Waschweiber und Wilder Westen

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Wesel..  Mit einem überdimensionalen Waschbottich, riesigem Waschbrett und voll behängter Wäscheleine zogen die Weseler R(h)einwäscherinnen durch die mit Narren gesäumten Straßen der Hansestadt. Ingrid Wüstefeld, eine der originell kostümierten Waschweiber dieser Zugnummer, erläuterte das Motto der Gruppe, die sich als „Anhängsel der Prinzengruppe“ bezeichnet: „Wir Weseler Wäscherinnen würden weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo warmes Wasser wär.“

Lokalpolitisch nahm der Elferrat der Kolpingsfamilie die Diskussionen um die 30-km/h-Zone Issel­straße aufs Korn: Autos mutierten bei der von Wagenbaumeister Heinrich Brincks entworfenen Nummer zu Schnecken, die an einem Blitzkasten vorbeikriechen. „Wesel bremst sich aus!“, stellten die Karnevalisten fest. Den Wilden Westen holte die Kleine Karnevalsgesellschaft Büderich (KKG) nach Wesel – 25 Cowboys und Indianer sorgten für prächtige Stimmung auf ihrem Wagen.

Das Narrenvolk am Straßenrand strahlte mit der Sonne um die Wette. Das war wie eine Steilvorlage für die Gruppe „Wir sind immer dabei“: Unter dem Motto „Sommer, Sonne, Auesee“ thronte hoch auf ihrem originellen Wagen Tilli Eben als „Miss Auesee“. Dahinter folgten jede Menge laufende Planschbecken. Eine fantastische Idee!

In den 80er-Jahren hängen geblieben war die Fußgruppe „Draußen ein Kännchen“, die als 40 Dieter-Bohlen- und Thomas-Anders-Doubles mit Gitarren, Mikrofonen und den passenden Outfits das Pop-Duo „Modern Talking“ wieder aufleben ließen – einfach köstlich!

Sehr originell auch die mittelalterliche Ritterburg des Karnevalskomitees Vorm Clever Tor (KVC): Die Narren zogen Wesels Stadtjubiläum einfach um ein Jahr vor, so dass sie bereits jetzt einen Grund zum Feiern hatten: „Der KVC wieder eine Nasenlänge voraus – 774 Jahre Hansestadt Wesel. Wir starten den Countdown.“ Ebenfalls weit voraus sein wollte das Feldmarker Karnevalskomitee (FKK), dessen Mitglieder bajuwarisch verkleidet mit einem Mega-Bierfass der Marke „Esel-Bräu“ bereits gestern das erste Oktoberfest des Jahres starteten. Ihre Begründung: „Überall gibt es neuerdings Oktoberfeste. Wir wollten dieses Jahr die Ersten sein!“

In der Hansekogge Vesalia hisste das „närrische Parlament der Stadt Wesel“ mit Bürgermeisterin Ulrike Westkamp das große Segel. „Wir führen die Stadt durch schwere See“, erläuterte Seemann Frank Schulten. Indisch kostümiert zog die Fußgruppe Junge Familie unter dem Motto „Bollywood“ sogar einen Elefanten hinter sich her. Ebenfalls ein echter Hingucker: Die 60 kleinen und großen laufenden Sonnenblumen vom Kindergarten Sonnenblumenhaus.