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Venlo macht sich frei

03.02.2009 | 19:12 Uhr

Die niederländische Grenzstadt Venlo möchte den lästigen Ladenschluss kippen. Der Rat stimmte jetzt für 20 verkaufsoffene Sonntage. Andere Konkurrenzstädte sind längst weiter - die haben an 52 Sonntagen die Ladentüren auf. Das will Venlo auch.

VENLO. Hallo, gibt es hier auch noch Holländer? Sieht nicht so aus, hier unten in der Tiefgarage Nolenplein in der Venloer Innenstadt. Autos aus Düsseldorf und Duisburg, den Kreisen Kleve, Wesel und Viersen. Wuppertaler sind auch noch hier, nur die gelben Buchstabentafeln kann man nicht finden. Venlo ist auch an einem ganz normalen Dienstagmorgen fest in deutscher Hand. Mit gut gefüllten Einkaufskarren shoppen die meist älteren Touristen durch die Supermärkte und kaufen Kaffee, Tabak, Vanillevla und Schokoflocken. Ein gutes Geschäft für die Holländer, denn die Niederrheiner lassen jährlich gut 220 Millionen Euro in der Grenzstadt – ein Drittel des Gesamtumsatzes.

Venlo ist Einkaufsstadt und geht es nach den Stadtoberen, dann sollen die Deutschen künftig noch viel mehr Gelegenheiten bekommen, hier am Wochenende einzukaufen. Gestern Abend beschloss der Rat der Stadt Venlo, dass es in diesem Jahr 20 verkaufsoffene Sonntage geben wird. Bislang waren zwölf zugelassen. Gartencenter dürfen künftig jeden Sonntag ihre Tore öffnen.

Die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten hatte in den vergangenen Monaten für eine Menge Ärger in der Kaufmannschaft gesorgt. Stadtmanager Jan Brouwers erklärt warum: „Die Geschäfte in der Innenstadt sind zum größten Teil für eine Lockerung der Öffnungszeiten. Aber die kleineren Familienbetriebe haben so ihre Schwierigkeiten damit. Sie müssten dann sieben Tage die Woche arbeiten.” Und gerade die kleinen historischen Läden in der Innenstadt sorgen für die richtige Einkaufsstimmung.

Venlo versucht, mit den 20 verkaufsoffenen Sonntagen eine Kompromisslinie zu fahren. Denn bei den regionalen Konkurrenten Roermond, Arcen und Velden dürfen die Läden bereits jetzt schon an 52 Sonntagen im Jahr öffnen. „Sie haben einen touristischen Status, daher gibt es dafür eine Ausnahme”, sagt Venlos Stadtsprecher Hans van den Borg. Aus einer Marktstudie von 2007 geht hervor, dass Venlo bereits viel Kaufkraft an Roermond abgegeben hat.

Unbegrenztes Einkaufen. Dafür plädiert auch Arnold Pijnenborg. Er leitet den neuen Tref-Supermarkt an der Umgehungsstraße von Venlo (Nijmegseweg). Auf 4000 Quadratmetern eröffnet Pijnenborg heute Abend um 18 Uhr einen der größten Albert Heijn-Supermärkte in den Niederlanden. „Gut ein Drittel unserer Kunden kommt aus Deutschland, und wir haben unsere Produkte auch darauf abgestimmt”, sagt Pijnenborg. Er freut sich, an acht zusätzlichen Sonntagen öffnen zu können. Spezielle Deutschland-Tage (14. Juni, 4. Oktober) sollen die Besucher locken. „Die Leute wollen Atmosphäre erleben, sonst könnten sie auch bei Aldi einkaufen”, sagt Pijnenborg.

ANDREAS GEBBINK

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