Verunsicherung pur
09.11.2008 | 21:59 Uhr 2008-11-09T21:59:53+0100FUSSBALL. MSV Duisburg verliert gegen Ahlen und steht ohne Trainer da. Fans zeigten Bommer schon vorher die rote Karte.
DUISBURG. Schon vor dem Anpfiff entzog der MSV Duisburg seinem Trainer das Vertrauen. Das Stadion-Fernsehen übertrug die Bilder aus der Fankurve in voller Pracht auf beiden Anzeigetafeln. Überall rote Karten - diesmal keine Protestaktion gegen Rassismus, sondern gegen Trainer Rudi Bommer. "Die sportliche Leistung der vergangenen Monate war nicht nicht akzeptabel", stand ebenso falsch wie deutlich auf den Zetteln gedruckt. In der Halbzeitpause legte der Stadionsender nach, zeigte sogar ein "Bommer-raus"-Transparent. Bommer raus - das war um 18.25 Uhr Fakt. Eine dreizeilige Pressemitteilung - und die Zusammenarbeit mit dem von einigen Fangruppierungen ungeliebten Trainer war beendet.
Das Spiel gegen Ahlen selbst war schon nach sechs Minuten gelaufen. Ausgerechnet Ex-Zebra Nils-Ole Book spitzelte seinem Mannschaftskapitän Lars Toborg den Ball an der Strafraumgrenze zu. Der hämmerte die Kugel in den Winkel und schon stand es 0:1. Diesem Rückstand rannte der MSV 84 lange Minuten vergeblich hinterher. Zunächst mit einigen guten Chancen. Kouemaha und Bodzek, der für den gesperrten Kapitän Ivo Grlic ins Team gerückt war, hatten den Ausgleich auf dem Fuß.
Sportlicher Erfolg stand im Hintergrund
Doch je länger das Spiel dauerte, desto nervöser agierten die Spieler. Selbst erfahrenen Bundesliga-Profis wie Markus Brzenska und Mihai Tararache gelangen die einfachsten Pässe nicht mehr. Die wütenden "Bommer 'raus, Bommer 'raus"-Rufe oder sarkastischen "So ein Tag, so wunderschön wie heute"-Gesänge verunsicherten die Mannschaft mehr und mehr. Zwischenzeitlich schien es in der Arena nicht mehr um den sportlichen Erfolg, sondern nur noch um den Kopf des Trainers zu gehen.
Symptomatisch: Gregory Christ - gestern noch einer der besseren MSV-Akteure - flog in der 73. Minute vom Platz, weil er die Nerven verlor und seinem Ahlener Gegenspieler ins Gesicht schlug. "Es ist schade, dass eine bestimmte Gruppierung am Ende Erfolg hatte und auch die Mannschaft völlig verunsicherte", meinte Rudi Bommer später im letzten Interview als Trainer. Torwart Marcel Herzog, gestern von den Fans trotz der Niederlage gefeiert, zeigte kein Verständnis für die Protestbekundgebungen. "Ich bin nicht der Fanbeauftragte. Mein Job ist es die Bälle zu halten. Aber so geht das nicht", sagte der Schweizer.
Heute um 10 Uhr beginnt die Zeit nach Rudi Bommer. Heiko Scholz wird zum vierten Mal in seiner Laufbahn als Co-Trainer für den Übergang die Verantwortung übernehmen. Laut MSV-Chef Walter Hellmich soll "Scholle" am nächsten Sonntag beim Spiel in Fürth auf der Bank sitzen. Potenzielle Nachfolger waren aber bereits gestern auf der Tribüne zu Gast. Etwa der Ex-Mönchengladbacher Jos Luhukay - an den der MSV in den letzten Jahren mehrfach interessiert war. Der Niederländer wird auch in Rostock als Trainer gehandelt. Dort ist Frank Pagelsdorf aber noch im Amt.
Auch Markus Schupp, zuletzt Co-Trainer von Huub Stevens beim Hamburger SV, verfolgte gestern an der Wedau die Partie. Eine interne Lösung gilt als unwahrscheinlich. Mit Horst Steffen (A-Jugend) und Manfred Stefes (U 23) stünden zwei potenzielle Kandidaten bereit. Egal, wer es wird: Bleibt zu hoffen, dass der neue Mann auf der Trainerbank des MSV Duisburg einen besseren Draht zu den Fans findet als zuletzt Rudi Bommer.
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