Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Gesellschaft

Uni Duisburg erforscht das Lächeln

27.07.2010 | 19:28 Uhr
Uni Duisburg erforscht das Lächeln

Duisburg.Die Uni Duisburg veranstaltet eine Internationalen Tagung zur Mimikforschung. Hier wird erforscht, warum Frauen öfter lächeln und Männer es im Leben leichter haben.

Mancher Ungerechtigkeit dieser Welt wird doch noch auf den Grund gegangen. Etwa der Tatsache, dass Männer es mitunter leichter haben im Leben als Frauen.

Noch immer sind, das zeigt der Führungskräftemonitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, nur 27 Prozent der Chefs weiblich.

Warum das so ist? Möglicherweise hat es damit zu tun, dass Frauen mehr lächeln. Das ist nicht paradox - sondern Forschungsgebiet der Uni Duisburg. Und ein Thema der Internationalen Tagung zur Mimikforschung, die die Uni derzeit ausrichtet.

Das ist nicht bloß ein Vorurteil, dass Frauen tendenziell offener sind. Sondern wissenschaftlich bewiesen. Sagt Prof. Dr. Nicole Kraemer, Leiterin des Fachbereichs Sozialpsychologie an der Uni Duisburg. „Man weiß seit vielen Jahren, dass es Unterschiede in der Mimik von Männern und Frauen gibt. Frauen sind expressiver, zeigen mehr Mimik. Vor allem: mehr Lächeln.“

Andere Erwartungen
an Frauen

Das ist schön für andere. Aber nicht immer von Vorteil für die Frau selbst. Denn „an Frauen werden andere Erwartungen gestellt.“ Frauen haben, gefälligst, zu lächeln. Nicole Kraemer berichtet von Studien, bei denen Männer und Frauen, die auf dieselbe Art gelächelt haben, unterschiedlich bewertet wurden. Eine lächelnde Frau wird danach als normal empfunden. „Eine Frau, die nicht lächelt, wird abgewertet“, berichtet die Duisburger Professorin, „weil sie abweicht vom normalen Verhalten einer Frau.“ Ein lächelnder Mann hingegen „kann nur gewinnen“ weil er sich positiv abhebt.

Der erste Bundestagswahlkampf mit Angela Merkel als Kanzlerkandidatin sei ein Beleg für diese Erwartungshaltung. „Warum guckt die so unfreundlich, immer die herunterhängenden Mundwinkel. Das wäre sicherlich weniger gesagt worden, wenn es sich um einen männlichen Kandidaten gehandelt hätte“, meint Kraemer.

Und wenn es dann, wie bei Angela Merkel - trotz oder wegen hängender Mundwinkel - doch geklappt hat, mit der Führungsrolle? Sollte der Chef bitte lächeln oder möglichst ernst dreinschauen? Das Duisburger Institut erforscht derzeit, „inwieweit für Frauen in Führungspositionen andere Regeln gelten als für Männer.“ Also: rein ausdruckstechnisch. Generell aber, so die Professorin, begeistern Führungskräfte mit „charismatischem Führungsstil“ ihre Mitarbeiter eher . Charismatisch heißt in diesem Fall: „mit expressiver Mimik“. Also lächeln.

Kleinste Regungen
als Beweis

Aber bitte ehrlich lächeln. Nicht gespielt. Denn angeblich offenbart die so genannte Mikromimik, ob jemand nur so tut als ob. Oder sogar lügt. Eine ganze Reihe Forscher berufen sich auch in Duisburg auf Paul Ekman, den „Pionier der Mimikforschung“, der bis vor wenigen Jahren ebenfalls Besucher der Tagung war und dessen Arbeit Grundlage der Fernsehserie „Lie to me“ ist.

Er entwickelte ein System aus 43 Grundbewegungen des menschlichen Gesichtsmuskeln, die das Gesicht zum Spiegel der Seele machen, weil kleinste Bewegungen die wahren Emotionen des Menschen offenbaren. Beispiel: Wer nur künstlich lächelt, senkt die Augenbrauen leicht.

Diese Wissenschaft wurde in den USA schon zur Überführung von Kriminellen eingesetzt, quasi als „Beweis“ erzählt Nicole Kraemer, die Ekman zwar als Begründer des Forschungsbereichs Mimik anerkennt, seine Theorie aber nicht teilt. Weil sie Mimik nicht für den Spiegel von Emotionen sondern für ein erlerntes Kommunikationsmittel hält - schon Kinder erfahren, dass „die Mutter vor Freude ausflippt, wenn sie lächeln“. Nicht jede Gefühlsregung, auch nicht jede Lüge spiegele sich in der Mimik wieder. Wenn es etwa um Geburtstagsüberraschungen ginge, könnten die meisten Menschen sehr überzeugend lügen.

Und: Wenn ein Ehemann spät abends nach Hause kommt und mit einem mikromimischen Lächeln behauptet, er sei bei der Arbeit gewesen, „muss das nicht heißen, dass er bei seiner Geliebten war. Sondern es kann auch heißen, dass er bei der Arbeit etwas Tolles erlebt hat.“ Aber lächelnde Männer scheinen ja ohnehin eher ungewöhnlich.

Anja Hasenjürgen

Empfehlen
Rund ums Thema
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
29.07.2010
09:13
Uni Duisburg erforscht das Lächeln
von Bonico | #2

Man hat ja auch sonst nichts zu tun,als Steuergelder zu verschwenden

29.07.2010
08:50
Uni Duisburg erforscht das Lächeln
von Kalutti | #1

Wenn ich das lese, werde ich wütend. Dafür finanzieren wir also aus Steuermitteln hochbezahlte Professoren, damit diese so ein unnötiges Zeug erforschen.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3294224/create

Aktuelle Fotos und Videos
Musik und Sonne pur
Bildgalerie
Moers Festival
Sommer, Sonne ...
Bildgalerie
Hitze
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Unwetter am Niederrhein
Bildgalerie
Wetter
Aus dem Ressort
Mann beim Grillen vom Balkon geschleudert
Grillparty
Eine schwere Verpuffung hat am Pfingstwochenende ein junger Mann in Rees ausgelöst. Bei einer Grillparty kippte er Spiritus in die Glut. Durch die Druckwelle wurde ein 33-Jähriger vom Balkon geschleudert. Er wurde schwer verletzt.
200 Liter pro Abend
Pfinsten daheim! (V)
Vom gelben Engel bis zum Bademeister. Das lange Pfingstwochenende am Niederrhein aus fünf verschiedenen Blickwinkeln. Mit Dragan Simic, Kellner im Duisburger Biergarten „Lindenwirtin“