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Verliebt in alte Enten

10.06.2012 | 22:12 Uhr
Verliebt in alte Enten
Am Samstag, dem 9.6.2012, fand das Ententreffen des 2CV Fliegerclubs statt, Juergen Ehlers vom 2CV Fliegerclub zeigte, dass auch das Ankurbeln der Ente funktioniert, Helmut Gehwolf schaute zu, Foto: Gerd Hermann / WAZ FotoPool

Am Niederrhein. Über die Wiesen auf dem Driesenhof in Hünxe tönt ein lauter Knall. Jetzt ist erkennbar, wer ein Kenner und wer ein Neuling ist. Die, die verunsichert oder gar panisch, aus Angst vor einem möglichen Schuss umherblicken, das sind die, die sich nicht auskennen. Die, die sich gelassen weiter unterhalten, sind die, die hier schon lange dazugehören. Und zwar zu der Gemeinschaft der Oldtimer-Freunde. Denn dem Knall folgt keineswegs Geschrei, sondern das Geräusch eines stotternden Motors einer roten Ente, der sich kurz darauf fängt und dann beinahe katzenhaft schnurrt.

Gemütlich kurvte das historische Gefährt auf das Feld, auf dem am vergangenen Wochenende das traditionelle 2CV- und Oldtimer-Treffen stattfand. Der moderne Audi, der neben den Liebhaberstücken regelrecht charakterlos wirkte, fuhr hinter der Ente aufs Gelände, verzog sich aber schleunigst in den Parkplatzbereich weiter hinten, weit weg von den historischen Automobilen.

Rund 80 Enten und knapp 60 andere Oldtimer, darunter ein Ford Samba, ein VW Bus und ein Citroën DS 21, kamen zum Treffen auf den Driesenhof. Und mit welchem Ziel? Ja, wer das fragt, dem gibt Jürgen Ehlers, seit Schulzeiten bekennender Entenpilot, vom veranstaltenden Verein 2CV Fliegerclub eine deutliche Antwort: „Wir kommen wegen der Benzingespräche. Wir wollen natürlich auch unsere Autos zeigen, bei den anderen gucken und vergleichen, aber in allererster Linie geht es uns um den Austausch.“

Dem stimmte auch Tom Blümer zu. Er ist Enten-Fan seit seiner Jugend, aber noch recht neu im Club. „Ich fahre meine Kastenente jetzt seit etwa einem Jahr. Auf den Treffen findet man immer jemanden, der einem bei Problemen helfen kann, immer einen, der doch noch ein bisschen mehr weiß, als man selber. Man hilft sich.“

Da kommen Erinnerungen hoch

Dass es hier nicht nur darum geht, das schönste, seltenste oder teuerste Automobil zu besitzen, wird sofort klar. Wie auf einem Grillfest unter Freunden stehen die Oldtimer-Begeisterten zusammen, fachsimpeln und gehen dann mal wieder eine Runde, um sich die Gefährte anzusehen. „Es ist alles ganz kumpelhaft hier. Bei uns gibt es nicht die Autosammler, die ihre Modelle auf einem Anhänger zum Treffen bringen, damit es bloß nicht schmutzig wird. Wir fahren unsere Autos alle. Und das ist diese Liebe, die uns alle verbindet. Hierher kommen vom einfachen Malocher bis hin zum Chirurgen alle -- alle, die Oldtimer lieben“, so Blümer.

Und diese Liebe kennt auch Dietrich Pollmann. Er kam mit seiner Frau Brunhilde zum Oldtimer-Treffen. „Wenn ich diese Wagen sehe, dann spüre ich ganz starke Sentimentalität. Ich habe viele der Autos selber früher herumfahren sehen, manche sogar selber gefahren. Da steigen die Erinnerungen hoch.“ Liebevoll und mit einer gewissen Ehrfurcht folgt Pollmann den eleganten Linien, der eindrucksvollen Form des anthrazit-grauen Citroën DS 21. „Das war ja damals eine richtige Staatskarosse“, und nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Und natürlich der Wagen der schweren Jungs.“

Seine Frau betrachtete die Enten und schmunzelte. „Ich bin selber früher 2CV gefahren. Als ich mit meiner Mutter im Sauerland im Urlaub war, kam die Ente dann aber doch an ihre Grenzen. Die Steigung der Berge war zu viel für sie, und wir rollten zurück bergab.“ Noch einmal würde sie sich keine Ente kaufen, aber auch den amerikanischen Lincoln Continental nicht. „So ein riesiger Straßenkreuzer. Stellen Sie sich mal vor, damit müsste man durch die Innenstadt fahren. Da kommt man doch um keine Ecke.“

Wer nach Gucken, Reden und Staunen vom Thema Auto genug hatte, konnte bei der jährlichen Tombola spielen oder der Musik der Dinslakener Oldie-Band The Greyhounds lauschen. „Wir sind sehr zufrieden“, so Jürgen Ehlers. „Da es bei uns keine Eintrittskarten gibt, haben wir zwar keine genauen Zahlen, aber es kamen viele Leute. Und das macht immer wieder Spaß.“

Anna Blaswich



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Kommentare
Kommentare
11.06.2012
18:26
Verliebt in alte Enten
von joestar | #1

Danke Frau Blaswich,
so konnte ihnen wenigstens kein Leser im Foto stehen. Es ist immer wieder toll, wenn mann hinterher aus der Zeitung / derwesten erfährt, was man tolles verpasst hat!

Vielen Dank, weiter so! (Die ironischen Smileys sind hier ja nicht gewollt !!!)

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