Vom Niederrhein nach Afrika – und zurück

Trauerseesschwalbe im Anflug.
Trauerseesschwalbe im Anflug.
Foto: Vossmeyer
Was wir bereits wissen
In NRW vom Aussterben bedroht, am Niederrhein brütet sie noch. die Trauerseeschwalbe. Jetzt sind die ersten Daten der Geolokatoren ausgewertet

Am Niederrhein..  Als Achim Vossmeyer am 9. Mai dieses Jahres das Fernglas absetzte, war er einen langen Moment auf Wolke 7. Die ersten Trauerseeschwalben waren aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurück und flogen den Bienener Altrhein und das Millinger Meer an – NRW-weit die einzige Region, in der die hierzulande vom Aussterben bedrohten Tiere noch brüten. Das an sich ist ja schon eine tolle Sache für die Naturschützer. Doch Achim Vossmeyer hatte noch etwas anderes entdeckt – am Beinchen einer der fliegenden Niederrhein-Fans war noch der Minisender, den die NZler dem kleinen Segler ein Jahr zuvor vorsichtig angeklemmt hatten! „Wir konnten also sicher sein, dass diese Trauerseeschwalbe brutplatztreu ist“, so der Leiter des NZ Kleve. „Und wenn es uns gelingen würde, das Tier einzufangen und dann den Sender sicherzustellen, könnten wir vielleicht auch die Flugroute dokumentieren.“

Und es gelang den Wissenschaftlern! Von zehn mit Geolokatoren ausgestatteten Trauerseeschwalben konnten in diesem Sommer sechs eingefangen werden – vier der kleinen, ein Gramm schweren Sender sind derzeit in der wissenschaftlichen Auswertung, eine Dokumentation liegt nun vor (siehe nebenstehende Grafik).

Stramme 16.000 Kilometer hat dieses Trauerseeschwalben-Männchen zurückgelegt, war am 6. August in Frankreich, erreichte vier Tage später die afrikanische Küste und verbrachte den Winter in Westfafrika, in der Bucht von Benin und im Golf von Guinea, um sich dann im April dieses Jahres auf den fast identischen Heimweg zu begeben. Von Mauretanien zum Niederrhein in neun Tagen – was für eine Leistung!

Wobei es für die Experten auch ganz schön knifflig ist, die Daten der Minisender auszulesen und zu interpretieren. Die kleinen Geräte zeichnen die Tageslänge in Abhängigkeit von Datum und Uhrzeit auf. Die Wissenschaftler müssen anhand der Daten dann den Zugweg und die Aufenthaltsorte im Überwinterungsgebiet errechnen.

So ein Forschungsprojekt kostet Geld – und ist nur durch Förderung möglich. „Wir sind der Stöckmann-Stiftung da sehr dankbar“, so Achim Vossmeyer, „die uns bei unserem Artenschutzprojekt Trauerseeschwalbe schon lange unterstützt.“

Dass sich die Trauerseeschwalbe am Niederrhein wohl fühlt – dafür haben Achim Vossmeyer und sein Team auch eine Menge getan in den vergangenen Jahren. Sie haben Brutflöze erfunden und gebaut, haben sich die Nächte um die Ohren geschlagen, um die Bilder der Fotofallen zu dokumentieren und haben Dutzende von Trauerseesschwalbenfüßchen beringt – mit beträchtlichem Erfolg. Dank dieses Artenschutzprojektes des Naturschutzzentrums (NZ) im Kreis Kleve sind wieder regelmäßig etwa 30-40 Brutpaare am Bienener Altrhein, am Millinger Meer sowie am Reeser Altrhein nachgewiesen.

Seit dem Frühjahr 1997 entwickelt das Naturschutzzentrum das Artenschutzprojekt für die Trauerseeschwalbe – nachdem Anfang der 1990er Jahre die letzte Brutkolonie in NRW am Bienener Altrhein verschwunden war. Im ersten Jahr konnten neun Brutpaare entdeckt werden, inzwischen sind es regelmäßig zwischen drei bis vier Dutzend Trauerseeschwalben-Eltern.