Was wir über die Römer wissen
09.12.2008 | 17:38 Uhr 2008-12-09T17:38:00+0100
Der Landschaftsverband Rheinland präsentiert ein üppiges Geschichtesbuch über die Colonia Ulpia Traiana.
XANTEN. Oft sind es die einfachen Fragen, welche die Archäologen vor kniffelige Probleme stellen. Wie haben die Römer ihren Mörtel gemacht? Oder ihre Häuser gebaut? Hatten sie Fliesen an den Wänden oder Putz? Was bestimmte das alltägliche Leben in der Colonia Ulpia Traiana? Gab es ein Krankenhaus? Wie oft war was im Amphitheater los? Fragen über Fragen, die sich zur Römerzeit stellen lassen. In Xanten forscht man seit Jahrzehnten zur Geschichte der Römer am Niederrhein und gestern stellten Martin Müller, Hans Joachim Schalles und Norbert Zieling vom Archäologischen Park Xanten (APX) eine neue „fundamentale Zusammenfassung” der aktuelle archäologischen Erkenntnisse vor.
Auf 644 Seiten widmen sich 29 Wissenschaftler ausführlich der römischen Geschichte Xantens und der Umgebung. „Das Wissen über die Römerzeit hat sich in den vergangenen Jahren enorm erweitert”, sagt Museumsleiter Hans Joachim Schalles. Die Forschungen über den privaten Wohnungsbau etwa, habe gerade in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht und liefere wichtige Erkenntnisse über das Leben der Römer am Niederrhein.
Relativ gut untersucht sind die öffentlichen Bauten, wie der Tempel, die Thermen, das Kapitol oder die Hafenanlagen. Aber auch hier gibt es immer wieder neue Details, die das Bild vervollständigen. Martin Müller, Leiter des APX, forschte zur Geschichte des Amphitheaters und hat herausgefunden, dass es damals einen Fahrstuhl gegeben hat, mit dem man die gefährlichen Gladiatorenkämpfe zu einem ungekannten Spektakel aufmotzen konnte. „Lange Zeit hat man diesen hölzernen Fahrstuhl als Kellerschacht gedeutet”, erklärt Müller. Heute hat man im Keller der Arena die Kontergewichte des Aufzuges gefunden, die einen Beleg für Müllers These bilden.
Der Band „Colonia Ulpia Traiana – Xanten und sein Umland in römischer Zeit” liefert viele neue Antworten über den Stadtaufbau, die Militärlager, die Umwelt und das damalige Klima, die Wasserversorgung und den Schiffsverkehr, obwohl gerade mal 18 Prozent des APX-Geländes erforscht sind. Mittels Georadar werden jetzt weitere Mauerreste auf dem Gelände untersucht. „Das ist für uns ein archäologischer Quantensprung”, so Müller. Denn aufwändige Grabung sind damit nicht mehr in jedem Fall nötig. (AG)
Der Band kostet 29,90 Euro, beinhaltet viele farbige Abbildungen und Grafiken und ist im Handel erhältlich.
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ISBN 3805339534
ISBN: 978-3805339537