Und dazu: Feingemalter Kaffee

Unseren Lese-Tipp des Monats vorbereitet hat heute Eva Korn, Buchhandlung Korn, in Wesel:.  Norbert Scheuer

Die Sprache der Vögel

C.H. Beck Verlag

238 Seiten; 19,95 Euro

Paul Arimond (der Romanheld) geht 2003 als Bundeswehr-Sanitäter nach Afghanistan.

Ambrosius Arimond, der Urgroßvater von Paul, überquerte 1776 die Alpen Richtung Osten und reiste bis ins heutige Afghanistan. Er reiste mit dem Blick auf das „lapislazuliblaue Pergament des Himmels“ gerichtet, auf dem er die Flugbilder der Vögel beobachtete.

Paul teilt die Leidenschaft seines Urahnen. So bewaffnet sich Paul in Afghanistan immer öfter mit dem Fernglas, um die ungeahnte und faszinierende Vielfalt der afghanischen Vogelwelt zu erkunden. Paul schreibt Tagebuch. Er notiert seine ornithologischen Beobachtungen und schildert den Alltag im Camp. Gleichzeitig erinnert er sich an seine Kindheit in der Eifel und die Verarbeitung eines Traumas. Seine ornithologischen Notizen illustriert Paul mit leicht dahin getuschten Vogelbildern. Als Malmaterial dient ihm stark gekochter Kaffee. Diese Kaffeezeichnungen, die den Text illustrieren, machen das Leseerlebnis noch zusätzlich zu einem besonderen Kunstgenuss. Man ist an die Schlichtheit der japanischen Tuschezeichnung erinnert, die mit Leichtigkeit das Wesentliche festhält.

Es scheint, als wolle Paul der Realität entfliegen. Der Realität des unbequemen Lebens im Camp und der permanenten Gefahr des Alltags als Bundeswehrsoldat in Afghanistan. Der Realität seiner Mitschuld an einem Unfall in der Vergangenheit. Die Realität des Selbstmordes seines Vaters, der Tod seines besten Freundes. Er schreibt in sein Tagebuch: „Vielleicht kommt es im Leben nur darauf an, irgendetwas zu finden, bei dem alles in Vergessenheit gerät.“

Dieses Buch wird garantiert nicht in Vergessenheit geraten!

Gerade stand das Buch auf der Shortlist zum Leipziger Buchpreis. Der Autor Norbert Scheuer wurde 1951 geboren und arbeitet als Systemprogrammierer. Er lebt in Kall in der Eifel. Norbert Scheuer erhielt zahlreiche Literaturpreise, u.a. den Georg K. Glaser-Preis (2006), den d.lit-Literaturpreis (2010) und den Rheinischen Literaturpreis Siegburg (2010).