War hier wohl Weyhe am Werk?

Moers..  Frühmorgens, wenn die Sonne gerade aufgeht und noch ein bisschen Dunst, jetzt im Winter vielleicht sogar eine dünne Eisschicht, auf dem Wasser liegt, dann ist der Moerser Schlosspark am schönsten. „Wenn man dann über den Wall entlang der alten Festungsgräben läuft, hat man von dort oben einen schönen Ausblick über den ganzen Park“, sagt Gudrun Rapp. Mit der städtischen Denkmalschützerin geht’s auf historische Entdeckungsreise durch die winterliche Parkanlage.

1609 ließ Moritz von Oranien das Schloss erbauen. Noch heute laufen die ehemaligen Festungsgräben in einer perfekten Sternform zusammen. Die erkennt man zwar nur aus der Luft – aber sie ist typisch niederländisch. „Von den Vorbauten hatte man eine gute Übersicht, was außerhalb des Schlosses passiert“, erklärt Gudrun Rapp.

Ein Park zum Lustwandeln

Der östliche Teil des heutigen Schlossparks entstand erst mehr als 200 Jahre später. Zunächst kaufte aber der Duisburger Industrielle Friedrich Wintgens 1805 das Schloss, zog ein und machte aus den benachbarten Kasernengebäuden eine Baumwollspinnerei. 31 Jahre später soll er niemand geringeren als Maximilian Friedhelm Weyhe, Düsseldorfs Königlichen Gartendirektor, engagiert haben, um einen Park zum Lustwandeln anzulegen. Neben vielen anderen Parks in ganz Deutschland hat der auch den Düsseldorfer Hofgarten, oder den Forstgarten in Kleve konzipiert. Und eben auch im östlichen Teil des Moerser Schlossparks soll der Gartenpapst seine Finger im Spiel gehabt haben. „Tatsächlich gibt es keinen schriftlichen Nachweis darüber“, sagt die Denkmalschützerin, „aber es deutet vieles darauf hin, dass Weyhe hier am Werk war...“

Die hügelige Wegführung, Bäume, die, gezielt als Sichtachsen angepflanzt, den Blick auf Brücken, Wasserflächen und das Schloss freigeben, oder das Lindenrondell mit der Büste des Pädagogen Adolf Diesterweg, neben dessen Denkmal heute Parkbänke zum Verweilen einladen. Einmal kurz hinsetzten, tief durchatmen. Diese Ruhe... wäre es nur nicht so kalt.

Weiter geht’s über verschlungene Wege, vorbei an Kastanien und Platanen, manche davon so alt wie der Park selbst, in den westlichen Teil der Gartenanlage. Den hat 1874 der Moerser Gärtner Peter Hermann Nickertz entworfen. Zu seinen Vorlieben bei der Gartengestaltung gehörten auch exotische Pflanzenarten. So wie der Trompetenbaum, der ursprünglich aus Nordamerika stammt, seit Ende des 19. Jahrhunderts aber auch im Schlosspark in Moers wächst. Und da steht er heute noch.

Die Zeit hat ihre Spuren am Gedenkstein für die Jahn-Eiche hinterlassen? „1778 11. August 1928, Stadtverband für Leibesübungen Moers“ steht in verwitterten Buchstaben darauf. Versteckt zwischen Sträuchern und moosbewachsen, sieht ihn dort selbst Denkmalschützerin Gudrun Rapp zum ersten Mal – dem Winter sei Dank.

„Nach Friedrich Witgens Tod 1903, wollten seine Erben den Park zu Geld machen“, erzählt sie. 1905 kaufte die Stadt Moers einen Teil des 21 Hektar großen Parkgeländes und eröffnete einige Jahre später das Schloss als Museum. „Im Jahr 1914 wurde dann der gesamte Schlosspark der Öffentlichkeit freigegeben.“

Ganz in Weiß

So ist das heute noch – und zwar kostenlos. Darauf ist Moers’ Stadtsprecher Thorsten Schröder stolz. „Die Grünpflege im Park finanziert die Stadt.“ Bepflanzung, Wege, Wallanlage – alles soll in dem Baudenkmal Schlosspark möglichst originalgetreu bleiben. So wie Weyhe und Nickertz es einst erdacht haben. Und dafür engagieren sich auch viele Moerser eifrig und vor allem ehrenamtlich. „Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein hat zum Beispiel für eine Beschilderung der Bäume vorgenommen“, erzählt Schröder.

Die findet er jetzt im Winter besonders beeindruckend. „Jetzt, wo die Blätter weg sind, sieht man mit etwas Fantasie in den Bäumen sogar richtige Gestalten.“ Noch winterlicher geht nur mit einer ordentlichen Portion Schnee. Dann wird der Schlosspark zur wahren Märchenkulisse und Kinder aus der ganzen Stadt düsen mit ihren Schlitten den Rodelhügel im angrenzenden Freizeitpark hinunter.

Auch der Schlosspark ist ein richtiger Volkspark: Im April gibt’s hier den Stadtparklauf, beim „Tag des offenen Denkmals“ im September sind in der ganzen Parkanlage Buden verstreut und beim inzwischen traditionellen Rübengeisterumzug in der Nacht vor Allerheilgen am 31. Oktober, können Kinder bei einem Spaziergang durch den Park Gruselgeschichten lauschen. Wer will kann auf der Fitnessroute durch den Schlosspark joggen, und wer lieber wandert? Der kann auch auf dem Jakobsweg von Kevelaer aus durch den Moerser Park pilgern.

Aber das vielleicht beste am Moerser Schlosspark: „Es gibt wohl kaum einen so großen Park, der so nah am Zentrum liegt“, glaubt Schröder. Wer vom Trubel der Einkaufsstraße genug hat, ist in wenigen Minuten mitten im Grünen.