dem kulturell leicht verschlafenen niederrheinischen Dorf. Unter freiem Himmel auf dem Platz vor der Klosterkirche führte die Burghofbühne Dinslaken das Schauspiel "Die Lustigen Weiber von Windsor" auf. Weißherbst und Zwiebelkuchen wurden gereicht, an diesem ersten Kulturabend in Marienthal. Eine von vier Veranstaltungen, kurzfristig innerhalb von sechs Wochen organisiert. Ohne Verein, ohne das große Geld, "einfach aus Spaß an der Freud'", sagt Karl-Heinz Elmer.
Lindenduft und Vogelzwitschern
Ein Vierteljahrhundert ist seitdem vergangen. Am 27. Juni wird das Jubiläum im Hamminkelner Ortsteil gefeiert: die "25. Marienthaler Abende" (siehe Kasten). Ein Großereignis. "Viele prominente, aber auch viele aufstrebende, junge Künstler standen schon bei uns auf der Bühne", resümiert der 63-jährige Geschäftsführer des Vereins Kulturkreis Marienthal. Große Namen, wie Christian Quadflieg, Werner Schneider oder Susanne von Borsody waren da. Manche Künstler, die am Anfang ihrer Karriere standen. "Und uns ein Jahr später 30 000 Euro hätten kosten sollen", erinnert sich Elmer, der die Veranstaltungsreihe gemeinsam mit Christoph Jentzsch ins Leben rief. Und das ausgerechnet hier auf dem platten Land.
Vielleicht war es der berauschende Lindenduft, der sie inspiriert hatte. Diese Abendstimmung und der Gesang der Vögel - da musste sich doch irgendwie mehr draus machen lassen, dachten sie. Viel mehr sogar. Nur vier Jahre später trugen sich die "Abende" selbst. Ein Verein wurde gegründet. Heute sind zehn Veranstaltungen mit je rund 300 Besuchern Standard. Aus der Gegend um Hamminkeln kommen nur etwa 40 Prozent der 300 Besucher pro Veranstaltung. Bis Aachen, Düsseldorf und ins Ruhrgebiet sprach es sich herum.
"Den Anspruch, uns organisatorisch und künstlerisch zu verbessern, hatten wir von Anfang an", so Elmer. Knebel und Hüsch hätten sie nie genommen. Zu bekannt. "Unser Ziel war schließlich, auch nicht so bekannte Künstler zu finden." Und die wurden und werden handverlesen: Jedes Jahr suchen sie neue Talente auf der Kulturbörse in Freiburg. Dass das Dörfchen also zurück in den kulturellen Tiefschlaf versinken könnte, ist eher unwahrscheinlich.
0mitdiskutieren