Und was ist Ihnen „heilig“?

Im Museum Katharinenhof in Kranenburg füllen Devotionalien eine Dauer-Ausstellung. Das Stiftsmuseum in Xanten sucht nun für eine Sonder-Austellung „fromme Sachen“ - und die Geschichte dazu.
Im Museum Katharinenhof in Kranenburg füllen Devotionalien eine Dauer-Ausstellung. Das Stiftsmuseum in Xanten sucht nun für eine Sonder-Austellung „fromme Sachen“ - und die Geschichte dazu.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das Stiftsmuseum in Xanten sucht Exponate für eine Ausstellung: Dinge, die einen religiösen Bezug zu ihrem Besitzer haben und eine Geschichte erzählen... Die Leihgaben sollen ab November dann gezeigt werden...

Am Niederrhein..  Sie kennen das sicher: Es gibt da so bestimmte Dinge, die sind einem einfach heilig. Nicht, dass das besonders wertvolle Sachen sind, neinnein, aber es sind Dinge, mit denen verbinden sich ganz viele, oft auch sehr emotionale Erinnerungen: Das erste Poesie-Album mit den Lakritzeflecken, die ein damals Vierzehnjähriger hineinsabberte – und der Typ ist dann doch tatsächlich Ihr Ehemann geworden... Oder dieses kleine Andachtsbildchen, dass Oma zeit ihres Lebens in dem kleinen abgegriffenen Liederbüchlein aufbewahrte. Oder vielleicht auch der Plüschteddy, der jahrelang unverändert seinen Platz auf dem Sofa einnahm – und davor auf dem Krankenbett eines todkranken Kindes versucht hatte, Trost zu spenden...

Das Xantener Stiftsmuseum sucht nun gerade diese Dinge, sucht „fromme Sachen“, um Geschichte und Geschichten zu erzählen. Dazu gehören natürlich religiöse Kultgegenstände, klassische Devotionalien – Marienbilder etwa, Heiligenstatuen oder auch das Kruzifix aus dem Herrgottswinkel. „Aber wir suchen auch ganz gewöhnliche Dinge“, so Elisabeth Maas, stellv. Museumsleiterin, „Andenken oder Symbole für eine ganz private, ja man kann vielleicht sagen, eine durchaus sentimentale Begegnung mit dem Glauben.“

Der Teddy, der vielleicht viele viele stumme Gebete mitgebetet hat. Das Andenkenbildchen, das Oma von Opa geschenkt bekam – bevor der in den Krieg zog. Und das sie immer wieder in Händen hielt - bis er tatsächlich heimkam...

„Wir möchten Geschichten erzählen, die hinter diesen „frommen Sachen“ stecken, so Elisabeth Maas. Und dazu werden dann all die Dinge, die sich in so manchem privaten „Schatzkästchen“ noch verbergen, in einer eigenen, großen Ausstellung gewürdigt, die von November 2015 bis März 2016 im Stiftsmuseum zu sehen sein wird. Ziel der Ausstellung soll sein, einmal die private Seite religiöser Kultur am Niederrhein darzustellen, die Vielfalt ihrer Bildersprache zu vermitteln und einem breiten Publikum zu zeigen.

Und es sind berührende Geschichten, die die Niederrheiner Elisabeth Maas bislang schon erzählt haben: Da ist die kleine gusseiserne Madonna, die ein Müllmann aus dem Schutt der Verbrennungsanlage rettete. Oder der kleine Kinderaltar, an dem man früher einmal Messe spielen konnte. Oder gar diese Verseh-Garnitur, die für die Krankensalbung gedacht war – aber nie benutzt wurde – sogar das Original-Preisschildchen klebt noch auf der Rückseite: 13 Mark.

All diese Dinge gehören zur kulturellen Biographie des Niederrheins – und, ganz sicher, Sie bekommen Ihre Leihgabe wieder heile zurück. Und wenn Sie lieber anonym bleiben wollen – auch das geht. Bis Ostern nimmt das Museum Ihre „frommen Sachen“ noch an.

Infos: 0 28 01 - 98 77 8-14.

Gesucht werden religiöse Kultgegegenstände, die einen ernsthaften Bezug zum christlichen Glauben aufweisen und eine Episode aus der Geschichte einer Familie oder einer Einzelperson erzählen können. Das dürfen Kreuze sein und Bildchen, aber auch Briefe, Anhänger, Steine, Muscheln... Warum haben Sie diesen Gegenstand aufbewahrt, welches Erlebnis verbinden Sie mit ihm? Im November gibt’s dazu dann eine Sonderausstellung. Infos auch im Netz:
www.stiftsmuseum-xanten.de