Was bleibt von Joseph Beuys?

Joseph Beuys, hier 1979.
Joseph Beuys, hier 1979.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
23. Januar 1986: Der Weltkünstler vom Niederrhein stirbt an Herzversagen. Wer sich heute mit seinem Werk im Museum Schloss Moyland auseinandersetzt, kann zum Beispiel den Umgang mit kirchenkritischer Kunst lernen. Ein nicht allzu schlechter Rat in diesen Tagen.

Am Niederrhein..  Nun ist er also seit 29 Jahren tot, aber immer noch fasziniert er eine Masse von Menschen. Wohl nicht anders sind die immer neuen (?) Ausstellungen seiner Arbeiten landauf, landab zu erklären. Längst ist der Künstler vom Inhalt seiner Kunst getrennt und wird als Ikone verehrt, vermarktet und verfremdet. Kein Wunder, Joseph Heinrich Beuys selbst wirkte an dieser Entwicklung mit – auch das ist eine der vielen Wahrheiten, die sich um den Weltkünstler aus Krefeld, vielleicht auch aus Kleve, ranken.

Am 23. Januar des Jahres 1986 hörte sein Herz auf zu schlagen, da befand sich der Aktionskünstler, Bildhauer, Kunsttheoretiker, Kunstprofessor und Zeichner gerade in seinem linksrheinischen Atelier in Düsseldorf-Oberkassel.

Elf Tage zuvor war ihm der Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg verliehen worden. Seine Rede dort, sein Dank an Wilhelm Lehmbruck, den er als seinen Lehrer bezeichnete, war sein letzter großer öffentlicher Auftritt. Sein Vermächtnis hatte er da bereits hinterlassen: die Erweiterung des Kunstbegriffes, kurz: Die Soziale Plastik, das sind wir!

An Joseph Beuys schieden sich zu dessen Lebzeiten die Geister, der Streit geht nach seinem Tod munter weiter. Mal abgesehen vom Zwist um Fotorechte oder ein Schnapsflaschenetikett auch darüber, wessen Geistes Kind er denn nun war. War er letztlich bloß ein Scharlatan, wie der „Spiegel“ 1979 ebenfalls provokant auf seinem Titel fragte?

Es ist schon ein Kreuz mit diesem Mann. Am Niederrhein, in seiner Heimat, sind die Glaubenskämpfe mittlerweile einer, sagen wir mal, Wertschätzung gewichen.

War ihm eigentlich nichts heilig?

In Kranenburg jedenfalls käme wohl niemand mehr auf die Idee, den Abriss des Grabmales der Eltern von Hans und Franz Joseph van der Grinten zu fordern – so wie vor rund 50 Jahren noch. Beuys hatte es gestaltet und dabei auf zwei Kreuze zurückgegriffen, die er als Student bei Ewald Matarè für eine Arbeit an einem Taufbecken entworfen hatte. Die Krux aus damaliger Sicht: Die Kreuze waren gebogen. Das war damals neu, keine Satire und ernst gemeint. Heute hängen die Kreuze im Museum Schloss Moyland. Wer bis zum Frühjahr durch die alle paar Monate wechselnde Dauerausstellung schlendert, stößt irgendwann auf die religiösen Arbeiten des Schamanen.

Joseph Beuys war kein Atheist, er wuchs in einem katholischen Haushalt auf. Später riet er zum Austritt aus der Kirche, auch weil er so seine Probleme mit dem Papsttum hatte. Andererseits: Die Kreuze, Kruzifixe und Jesus-Figuren aus mehreren Jahrzehnten zeigen, wie sich die Auseindersetzung mit dem christlichen Glauben und dessen Symbole durch sein Werk ziehen.

Heute eine kleine Kuriosität, früher eine riesige Provokation: der sogenannte Christus in der Dose. Ein Jesus aus Fensterkitt in einer Zigarettenschachtel. Ärmliches Material, das er bewusst gewählt habe, weil es sich durch Wärme verändert, erklären Kenner der Materie. Für ihn soll es ein Symbol für Tod und Auferstehung gewesen sein, für Kritiker war es einst ein Sakrileg, ein Vergehen gegen Heiliges.

Nein, Joseph Beuys macht es einem nicht leicht, auch 29 Jahre nachdem seine Asche in der Nordsee verstreut wurde. Immerhin eine Erkenntnis kann aber jeder hier im Moyländer Museum gewinnen: Gelassenheit gegenüber glaubens- und kirchenkritischen Kunstwerken.

Ein nicht allzu schlechter Rat in diesen Tagen.